Borreliose-Zecken-Hund

Borreliose beim Hund: Symptome, Behandlung und wie Sie Ihren Hund schützen

Viele Hunde tragen Antikörper gegen Borreliose, ohne je krank zu werden, deshalb ist ein Titer allein keine Diagnose. Wir zeigen, wann er zählt, wann die Impfung sinnvoll ist und was beides kostet.

* Wir verlinken mit sog. 'Affiliate-Links' auf Online-Shops und Partner, von denen wir unter Umständen eine Vergütung erhalten.
Laura Schneider Geschrieben von Laura Schneider

Der häufigste Borreliose-Befund beim Hund ist ein positiver Antikörpertiter bei einem Hund, dem nichts fehlt. Borreliose beim Hund wird von Borrelia burgdorferi sensu lato ausgelöst und vom Gemeinen Holzbock übertragen, der dafür nach der ESCCAP-Empfehlung mindestens 16 bis 24 Stunden saugen muss. Dass Borreliose Hunde danach tatsächlich krank macht, ist nach derselben Quelle die Ausnahme und nicht die Regel. Die schwierigste Frage auf dieser Seite ist deshalb nicht, wie die Krankheit aussieht, sondern was ein Laborergebnis über Ihren Hund aussagt und was nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erreger: Borrelia burgdorferi sensu lato, ein Sammelbegriff für 11 bekannte Spezies und Genotypen, übertragen vom Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus).
  • Übertragung: mindestens 16 bis 24 Stunden Saugzeit nach der ESCCAP-Empfehlung (Stand April 2011). Kürzer sitzende Zecken übertragen nach dieser Angabe nicht.
  • Symptome: Fieber, Abgeschlagenheit, geschwollene Lymphknoten und Gelenke, wandernde Lahmheit. Die Wanderröte, die beim Menschen typisch ist, fehlt beim Hund.
  • Diagnose: Antikörper sind erst 3 bis 5 Wochen nach der Infektion nachweisbar, und ein positiver Titer belegt den Kontakt, nicht die Erkrankung.

Erreger, Überträger und das Zeitfenster am Zeckenstich

Hinter dem Namen Borrelia burgdorferi sensu lato stecken 11 bekannte Spezies und Genotypen; er bezeichnet eine ganze Erregergruppe. Übertragen wird sie in Deutschland vom Gemeinen Holzbock, der häufigsten heimischen Zecke, und ein relevanter Anteil der Zecken hierzulande trägt Borrelien in sich. Eine belastbare Durchseuchungsquote in Prozent nennen wir hier nicht, weil dafür keine belegte Zahl vorliegt, die diesen Namen verdient.

Entscheidend ist stattdessen die Saugzeit. Die ESCCAP-Empfehlung zu vektorübertragenen Krankheiten (Stand April 2011) formuliert es unmissverständlich: infizierte Zecken müssen für mindestens 16 bis 24 Stunden saugen, bevor die Übertragung auf einen neuen Wirt stattfinden kann. Das ist die am besten belegte Anheftungszeit unter allen Zeckenerkrankungen des Hundes, und sie ist der Grund, warum das abendliche Absuchen mehr bringt als jede Nachsorge.

Faustregel: Eine Zecke, die Sie am Fundtag abnehmen, hat Borrelien mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht übertragen. Die Zangentechnik und den Produktvergleich haben wir bei den Zecken beim Hund im Detail aufgeschrieben.

Warum Borreliose Hunde seltener krank macht, als der Titer vermuten lässt

Übertragung und Erkrankung sind zwei verschiedene Ereignisse, und zwischen ihnen liegt beim Hund eine grosse Lücke. ESCCAP beschreibt das Risiko, nach einer Übertragung tatsächlich zu erkranken, als gering. In der Praxis heisst das: Ein Hund, der jahrelang durch Wald und hohes Gras läuft, kann Antikörper gegen Borrelien bilden und trotzdem nie ein Symptom zeigen.

Für Sie hat das zwei Folgen. Erstens ist ein Test ohne Symptome selten hilfreich, weil sein häufigstes Ergebnis Sie ratlos zurücklässt. Zweitens dürfen Sie eine Lahmheit nicht automatisch der Borreliose zuschreiben, nur weil ein alter Titer positiv war. Genau an dieser Stelle werden Kreuzbandrisse, Arthrosen und andere Ursachen übersehen.

Kurz gesagt: Lassen Sie nicht ins Blaue testen. Ein Borreliose-Titer ist dann sinnvoll, wenn Ihr Hund Beschwerden hat, die dazu passen, und er ist dann teuer und verwirrend, wenn Sie ihn ohne Anlass mitbestellen.

