Es vergehen Monate, bis sie eine Diagnose bekommt

„Die Ärzte sagten, ich bilde mir die Schmerzen nur ein“ – Rückenschmerzen von junger Mutter sind Krebs im 4. Stadium

Collage: Natalie Phelps und ihre Familie im Jahr 2020 / Phelps im Krankenhaus.
Natalie Phelps und ihre Familie im Jahr 2020 (links). Zu dieser Zeit startete sie gerade ihre Chemotherapie. Wenig später postete sie die ersten Fotos und Videos aus dem Krankenhaus (rechts).
Instagram/@bootycancermom

Als Natalie Phelps aus Washington im letzten Trimester ihrer Schwangerschaft ist, bekommt sie starke Rückenschmerzen. Für die werdende Mutter und die Ärzte ganz normal, schließlich soll sie bald entbinden. Doch als sie Monate später kaum noch sitzen kann vor Schmerzen, geht sie zum Arzt, der ihre Sorgen zunächst abtut – ehe er Krebs im vierten Stadium feststellt.

Phelps ahnt: Diese Symptome sind nicht auf die Geburt zurückzuführen

Anfang März 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, liegt die heute 40-jährige Natalie Phelps im Krankenhaus. Sie ist hochschwanger, steht kurz vor der Entbindung ihres zweiten Kindes und hat starke Schmerzen im Rücken, im Becken und im Bereich des Enddarms, wie „Today“ berichtet. Ihre Ärzte vermuten zu diesem Zeitpunkt, dass Phelps an Hämorrhoiden leide, die nach der Geburt jedoch verschwinden würden. Stattdessen verschlimmern sich die Schmerzen.

„Als ich entlassen wurde, hatte ich immer noch diese Schmerzen“, erzählt Phelps „Today“. „Ich nahm eine Menge Antibiotika und Schmerzmittel, sodass ich sie nicht wirklich wahrnahm, aber ich verlor das ganze Babygewicht sehr schnell.“ Sechs Wochen nach der Geburt ändert sich ihr Stuhlgang. Sie hat nicht mehr nur Verstopfung, sondern mit einem Mal Durchfall. Phelps ahnt, dass diese Symptome nicht auf die Geburt zurückzuführen sind.

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Bildet sie sich alles nur ein?

Ihre Gynäkologin empfiehlt ihr, zum Gastroenterologen zu gehen, um eine Darmspiegelung zu machen. Doch stattdessen geht die Mutter zum Hausarzt. „Im Nachhinein wünschte ich, ich hätte es getan“, sagt sie. Sie sei wegen Corona vorsichtig gewesen und habe einen persönlichen Arztbesuch immer wieder hinausgezögert. Abgesehen davon, dass ihr Hausarzt nichts finden kann. Ultraschalle, Röntgenaufnahmen, rektale Untersuchungen – alles führt ins Nichts. Und langsam zweifeln die Ärzte an Phelps Schmerzen. Sie habe eine komplizierte Geburt gehabt und nehme viele Antibiotika, so die Experten. Womöglich rühren die Komplikationen daher? Sie solle einfach noch mehr Probiotika nehmen. "Der Hausarzt sagte mir auch: 'Ich glaube, Sie haben einen Nervenschaden von der Geburt.'"

Zwischenzeitlich glaubt Phelps selbst, dass sie sich alles nur einbilde. "Ich war so niedergeschlagen von der Isolation, den Schmerzen und der schrecklichen Geburt, dass ich mich für einen Moment fast mit dieser Idee abgefunden hätte. Ich sagte: 'Na ja, vielleicht bilde ich es mir nur ein'", sagte Phelps. Sie vertraue ihren Ärzten. Aber rückblickend mache sie deren Einschätzungen nur noch wütend. "Ich konnte nicht gehen. Ich konnte nicht sitzen. Ich war die ganze Nacht wach und weinte.“

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Nach Monaten bei unterschiedlichen Ärzten und Naturheilkundlern bekommt sie endlich einen Termin bei einem Gastroenterologen, der nicht lange zögert und eine Darmspiegelung durchführt. „Ich ging mit dem Gedanken in die Darmspiegelung, dass ich mit Colitis oder Morbus Crohn aufwachen würde – etwas, das nicht lustig ist, aber kein Krebs", sagte die heute 40-Jährige. Doch als sie aufwacht, die schreckliche Diagnose: Phelps hat Darmkrebs. Im 4. Stadium.

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Nach der 18-stündigen OP ist der Tumor raus

"Ich erinnere mich, dass ich unkontrolliert schluchzte, weil ich dachte, ich würde sterben und mein Kind, das gerade vier Monate alt war, mit meinem Mann allein lassen. Und ich hatte auch einen dreijährigen Sohn", sagte sie. "Ich stand einfach unter Schock, lag buchstäblich auf dem Boden und schluchzte."

Phelps hat bereits Metastasen in der Leber. Chemotherapie und Bestrahlung helfen nicht, im April 2021 muss sie eine 18-stündige Operation über sich ergehen lassen. Ihr komplettes Becken sei ausgeschöpft worden, erzählt sie. "Ich habe mein Rektum, mein Perineum und zwei Drittel meiner Vagina verloren. Meine Gebärmutter und meine Eierstöcke wurden alle entfernt, und ich hatte eine rekonstruktive Operation mit einem Lappen aus Gewebe von meinem Oberschenkel.“

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Phelps mit ihrem Hund im Bett.
Die Chemotherapie ist sehr anstrengend für Phelps, weshalb sie danach viel schlafen muss. Immer mit dabei: der Familienhund.
Instagram/@bootycancermom

"Ich bin so, wie ich bin"

Sie lebt jetzt mit einem permanenten Kolostomiebeutel und muss weiterhin zur Chemotherapie, um die restlichen Krebszellen zu bekämpfen. "Ich hatte viele Probleme mit meinem Körper und trauerte um meinen alten Körper, weil ich keinen künstlichen Darmausgang hatte, weil ich keine Narben auf meinem ganzen Bauch hatte", sagte Phelps. "Ich habe beschlossen, dass ich das Beste daraus machen werde. Ich so bin, wie ich bin.“ Sie hofft, dass ihre Geschichte andere ermutigt, sich für ihre Gesundheit einzusetzen und sich auf Darmkrebs untersuchen zu lassen. " Wenn man sich untersuchen lässt, kann man all diese Operationen und alles, was ich durchgemacht habe, verhindern. Meine Güte. Wenn ich das mit 35 Jahren erkannt hätte, wäre die Geschichte ganz anders verlaufen.“ (jbü)