Andy Murray kannte sogar den Täter30. Jahrestag des Massakers von Dunblane – Tennisstar überlebte Schulamoklauf mit 16 toten Kindern

30 Jahre nach dem Massaker ist Dunblane noch immer ein wunder Punkt in der britischen Geschichte. Für Tennisstar Andy Murray ist der Jahrestag weit mehr als ein historisches Datum.
Der Sport wurde für den Dunblane-Überlebenden Andy Murray zum Fluchtweg aus seinem Trauma (Archivbild)
picture alliance / empics | Robert Perry

Traumatische Erinnerung!
Andy Murray (38) ist eine der größten Sportikonen Großbritanniens. Doch hinter seiner Karriere steht ein Kindheitstrauma, das ihn bis heute prägt: das Massaker von Dunblane, bei dem 16 Kinder und ein Lehrer getötet wurden – und das der damals Neunjährige nur knapp überlebte. Jahrzehntelang schwieg der Schotte weitgehend über das, was damals geschah. In einer Doku erzählt er, wie erschreckend nah ihm der Täter tatsächlich war.

Andy Murrays Familie nahm den Täter im Auto mit

Am 13. März 1996 tötete der 43-jährige Thomas Hamilton in der Grundschule in der schottischen Kleinstadt 16 Kinder und eine Lehrerin, bevor er sich selbst erschoss. Andy Murray war damals als Grundschüler an der Dunblane Primary School, und überlebte nur knapp, weil seine Klasse auf dem Weg zur Turnhalle gestoppt und in ein anderes Zimmer gebracht wurde. „Für alle Kinder, die damals dort waren, muss es schwer gewesen sein“, sagt der 38-Jährige rückblickend in der Amazon-Doku „Andy Murray: Resurfacing“. Aber nicht nur das. Der Attentäter war zuvor Teil seines Alltags. „Wir kannten den Typen, gingen in seinen Jugendclub. Er war in unserem Auto, wir haben ihn am Bahnhof abgesetzt”, so der dreifache Grand-Slam-Sieger.

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Angst, Engegefühle, emotionale Überforderung – all das hat Murray nach eigenen Worten nach dem grauenvollen Ereignis viele Jahre begleitet. Auch sein privates Umfeld geriet nach dem Massaker ins Wanken. Innerhalb eines Jahres ließen sich seine Eltern scheiden, kurz darauf zog sein Bruder Jamie weg, um in Cambridge Tennis zu spielen. Für Andy, der mit seinem Bruder „alles zusammen gemacht“ hatte, war das ein weiterer tiefgreifender Bruch.

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Tennis wird für Andy Murray zum Ventil

Andy Murray schildert, dass er bei Wettkämpfen als Junge teilweise so stark unter Druck stand, dass er Atemprobleme bekam. Der Sport, der ihn später berühmt machen sollte, war zunächst vor allem ein Ventil für die vielen unausgesprochenen Gefühle. Tennis wurde für ihn zu einer Art Flucht – aber auch zu einem sicheren Ort. Er sagt, dass er vieles aus dieser Zeit „heruntergeschluckt“ habe, in seiner Familie wurde über die traumatischen Ereignisse kaum gesprochen.

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Seine Erfolge erzielt er auch für Dunblane

30 Jahre nach dem Massaker ist Dunblane noch immer ein wunder Punkt in der britischen Geschichte. Für Andy Murray ist es der Ursprung eines Traumas, das ihn bis heute begleitet – und zugleich einer der Gründe, warum er im Tennis die Kraft gefunden hat, immer wieder aufzustehen, weiterzumachen und trotz aller Rückschläge nicht aufzugeben. Er hoffe, dass er mit seinen sportlichen Erfolgen, Dunblane wieder „für die richtigen Gründe“ auf die Landkarte gesetzt hat, so Murray zur BBC.

Verwendete Quellen: Amazon Prime, ABC News, BBC