Streit um Haftung der SparkasseMillionencoup in Gelsenkirchen – Prozess um aufgebrochene Schließfächer

von Valerio Magno und Julia Haiminger

Kurz nach Weihnachten 2025 ist eine Sparkasse in Gelsenkirchen Ziel eines spektakulären Einbruchs geworden. Täter drangen in den Tresorraum ein und räumten nach Angaben der Ermittler fast 3.200 Schließfächer leer. Der Schaden geht in die Millionen. Seit Donnerstag (11.06.) muss nun das Landgericht Essen klären, ob die Bank für den Verlust haftet.

Albtraum für Betroffene - rund 400.000 Euro im Schließfach

Rita M. hatte nach eigenen Angaben rund 400.000 Euro in einem Bankschließfach der Sparkasse Gelsenkirchen gelagert – ihre komplette Altersvorsorge, aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung, sagt sie. Wegen damals drohender Negativzinsen habe sie das Geld nicht auf ein Konto gelegt. Doch genau dort schlugen die Täter im Dezember 2025 zu.

Vier Stunden im Tresorraum

Die Täter gelangten über eine Tiefgarage in das Gebäude und arbeiteten sich bis in den Sicherheitsbereich vor. Dort überwanden sie mehrere Sicherungen und kamen bis in den Tresorraum. Nach Ermittlerangaben öffneten sie innerhalb von mindestens vier Stunden nahezu alle Schließfächer – im Schnitt etwa alle 20 Sekunden eines. Die Beute wird auf rund 100 Millionen Euro geschätzt. Von den Tätern fehlt bis heute jede Spur.

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Haftung stark begrenzt

Für die Geschädigten begann danach der Kampf um ihr Vermögen. Die Sparkasse haftet bislang nur bis 10.300 Euro pro Schließfach. Alles darüber hinaus muss einzeln nachgewiesen werden. Genau darum geht es jetzt vor dem Landgericht Essen. Anwalt Daniel Kuhlmann vertritt rund 650 Betroffene und sieht erhebliche Sicherheitsmängel bei der Bank. Zunächst geht es nur um drei Fälle, die jedoch Signalwirkung für viele weitere haben könnten. Das Gericht hat entschieden, einen Sachverständigen einzuschalten. Dieser soll prüfen, ob die Sicherheitsvorkehrungen der Sparkasse ausreichend waren. Wann ein Urteil fällt, ist noch unklar.