Die Symptome, und die eine, die es beim Hund nicht gibt

Erkrankte Hunde zeigen Fieber, Abgeschlagenheit, geschwollene Lymphknoten und geschwollene, schmerzhafte Gelenke. Das charakteristischste Zeichen ist eine wandernde Lahmheit: Der Hund humpelt einige Tage auf einem Bein, dann auf einem anderen. Wechselt die Lahmheit die Seite, ist das die Beobachtung, die Sie in der Praxis unbedingt erwähnen sollten, weil sie den Verdacht überhaupt erst in diese Richtung lenkt.

Was beim Hund fehlt, ist die Wanderröte. Das Erythema migrans, der wandernde rote Ring um die Einstichstelle, ist beim Menschen das Frühzeichen der Lyme-Borreliose, und ESCCAP hält ausdrücklich fest, dass es beim Hund keine Rolle spielt (ESCCAP: Borreliose beim Hund, was Sie darüber wissen sollten). Eine gerötete Stelle nach dem Zeckenstich ist beim Hund eine örtliche Reaktion auf den Stich selbst und trägt zur Borreliose-Frage nichts bei.

Hinweis: Suchen Sie beim Hund nicht nach dem Ring, den Sie von Bildern aus der Humanmedizin kennen. Sie werden ihn nicht finden, und die Zeit, die Sie darauf verwenden, fehlt beim eigentlichen Warnzeichen, dem Zusammenspiel von Fieber und wechselnder Lahmheit einige Wochen nach einem Zeckenstich. Neurologische Verläufe werden beim Hund diskutiert, sind aber nicht in derselben Quellenqualität belegt wie Fieber, Lahmheit und Gelenkschwellung.

Ein positiver Titer ist noch keine Diagnose

Die Borreliose-Diagnostik beim Hund arbeitet in der Regel indirekt: Das Labor sucht keine Erreger, sondern Antikörper gegen sie. Auf Laborberichten steht dafür oft ein C6-Peptid-ELISA. Drei Grenzen dieses Verfahrens sollten Sie kennen, bevor Sie ein Ergebnis in der Hand halten:

  1. Zu früh getestet ist wertlos: Antikörper sind erst 3 bis 5 Wochen nach der Infektion nachweisbar. Ein Test drei Tage nach dem Zeckenstich kostet Geld und sagt nichts.
  2. Positiv heisst Kontakt, nicht Krankheit: Der Titer zeigt, dass das Immunsystem den Erreger gesehen hat. Ob die aktuellen Beschwerden Ihres Hundes davon kommen, steht dort nicht.
  3. Beweisend ist nur der direkte Nachweis: Definitiv ist allein der Erregernachweis aus Gewebe, und der ist aufwendig und wird selten durchgeführt.

Unser Rat: Fragen Sie in der Praxis nicht „ist der Test positiv“, sondern „passen die Beschwerden meines Hundes zur Borreliose, und was schliessen wir sonst noch aus“. Das ist die Frage, die zu einer Diagnose führt. Ein Titer ohne passendes Krankheitsbild ist ein Laborwert, kein Befund. Denselben Fallstrick hat die Anaplasmose, die dieselbe Zecke überträgt und deshalb im Labor oft gleich mitgetestet wird.

Behandlung: mindestens vier Wochen Antibiotikum

Behandelt wird mit einem Antibiotikum, in der Regel Doxycyclin, alternativ Amoxicillin, und ESCCAP nennt dafür eine Dauer von mindestens vier Wochen. Das ist deutlich länger als die Kur, die viele Halter erwarten, und es ist der Punkt, an dem Behandlungen am häufigsten scheitern.

Wichtig: Setzen Sie das Antibiotikum nicht ab, wenn die Lahmheit nach acht Tagen verschwunden ist. Die Beschwerdefreiheit kommt oft deutlich vor dem Therapieende, und die verkürzte Kur ist der klassische Grund für einen Rückfall. Über Dosis und Wirkstoffwahl entscheidet Ihre Tierärztin, denn beides hängt an Gewicht, Vorerkrankungen und Verträglichkeit.

Die Borreliose-Impfung: Wahlimpfung, keine Standardimpfung

Es gibt eine Impfung, und sie ist unter Tierärzten umstritten. Die StIKo Vet am Friedrich-Loeffler-Institut führt sie in ihrer Impfleitlinie für Kleintiere (6. Auflage, Stand 06.01.2025) als Wahlimpfung. Sie gilt damit keinem Hund als Standard, empfohlen wird sie für Tiere mit hohem Infektionsrisiko durch häufigen Aufenthalt in Busch- und Waldgebieten. ESCCAP liefert die zweite Hälfte der Abwägung: Ob eine Borreliose-Impfung sinnvoll ist, muss im Einzelfall und je nach Region entschieden werden, und ein sicherer Zeckenschutz über die gesamte Zeckensaison bleibt in jedem Fall empfohlen (ESCCAP: Kann man gegen Zecken impfen?).

