Entscheidung zum Thema Organspende im Bundestag

Baerbock triumphiert: Organspende auch künftig nur mit Zustimmung

17. Januar 2020 - 10:21 Uhr

Bundestag entscheidet gegen Widerspruchslösung bei Organspenden

Das Thema ist hoch sensibel, die Debatte darum emotional - Organspender sein oder nicht? In Deutschland wurden im Jahr 2019 gerade mal 2995 Organe gespendet. Am Donnerstag hat der Bundestag über neue Regeln für die Organspende abgestimmt. Die Abgeordnete stimmten dabei gegen die Widerspruchslösung von Jens Spahn. Die Deutschen werden somit nicht automatisch zu Organspendern. Nachdem sie Spahns Lösungsansatz abgelehnt hatten, stimmten die Abgeordneten für die Entscheidungslösung. Alle Einzelheiten - im Video.

Entscheidungs- und Widerspruchslösung wurden diskutiert

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble eröffnete die Sitzung am Donnerstag um 9 Uhr. Insgesamt sprachen 24 Bundestagsabgeordnete, um für ihre Lösung im Thema Organspende zu werben. Dabei wurden zwei Hauptansätze diskutiert: Die Entscheidungslösung und die Widerspruchsregelung. Die AfD brachte außerdem die Vertrauenslösung ins Spiel.

Die Entscheidungslösung sieht vor, dass die Entnahme von Organen und Geweben nach dem Tod nur zulässig ist, wenn dem die verstorbene Person zu Lebzeiten oder stellvertretend die Angehörigen zugestimmt haben.

Bei der Widerspruchsregelung wird der Verstorbene zum Organspender, wenn er einer Organentnahme zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. Angehörige haben kein Widerspruchsrecht.

So argumentierten die Abgeordneten

Grünen-Chefin Annalena Baerbock sprach sich mit Nachdruck für die Entscheidungslösung aus. Ihr konkreter Vorschlag: ein Online-Register, in den jeder eintrage solle, ob er Spender sein wolle oder nicht. So könnten Ärzte im Notfall sofort einsehen, wem ein Organ entnommen werden darf und wem nicht. "Unsere Gesellschaft ist solidarisch. 84 % wollen spenden." Die Widerspruchsregelung verurteilte Baerbock dabei scharf: "Wem gehört der Mensch? Er gehört nicht dem Staat. Er gehört sich selbst."

Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit, hatten die Widerspruchslösung ins Gespräch gebracht. Er wies daraufhin, dass medizinische Versorgung in Deutschland in keinem Bereich schlechter sei, als in der Organspende. "Jeder von uns ist potenzieller Organempfänger." Es gebe nur wenige, die auf ein Spenderherz verzichten würden. Deshalb solle sich jeder mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob man der Organspende aktiv widersprechen wolle oder nicht. Gleichzeitig wies der CDU-Mann darauf hin, dass man an mehreren Punkten ansetzten müssen. "Die Widerspruchslösung ist keine Wunderwaffe – sie wird nicht alle Probleme löse."

Der Gesetzesentwurf von Jens Spahn wurde von den Abgeordneten abgelehnt.
Der Gesetzesentwurf von Jens Spahn wurde von den Abgeordneten abgelehnt.
© REUTERS, ANNEGRET HILSE, AHI/DAM

Organspende: Es geht um Leben und Tod

Für mehr als 9.000 Menschen in Deutschland geht es beim Warten um Leben und Tod. Sie sind dringend auf eine Organspende angewiesen, weil ihr Körper nicht mehr hundertprozentig funktioniert. Alljährlich verschlechtert sich der Gesundheitszustand bei über 1.000 der Patienten auf den Wartelisten so sehr, dass entweder keine Transplantation mehr möglich ist - oder sie sterben sogar.

Die Organspenden gingen 2019 zurück.
Die Organspenden gingen 2019 zurück.
© dpa, Soeren Stache, soe fpt kno htf vfd sis dna wst

Es mangelt an geeigneten Organspendern

Die großen Skandale um manipulierte Wartelisten sind schon einige Jahre her, die Einstellung der Deutschen ist laut Umfragen so positiv wie nie. Nur: Es mangelt an geeigneten Spendern. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Organspender leicht von 955 auf 932 zurück.

Die Zahl der gespendeten Organe sank 2019 von 3.113 auf 2.995. Das waren 1.524 Nieren, 726 Lebern, 329 Lungen, 324 Herzen, 87 Bauchspeicheldrüsen sowie 5 Dünndärme. Jeder Spender hat im Schnitt mehr als drei Schwerkranken eine neue Lebenschance geschenkt.