Baustart für Pipeline nach HambachTagebau wird geflutet – RWE zapft den Rhein zur Flutung an
Zwischen Elsdorf und dem Tagebau Hambach ist am Dienstag (17.03.) der Startschuss für eines der größten Zukunftsprojekte im Rheinischen Revier gefallen: RWE beginnt mit dem Bau einer rund 45 Kilometer langen Leitung, die später Wasser aus dem Rhein in die riesigen Kohlegruben Hambach und Garzweiler pumpen soll.
Vom Loch zum „Hambacher See“?
In ein paar Jahrzehnten soll es dort, wo einst Bagger Kohle förderten, Seen mit Stränden, Radwegen und Segelbooten geben – Naherholung statt Energieindustrie. Damit das klappt, will RWE ab etwa 2030 Wasser aus dem Rhein bei Dormagen entnehmen und den Tagebau Hambach innerhalb von rund 50 Jahren füllen, Garzweiler soll ab Mitte der 2030er folgen. Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller träumt schon davon, dass der See später nicht „Hambacher“, sondern „Elsdorfer See“ heißen könnte – und Elsdorf damit weit über NRW hinaus auf der Landkarte der Ausflugsziele landet.
Naturschützer schlagen Alarm
Beim BUND NRW überwiegt die Skepsis: Die Umweltorganisation spricht von kritisiert die riesigen Mengen an Rheinwasser, die über Jahrzehnte in die Tagebaurestlöcher fließen sollen. Bis zu 340 Millionen Kubikmeter pro Jahr werden in Gutachten genannt. Simone von Kampen vom BUND bezweifelt, dass im Rhein dauerhaft genug Wasser ist, um die Entnahme im geplanten Tempo zu erlauben, ohne das Fluss-Ökosystem Richtung Nordsee zusätzlich zu belasten. Sie fordert, RWE müsse – wie andere Nutzer auch – für das Wasser zahlen und plädiert dafür, vor der Einleitung eine umfassende Reinigung vorzuschreiben, denn nach Angaben des Landes NRW sind im Rhein bis zu 30.000 verschiedene Chemikalien nachweisbar, darunter sogenannte „Ewigkeitschemikalien“ wie PFAS, Pestizid- und Arzneimittelrückstände. Aus Sicht des BUND darf dieses Wasser weder das Grund- und Trinkwasser im Umland gefährden noch in den künftigen Seen zu neuen Dauerlasten führen.
RWE verweist auf Gutachten
Ganz anders sieht das der Projektleiter von RWE Power, Karsten Waschke. Er betont, die Entnahme werde an den Wasserstand des Rheins gekoppelt: Bei hohem Pegel fließe mehr Wasser in Richtung Tagebau, bei niedrigem entsprechend weniger. So solle sichergestellt werden, dass Hambach in etwa 40 Jahren, Garzweiler in etwa 30 Jahren volllaufen – selbst in einem pessimistischeren Szenario mit rund zehn Prozent weniger Rheinwasser würde sich die Füllzeit nur um wenige Jahre verlängern, heiße es aus dem Unternehmen. Auch beim Thema Qualität verweist RWE auf Untersuchungen: Laut Rheinwasser-Gütebericht sei das Wasser grundsätzlich geeignet – auch für Freizeitnutzung.
Genehmigt ist bisher nur die Leitung
Fakt ist: Die Bezirksregierung Arnsberg hat den Rahmenbetriebsplan für Bau und Betrieb der Rheinwassertransportleitung sowie die Entnahme aus dem Rhein grundsätzlich zugelassen – der Bau startet nun am Tagebau Hambach bei Elsdorf. Die konkrete wasserrechtliche Genehmigung für die Einleitung des Rheinwassers in den Tagebau Hambach steht dagegen noch aus, das entsprechende Prüfverfahren soll erst im Laufe des Jahres anlaufen. Politisch gilt, die Stilllegung und spätere Renaturierung der Tagebaue im Land weitgehend als Konsens – quer durch die Fraktionen im NRW-Landtag. Nur die AfD stellt sich quer: Sie lehnt den Ausstieg aus der Braunkohle grundsätzlich ab, denn dadurch würde die Energiesicherheit im Wassergrab beerdigt.

































