Urteil eines Oberlandesgerichtes zu Anti-Kater-Mitteln

Kater ist eine Krankheit: Kann ich mich jetzt mit dickem Kopf krankmelden?

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25. September 2019 - 11:00 Uhr

„Sorry, Chef, hab 'nen Kater, bleibe zuhause“

Dicker Schädel, der Magen flau, flotte Verdauung, allgemeines Unwohlsein, Verstimmung - nach einer ausschweifenden Nacht folgt gerne der berühmte Kater. Viele melden sich dann einfach krank, illegalerweise. Blau machen wegen blau gewesen sein. Sorgt jetzt ein Urteil des Oberlandesgerichtes Franfurt am Main dafür, dass Krankfeiern wegen Kater in Zukunft erlaubt ist?

Das Urteil: Lebensmittel dürfen nicht als Kater heilend beworben werden

Ein Interessensverein hatte gegen die Werbeaussagen von Anti-Kater-Mittelherstellern geklagt. Pulverförmigen Sticks und trinkfähige Mischungen, sogenannte Shots, wurden damit beworben, dass sie einem Kater vorbeugen oder ihn heilen können. Das OLG urteilte am 23.9. in einem Berufungsverfahren, dass diese Aussagen unzulässig sind. Denn, so die Begründung, bei einem Kater handele es sich um eine Krankheit.

Die Lebensmittelinformationsverordnung schreibt aber vor, dass Lebensmitteln "keine Eigenschaften der Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer menschlichen Krankheit" zugeschrieben oder der "Eindruck dieser Eigenschaft entstehen lassen" dürfen. Rechtlich gesehen müsse der Krankheitsbegriff hier weit gefasst werden, so die Begründung der Richter.

Kann ich mich jetzt ganz legal krankmelden, wenn ich einen Kater habe?

"Man sollte das Urteil nicht übertragen auf das Arbeitsrecht", sagt uns Rechtsanwalt Martin Schnell. "Hier ging es ja um die Frage: Arzneimittel oder Lebensmittel? Hier hat auch ein Zivilgericht entschieden und kein Arbeitsgericht. Da gelten unterschiedliche Maßstäbe. Auf das Arbeitsrecht hat dieses Urteil deswegen nicht ohne weiteres Wirkung."

Sein Ratschlag an Menschen, die am Wochenende mal einen über den Durst getrunken haben: "Das sollte ich meinen Chef vielleicht nicht ungedingt auf die Nase binden. Das wird nicht gut ankommen."

Ein Arzt schreibe zudem nicht krank, wie es umgangssprachlich heißt, sondern arbeitsunfähig. Ein gewichtiger Unterschied: Ein Mensch, der krank sei, aber in Behandlung, wie zum Beispiel ein Asthmatiker, sei nicht automatisch arbeitsunfähig. Genau so kann mit Kater durchaus gearbeitet werden - aber mit 1,3 Promille sei man hingegen wiederum arbeitsunfähig.