Diese Kontroverse lösen wir hier nicht auf, weil sie fachlich offen ist. Wir sagen Ihnen aber, was daraus für Sie folgt: Die Impfung ist eine Zusatzentscheidung für Hunde mit hoher Exposition, kein Ersatz für ein Zeckenmittel, und sie schützt gegen genau einen Erreger. Der Vergleich der Kosten macht das greifbar:

Schutzwegerstes JahrFolgejahreschützt gegen
Borreliose-ImpfungGrundimmunisierung ab ca. 80 bis 150 EUR, je nach Impfstoff zwei oder drei ImpfungenAuffrischung ab ca. 25 bis 40 EURBorrelien
Zeckenhalsbandca. 65 bis 100 EURca. 65 bis 100 EURalles, was die Zecke tragen kann
Kautablettenca. 205 bis 220 EURca. 205 bis 220 EURalles, was die Zecke tragen kann

Die Impfkosten stammen aus Ratgeberquellen und nicht aus einer Preisliste, deshalb steht überall ein „ab ca.“. Rechnen Sie im ersten Jahr mit der Impfung plus dem Zeckenmittel, nicht mit der Impfung statt des Zeckenmittels. Wer nur eine der beiden Ausgaben tragen kann und dessen Hund nicht täglich im Unterholz unterwegs ist, ist mit dem Zeckenmittel besser bedient: Es adressiert alle Erreger, die eine Zecke mitbringt, nicht nur einen.

Tipp: Fragen Sie in der Praxis nach dem Impfschema des verwendeten Impfstoffs, bevor Sie zusagen. Zwei oder drei Grundimmunisierungstermine bedeuten zwei oder drei Anfahrten und zwei oder drei Untersuchungsgebühren, und das entscheidet über die Endsumme mehr als der Impfstoffpreis.

Diagnose und Behandlung: die Posten auf der Rechnung

Die Gebührenordnung für Tierärzte setzt die allgemeine Untersuchung mit Beratung mit 23,62 EUR im einfachen, 47,24 EUR im zweifachen und 70,86 EUR im dreifachen Satz an. Für die Labordiagnostik kommen hinzu:

  • Grosses Blutbild ab ca. 23,52 EUR im einfachen Satz; in der Praxis liegt es je nach angesetztem Satz bei ab ca. 25 bis 70 EUR. Was dabei genau untersucht wird, steht in unserer Übersicht zu den Kosten für ein Blutbild beim Hund.
  • Einzel-Antikörpertiter ab ca. 20 bis 45 EUR pro Parameter, abhängig vom Labor und vom Satz der Praxis.

Rechnen Sie damit, dass ein Termin mit Untersuchung, Blutbild und einem Titer im mittleren Satz schnell im dreistelligen Bereich landet, und dass die Antibiotikakur über vier Wochen dazukommt. Welcher Satz auf Ihrer Rechnung steht, erklärt unsere Seite zu den Tierarztkosten nach der GOT.

Welche Tarife Impfung und Zeckenschutz aus einem Budget zahlen

Die beiden Ausgaben, um die es auf dieser Seite geht, sind versicherungstechnisch dasselbe: Vorsorge. Eine Hundekrankenversicherung bedient sie deshalb aus dem jährlichen Vorsorgebudget und nicht aus der allgemeinen Leistung, und nur dann, wenn der Tarif Impfungen und Parasitenmittel dort tatsächlich beide aufführt. Prüfen Sie in Ihren Bedingungen genau diese Doppelnennung. Viele Tarife listen Impfungen und schweigen zu Antiparasitika, und dann tragen Sie den grösseren der beiden Posten allein. Die drei Tarife unten sind die, die beide Zeilen abdecken oder das grösste Budget dafür bereitstellen. Borreliose ist dabei nur eine von vielen Hundekrankheiten, für die ein solches Budget zählt.

Lassie: Vorsorgepauschale für Impfung und Parasitenschutz zugleich

Lassie nennt Impfungen und Parasitenschutz gemeinsam in seiner Vorsorgepauschale und deckt damit genau die zwei Posten dieser Seite aus einem Topf. Die Pauschale liegt bei 35 EUR im Tarif Mini, 100 EUR im Midi und 140 EUR im Maxi. Die allgemeine Wartezeit beträgt 30 Tage, nach einem Unfall 2 Tage, für bestimmte Diagnosen 18 Monate. Im Ausland sind Sie bis zu 12 Monate weltweit abgesichert.

