„Ich habe das Gefühl, alles verloren zu haben“Früher Olympia-Sprinterin, heute bettlägerig! Und das nur wegen ME/CFS

Seit den Olympischen Spielen 2021 hat sich Beth Dobbins Leben radikal verändert.
Seit den Olympischen Spielen 2021 hat sich Beth Dobbins Leben radikal verändert. (Archivbild)
picture alliance / DPPI media | Yoann Cambefort

Die ganze Familie leidet mit ihr.
Vor fünf Jahren sprintete sie noch bei den Olympischen Spielen in Tokio. Heute verbringt Beth Dobbin (32) mehr als 22 Stunden täglich im Bett. Die ehemalige Spitzensportlerin leidet an ME/CFS, einer schweren chronischen Erkrankung. In einem bewegenden Interview mit der BBC erzählt sie, wie sehr die Krankheit ihr Leben verändert hat.

Olympia-Sprinterin Beth Dobbin verbringt täglich 22 Stunden im Bett

200 Meter in Höchstgeschwindigkeit. Dafür trainierte Beth Dobbin jahrelang, bis sie 2021 bei den Olympischen Spielen in Tokio ihren großen Traum verwirklichte. Die Britin gehörte zu den schnellsten Frauen ihres Landes. Heute ist die 32-Jährige froh, wenn sie überhaupt einmal aufstehen kann.

Mehr als 22 Stunden täglich verbringt sie im Bett. Das Haus hat sie in diesem Jahr nur fünfmal verlassen. Der Grund ist eine schwere Erkrankung namens ME/CFS.

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„Ich habe das Gefühl, alles verloren zu haben“, sagt Dobbin in einem bewegenden Interview mit der BBC. Zwar habe sie noch ihre Familie, doch ihre Selbstständigkeit, ihre Gesundheit und die Möglichkeit, zu arbeiten oder Sport zu treiben, seien ihr genommen worden.

Nach zwei Infektionen verschlechterte sich ihr Zustand

Die ersten Anzeichen bemerkte Beth Dobbin im Winter 2021/2022. Damals hatte sie sich mit dem Coronavirus und dem Epstein-Barr-Virus infiziert, das unter anderem Pfeiffersches Drüsenfieber auslösen kann. Zunächst schien alles halb so schlimm. Sie schlief länger, ihre Laufzeiten wurden schlechter. Doch die Beschwerden nahmen zu. Bei Wettkämpfen litt sie unter Schwindel, Schmerzen und zunehmender Erschöpfung.

Bei der Leichtathletik-Europameisterschaft 2022 verlor sie kurz vor dem Start plötzlich das Gefühl in ihren Beinen. Es folgten zahlreiche Arztbesuche und Untersuchungen, bis schließlich die Diagnose feststand. Beth leidet an Myalgischer Enzephalomyelitis, kurz ME. Die Erkrankung wird häufig auch als ME/CFS bezeichnet. Im April 2026 musste sie ihre Karriere endgültig beenden.

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Was ist ME/CFS und warum ist die Krankheit so belastend?

ME/CFS ist eine schwere chronische Erkrankung, die mehrere Körpersysteme betreffen kann. Typisch sind massive Erschöpfung, Schmerzen, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme. Ein großes Problem ist die sogenannte Belastungsintoleranz. Schon geringe körperliche oder geistige Anstrengungen können die Beschwerden erheblich verschlimmern. Diese Verschlechterung kann Tage, Wochen oder sogar Monate anhalten.

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Dass ihre Krankheit oft auf Müdigkeit reduziert wird, ärgert Beth besonders. „Ich wünschte, es wäre nur Müdigkeit“, erklärt sie der BBC. Tatsächlich seien ihre Beschwerden viel schwerwiegender. Manchmal fühle es sich an, als würde ihr ganzer Körper abschalten.

Meist steht sie nur noch zum Essen oder für den Toilettengang auf. Selbst längeres Sitzen kostet sie Kraft. Eine heilende Behandlung gibt es bislang nicht.

Selbst ein kurzes Interview könnte schwere Folgen haben

Schon nach einem einfachen Bluttest beim Arzt habe Beth monatelang im Bett bleiben müssen. Deshalb weiß sie, welches Risiko sie mit ihrem BBC-Interview eingeht. Bereits das rund 30-minütige Gespräch könnte ihren Zustand so stark verschlechtern, dass sie die Folgen noch 2027 spürt.

Trotzdem hat sie sich bewusst dafür entschieden. Sie möchte, dass die Öffentlichkeit versteht, wie schwer diese Erkrankung sein kann, und mit dem Missverständnis aufräumen, bei ME/CFS handele es sich lediglich um Müdigkeit.

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Ihre Familie leidet mit – Schwester Faye will helfen

Auch für Beths Familie ist die Situation schwer. Ihre Eltern erleben täglich mit, wie sehr ihre Tochter eingeschränkt ist. Ihr Vater Jim würde ihr gerne helfen, weiß aber nicht, wie. Mutter Jean sorgt sich um die Zukunft. Wer wird sich um Beth kümmern, wenn ihre Eltern eines Tages nicht mehr dazu in der Lage sind?

Beths jüngere Schwester Faye möchte am Sonntag (18. Oktober) beim Yorkshire-Marathon antreten und Spenden für die ME-Forschung sammeln. Beth selbst hofft, dass ihre Geschichte mehr Aufmerksamkeit für die Erkrankung schafft und anderen Betroffenen eine Stimme gibt.

Verwendete Quellen: BBC