Was sind Ursachen und was hilft?

Tabuthema Inkontinenz: Wenn Blasenschwäche den Alltag bestimmt

05. März 2020 - 9:47 Uhr

Inkontinenz und Blasenschwäche sollte frühzeitig behandelt werden

In Deutschland leiden schätzungsweise mehr als neun Millionen Menschen an Inkontinenz. Schon beim Lachen oder Niesen kann es passieren: Unfreiwillig kommt es zum Harnabgang, ohne dass Sie den Drang zur Toilette verspüren. Welche Ursachen hat die Blasenschwäche, und welche Behandlungsmethoden gibt es?

Inkontinenz ist nach wie vor ein Tabuthema

Unter Blasenschwäche können Frauen und Männer jeden Alters leiden, wobei Frauen häufiger betroffen sind und das Risiko mit dem Alter zunimmt. Harninkontinenz ist die verbreitetste chronische Krankheit unter Frauen. Dennoch wird das Thema in den meisten Fällen totgeschwiegen: Nur jeder fünfte Betroffene geht wegen einer Blasenschwäche zum Arzt. Zu hoch ist die Angst, in der Öffentlichkeit oder in der Familie "enttarnt" zu werden.

Bedeutung des Begriffs: Was ist Inkontinenz?

Von einer Inkontinenz spricht man, wenn der Körper den Inhalt der Blase und/oder des Darms nicht sicher speichern kann und gar nicht oder nur mangelhaft selbst bestimmen kann, wann und wo er entleert wird. Bemerkbar macht sich das durch unwillkürlichen Urinverlust oder Stuhlabgang, so die Definition der "Deutschen Kontinenz Gesellschaft".

Ist Ihnen das auch schon einmal passiert? Nehmen Sie das Problem nicht auf die leichte Schulter. Sie sollten zum Arzt gehen, wenn Sie eine der folgenden Fragen mit "Ja" beantworten können:

  • Müssen Sie mehr als acht Mal pro Tag auf die Toilette?
  • Müssen Sie deutlich öfter als früher "Wasserlassen"?
  • Spüren Sie manchmal einen plötzlichen unkontrollierten Drang zum Wasserlassen?
  • Haben Sie schon einmal Urin verloren, weil Sie den Drang nicht beherrschen konnten?
  • Verlieren Sie manchmal Urin beim Lachen oder Husten?
  • Haben Sie Schmerzen beim Wasserlassen?
  • Haben Sie oft das Gefühl, Ihre Blase nicht vollständig entleeren zu können?
  • Leiden Sie häufig unter lang anhaltendem Nachtröpfeln nach dem Wasserlassen?

Was sind Ursachen der Inkontinenz?

Für Inkontinenz gibt es zahlreiche Ursachen. Eine der häufigsten ist eine Schließmuskelschwäche. Bei Frauen geschieht das oft nach gerade erfolgter oder zurückliegender schwerer Geburt oder Mehrfachgeburten. Dadurch wird der Beckenboden überdehnt.

Auch in den Wechseljahren kann es zur Blasenschwäche kommen: Weil der Hormonspiegel absinkt, werden die Schleimhäute im Unterleib trockener, dünner und verletzlicher. Die Scheidenwände erschlaffen, und die Beckenbodenmuskulatur verliert an Kraft. Dadurch sinkt die Blase ab und der "Verschlussapparat" kann versagen. Übergewicht kann den Beckenboden ebenfalls belasten.

Mehr als ein halbes Dutzend Erscheinungsformen der Blasenschwäche sind bekannt. Die wichtigsten sind die Stressinkontinenz, die Dranginkontinenz und die Überlaufinkontinenz.

Behandlung der Inkontinenz: Was hilft wirklich?

Die Behandlung der Inkontinenz hängt von ihrer Art ab. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um die beste Therapie zu finden. Je nach Ausprägung der Krankheit können Medikamente helfen, während eine schwere Inkontinenz operativ behandelt werden sollte. In vielen Fällen hilft aber schon ein Training!

Harndrang-Inkontinenz, verursacht durch übermäßige Reizbarkeit der Blasenmuskeln, wird hauptsächlich durch Blasentraining mit dem Ziel behandelt, den Zeitraum zwischen den Blasenentleerungen zu verlängern.

Bei Belastungs- oder Stressinkontinenz bei Frauen ist das Training der Beckenbodenmuskulatur erfolgversprechend.

Mit Beckenbodentraining gegen Blasenschwäche

Die Beckenbodenmuskulatur liegt auf der Innenseite des Beckens und umschließt Harnröhre, Scheide und Darmöffnung. Sie kontrolliert zusammen mit den Schließmuskeln diese Öffnungen. Darum ist es wichtig, diese Muskulatur zu trainieren - insbesondere nicht erst dann, wenn die Blasenschwäche schon zum nervigen Alltag geworden ist. Auch gesunde Frauen können ihren Beckenboden trainieren, einfach um der Erkrankung vorzubeugen.

So trainieren Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur:

  • Spannen Sie die Schließmuskeln so stark wie möglich an.
  • Wiederholen Sie diese Anspannung zehn Mal.
  • Versuchen Sie, diese Anspannung sechs bis acht Minuten zu halten.
  • Um einen Effekt zu erzielen, müssen Sie die Übung drei Mal täglich wiederholen.
  • Für ein intensiveres Training ziehen Sie die Muskeln acht Sekunden zusammen. Versuchen Sie anschließend, die Muskeln drei oder vier mal schnell zusammenzuziehen.