Gesundheitlicher Zustand verbessert

Anschlag auf "Satanische Verse"-Autor: Salman Rushdie kann wieder sprechen

"Satanische Verse"-Autor Salman Rushdie in Hals gestochen Täter festgenommen
00:31 min
Täter festgenommen
"Satanische Verse"-Autor Salman Rushdie in Hals gestochen

30 weitere Videos

Der weltberühmte Schriftsteller Salman Rushdie ist Opfer eines brutalen Anschlags geworden. Ein Mann sei in der Veranstaltungshalle im Ort Chautauqua „auf die Bühne gerannt“ und habe Rushdie und einen Interviewer angegriffen, teilte die Polizei mit. Der Autor wird nach Angaben seines Agenten wohl ein Auge verlieren, sein Zustand habe sich aber verbessert. Laut einem Autoren-Kollegen kann Rushdie aber schon wieder sprechen.

Angreifer stach oder schlug 15-mal auf Rushdie ein

Festnahme
Dieses Foto von der Festnahme des Tatverdächtigen wurde in sozialen Medien verbreitet

Ein Lichtblick! Der Gesundheitszustand des Star-Autors Salman Rushdie verbessert sich stetig. Sein Kollege Aatish Taseer verkündete in der Nacht zum Sonntag die frohe Nachricht: Rushdie sei „vom Beatmungsgerät genommen und spricht (und scherzt).“ Rushdies Agent Andrew Wylie bestätigte die Informationen, wollte mit weiteren Details allerdings warten. Wylie hatte der „New York Times“ gesagt: „Salman wird vermutlich ein Auge verlieren, die Nerven seines Arms wurden durchtrennt, und seine Leber wurde durch einen Stich getroffen und beschädigt.“

Auch zitierte die „New York Times“ eine Zeugin: „Es gab nur einen Angreifer. Er war schwarz gekleidet. Er hatte ein loses schwarzes Kleidungsstück an. Er rannte blitzschnell auf ihn zu.“ Ein Reporter der US-Nachrichtenagentur Associated Press berichtete, der Angreifer habe zehn bis 15 Mal auf Rushdie eingeschlagen und eingestochen. Weitere Zeugen berichteten im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass Menschen aus dem Publikum dem Schriftsteller zur Hilfe geeilt seinen. Einige sollen den Angreifer überwältigt haben, andere leisteten erste Hilfe. Die Polizei nahm nach der Attacke einen Tatverdächtigen fest. Der 24-jährige Mann hat derweil auf nicht schuldig plädiert. Das teilte sein vom Gericht bestellter Anwalt der Nachrichtenagentur „Reuters“ mit.

1988 schrieb Rushdie das Buch "Die satanischen Verse". Es setzt sich unter anderem kritisch mit dem Islam auseinander. Deswegen war er einst mit einer Fatwa bel egt worden, die zu seiner Tötung aufforderte.

Ayatollah Khomeini rief zum Mord an Rushdie auf

FILE - Author Salman Rushdie appears at a signing for his book "Home" in London on June 6, 2017. Rushdie has been attacked while giving a lecture in western New York. An Associated Press reporter witnessed a man storm the stage Friday at the Chautauq
Salman Rushdie
GP, AP, Grant Pollard

Der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini sagte damals: „Ich informiere das stolze muslimische Volk der Welt, dass der Autor des Buches ,Die satanischen Verse‘, welches sich gegen den Islam, den Propheten und den Koran richtet, sowie alle, die zu seiner Publikation beigetragen haben, zum Tode verurteilt sind. Ich bitte sämtliche Muslime, die Betroffenen hinzurichten, wo immer sie auch sein mögen.“

Ein japanischer Übersetzer wurde später tatsächlich getötet. Rushdie musste untertauchen, erhielt Polizeischutz.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Anschlag auf Salman Rushdie löst Entsetzen aus

Kill Salman Rushdie ist auf einem Spruchband zu lesen, das iranische Frauen (Archivbild vom 17.2.1989) in Teheran bei einer Demonstration gegen den britischen Schriftsteller Salman Rushdie und sein Buch Satanische Verse mit sich führen. Der iranische
Iranische Frauen in Teheran mit einem Spruchband, auf dem übersetzt "Tötet Salman Rushdie" steht (Frauen (Archivbild vom 17.2.1989))
rh/dt, picture-alliance / dpa, -

Der Anschlag löste Entsetzen aus. Der US-Senator und Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, twitterte: „Dieser Angriff ist schockierend und entsetzlich. Er ist ein Angriff auf die Rede- und Gedankenfreiheit, die zwei Grundwerte unseres Landes und der Chautauqua Institution sind.“

Gouverneurin Kathy Hochul bezeichnete den Angriff als „schreckliches Ereignis“. Sie schrieb bei Twitter: „Unsere Gedanken sind nach diesem schrecklichen Ereignis bei Salman und seinen Lieben.“

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattformtwitter, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

Ob das jetzige Attentat auf den Autor in Verbindung zu dem damaligen Mordaufruf steht, ist unklar. Nach Angaben seines Verlags aus dem vergangenen Jahr aber hätte die Fatwa inzwischen aber keine Bedeutung mehr. Rushdie sei nicht mehr eingeschränkt in seiner Bewegungsfreiheit und brauche auch keine Bodyguards mehr.

Wenige Tage vor dem Attentat hatte er dem Magazin „Stern“ gesagt, dass er sich in den USA sicher fühle. „Das ist lange her“, so Rushdie im Interview mit Korrespondent Raphael Geiger Ende Juli auf die Frage, ob er noch immer um sein Leben bange.(dpa; uvo)