Bloggerin Mia de Vries steht vor ihrer schwersten Aufgabe

Abschied von Mama: Wie erklärt eine Mutter ihrem Kind, dass sie todkrank ist?

18. Februar 2020 - 10:11 Uhr

Wie ein Buch dabei helfen soll...

Bloggerin Mia de Vries (29) kämpft seit Jahren gegen den Krebs - nun ist sie austherapiert. Vor zwei Wochen verabschiedete sie sich in einem rührenden und letzten ausführlichen Post von ihren Followern. Jetzt steht ihr die schwerste Aufgabe ihres Lebens bevor: ihrem vierjährigen Sohn Levi zu erklären, dass sie bald weg ist und nie mehr zurückkommen wird. Wie tapfer sich Mia trotz all der Umstände schlägt, zeigen wir im Video.

Ein Buch hat ihr sehr dabei geholfen, ihren Sohn auf die schwere Zeit vorzubereiten: "Abschied von Mama" von Sigrun Eder. Uns hat die psychologische Psychotherapeutin und Autorin erklärt, wie man als Mutter seinem Kind erklärt, dass man selbst - oder ein anderer geliebter Mensch - bald nicht mehr da sein wird.

Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wie alt sollte das Kind sein?

"Sobald die Fakten auf dem Tisch liegen und die Mutter weiß, welche Erkrankung und Prognose sie hat. Die Kinder benötigen die Informationen, was alles gleichbleibt und was sich ändert und wer sich um sie kümmert, wenn die Mutter es nicht mehr kann. Die Kinder brauchen außerdem die klare Ansage, dass sie die Mutter etwas über ihre Krankheit fragen können."

"Kinder sollten meiner Meinung nach immer informiert werden, wenn sich die Lebensumstände ändern. Je jünger das Kind, desto basaler würde ich informieren. Auch Kleinkinder spüren Unterschiede im Erleben und Verhalten ihrer primären Bezugsperson, die meistens die Mutter ist. Und wenn es sprachlich nicht vermittelbar ist, würde ich es trotzdem sagen, denn Gefühle sprechen oft mehr als Worte."

Wie vermittelt man seinem Kind "Mama ist bald nicht mehr da"?

"Ich empfehle zuerst auf den Kontext zu achten. Nämlich auf eine geschützte, vertraute Umgebung, in der das Kind seine Emotionen zeigen kann. Dann sollte man das Kind fragen, ob ihm in letzter Zeit aufgefallen ist, dass etwas mit der Mutter anders ist. Sollte das für das Kind altersbedingt zu schwierig sein, würde ich direkt zum Punkt kommen und sagen, dass man krank ist. Ich würde auf die nächsten Schritte wie Behandlungen eingehen und nur so viel sagen, wie man weiß und das in kindgerechter Dosis und Form. Sollte das Kind bereits ahnen, dass die Krankheit lebensgefährdend ist oder danach fragen, würde ich die Wahrheit empfehlen. Kinder verdienen es nicht, angelogen zu werden. Sie haben feine Antennen und müssen wissen, woran sie sind. Eine solche Situation ist sehr emotional und zugleich ein einschneidender, unvergesslicher Moment."

Was kann ein Kind bei der Verarbeitung unterstützen?

"Dem Kind versprechen, dass man es auf dem Laufenden hält und es so viel Information bekommt, wie es braucht, um sich im Alltag zu orientieren. Keineswegs sollte das Kind als Gesprächspartner für die Sorgen der Mutter bzw. der Erwachsenen verwendet werden. Das Kind braucht auch Informationen, was mit der Mutter passiert und welche Effekte die Behandlung mit sich bringt. Es soll auch wissen, was es den anderen Kindern über die Mutter sagen kann. Trotz der Schwere einer solchen Situation sollte es Zeiten geben, in denen die Krankheit zumindest für ein paar Minuten an zweiter Stelle steht. In dieser Zeit könnten miteinander kurze Spiele gespielt werden, eine Geschichte gelesen oder vorgelesen oder eine andere Aktivität durchgeführt werden. Auf jeden Fall dafür sorgen, dass es neben der Ernsthaftigkeit der Situation auch unbeschwerte Momente gibt. Die Mutter sollte sich auch psychologische/psychotherapeutische Unterstützung holen, wenn sie sich unsicher ist, was und wie sie etwas sagen kann. So kann sie mit Unterstützung die für sie richtigen Worte finden. Es gibt Familienberatungsstellen, wo sich Kinder jemanden anvertrauen können."

Und wenn Oma, Opa, Tante, Onkel & Co. sterben?

"Auch hier für einen passenden, geschützten Moment sorgen. Sagen, dass man mit dem Kind über etwas Wichtiges sprechen möchte. Und dann erklären, was Sache sein wird. Ganz wichtig ist hierbei, dem Kind Zeit zum Verarbeiten der schlechten Nachricht zu geben, ihm dabei beistehen und auch heftige Reaktionen oder gar Stille aushalten. Auch fragen, ob das Kind konkrete Gedanken hat, ebenso die nächsten Schritte klären: Geht das Kind zum Sterbebett? Möchte es etwas für die Person tun oder ihr etwas sagen? Will das Kind eventuell auch auf die Beerdigung?"