Lassie: Impfung und Parasitenschutz aus einem Topf
Vorsorgepauschale bis 140 EUR im Jahr, Impfungen und Parasitenschutz gemeinsam genannt, 2 Tage Wartezeit nach einem Unfall.

Cleos: das grösste Vorsorgebudget im Vergleich

Wenn die Grundimmunisierung im ersten Jahr auf ein Zeckenmittel trifft, ist die Budgetobergrenze der entscheidende Wert, und bei Cleos liegt sie bei 250 EUR im Jahr, mit Parasitenmitteln ausdrücklich auf der Produktseite. Das Budget gibt es als zubuchbaren Vorsorgebaustein zu jedem der drei Tarife, es kommt also zum Monatsbeitrag hinzu. Für die Grundtarife zahlen Sie 23,99, 31,19 oder 32,99 EUR im Monat. Die Wartezeit beträgt 30 Tage, für bestimmte Operationen 6 Monate.

Cleos: Vorsorgebaustein für Impfung und Zeckenmittel
Bis zu 250 EUR im Jahr über den zubuchbaren Baustein, Grundtarife ab 23,99 EUR im Monat, 30 Tage Wartezeit.

HanseMerkur: Vorsorge Plus als Zusatzbaustein

HanseMerkur deckelt die Vorsorge im Tarif Premium bei 75 EUR und im Premium plus bei 100 EUR und erweitert das Premium plus auf Wunsch um den Baustein Vorsorge Plus mit bis zu 250 EUR im Jahr. Wer die Impfung mitversichern will, muss bei diesem Anbieter also den Zusatzbaustein mitrechnen und nicht nur die Grundtarife vergleichen. Die allgemeine Wartezeit beträgt einen Monat. Im Ausland greift der Schutz bei akuter Erkrankung, abgerechnet wird nach der deutschen GOT, und bereits bekannte oder begonnene Behandlungen bleiben ausgeschlossen.

HanseMerkur: 250 EUR Vorsorge über das Add-on
Grundtarife mit 75 oder 100 EUR Vorsorge, mit dem Baustein Vorsorge Plus bis 250 EUR im Jahr.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei Verdacht auf Borreliose, bei der Bewertung eines Testergebnisses und bei jeder Änderung einer laufenden Therapie entscheidet die behandelnde Tierarztpraxis.

Häufige Fragen zur Borreliose beim Hund

Wie lange muss eine Zecke saugen, bis sie Borrelien überträgt?

Mindestens 16 bis 24 Stunden. So steht es in der ESCCAP-Empfehlung, und es ist die belastbarste Zeitangabe zu einer Zeckenerkrankung des Hundes überhaupt. Praktisch heisst das: Wenn Sie Ihren Hund abends absuchen und eine noch flache, nicht vollgesogene Zecke finden, war das Übertragungsfenster mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht erreicht.

Ist Borreliose beim Hund heilbar?

In den meisten Fällen sprechen erkrankte Hunde gut auf das Antibiotikum an, und die Beschwerden verschwinden. Eine Zahl in Jahren oder Prozent nennen wir dazu nicht, weil dafür keine belastbare Quelle vorliegt. Wichtiger für Sie ist die Konsequenz: Vier Wochen Therapie durchziehen. Und wenn Monate später erneut eine Lahmheit auftritt, lassen Sie neu abklären, statt auf gut Glück nachzubehandeln.

Mein Hund ist positiv, aber gesund. Was jetzt?

Zunächst nichts überstürzen. Ein positiver Titer ohne Symptome ist kein Behandlungsauftrag, und viele Hunde bleiben dauerhaft gesund. Besprechen Sie mit der Praxis, ob und wann kontrolliert wird. Für einen Versicherungsabschluss hat der Befund allerdings Gewicht: Steht die Diagnose vor Vertragsbeginn dokumentiert in der Patientenakte, behandeln die geprüften Anbieter sie als Vorerkrankung, und alles, was daran hängt, bleibt aussen vor. Wer noch keinen Vertrag hat, sollte diese Reihenfolge kennen, bevor er testen lässt.

Soll ich meinen Hund gegen Borreliose impfen lassen?

Das hängt an der Exposition, und die Fachwelt ist sich hier nicht einig. Die StIKo Vet führt die Impfung als Wahlimpfung und empfiehlt sie für Hunde, die häufig in Busch- und Waldgebieten unterwegs sind. Für einen Stadthund mit Gehwegrunden ist sie nach dieser Logik nicht vorgesehen. Was in beiden Fällen gilt: Der Zeckenschutz bleibt, denn die Impfung deckt nur Borrelien ab und nicht die übrigen Erreger, die dieselbe Zecke mitbringen kann.