58 Prozent mehr schwere StichverletzungenImmer mehr Messerverletzungen: Ärzte in NRW vor Herausforderungen

Immer mehr Menschen werden durch Messerstiche schwer verletzt. Eine neue Studie zeigt einen bundesweiten Anstieg von 58 Prozent innerhalb von elf Jahren. Besonders betroffen sind junge Männer. Für die Krankenhäuser in NRW wird die Versorgung zur Herausforderung.
Schwere Stichverletzungen nehmen deutlich zu
Messerangriffe sorgen in Nordrhein-Westfalen immer wieder für Schlagzeilen. Erst in dieser Woche wurde ein 18-Jähriger in Dortmund durch einen Messerstich schwer verletzt. Auch in Lippstadt (Kreis Soest) und Velbert (Kreis Mettmann) gab es zuletzt schwere Messerattacken. Eine neue Studie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) zeigt jetzt: Die Zahl der Patienten mit schweren Stichverletzungen ist zwischen 2013 und 2024 bundesweit um 58 Prozent gestiegen. Für die Untersuchung wurden Daten aus bis zu 633 Krankenhäusern ausgewertet. Die Betroffenen sind überwiegend männlich und im Durchschnitt 34 Jahre alt. Besonders viele Fälle wurden im Westen Deutschlands registriert. Auf NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland entfielen zusammen 37 Prozent der erfassten Schwerverletzten.
73 Prozent der Betroffenen müssen operiert werden
Schwere Stichverletzungen können innerhalb weniger Minuten lebensgefährlich werden. Besonders gefährlich ist ein hoher Blutverlust. Ärzte müssen deshalb schnell entscheiden, wie sie die Blutung stoppen können. Laut Studie müssen 73 Prozent der schwer verletzten Patienten operiert werden. Doch genau dort liegt ein Problem: Obwohl die Fallzahlen steigen, behandeln viele Ärzte nur selten Menschen mit schweren Stichverletzungen. Bundesweit wurden 2024 insgesamt 336 entsprechende Fälle in den ausgewerteten Traumazentren erfasst. Für medizinisches Personal ist es deshalb schwierig, ausreichend Erfahrung im Klinikalltag zu sammeln.
Im Video: Dr. Ingmar Gröning (Chefarzt der Klinik für Notfallmedizin Alexianer in Krefeld)
Krankenhäuser in NRW müssen den Ernstfall trainieren
Um auf lebensgefährliche Messerverletzungen vorbereitet zu sein, setzen Kliniken auf spezielle Übungen. Chirurgen trainieren die Versorgung unter anderem an anatomischen Modellen, Tieren und Körperspendern. Die Ausbildung ist allerdings aufwendig und teuer. Besonders in kleineren Krankenhäusern kann die Behandlung schwerer Stichverletzungen zur Herausforderung werden. Deshalb fordern die Studienautoren, dass auch dort medizinisches Personal gezielt geschult wird.
Nicht jeder Patient kann sofort in eine Spezialklinik
In NRW gibt es 18 überregionale Traumazentren. Dazu gehören große Kliniken in Köln, Aachen, Bochum, Münster und Siegen. Schwerverletzte werden häufig in solche Einrichtungen gebracht. Gerade in ländlichen Regionen kann das jedoch wertvolle Zeit kosten. Manchmal werden Patienten mit Rettungshubschraubern transportiert. Doch diese können nicht bei jedem Wetter und nicht jederzeit eingesetzt werden. Die Studienautoren sprechen sich deshalb dafür aus, dass auch kleinere Kliniken schwere Stichverletzungen behandeln können, sofern die notwendige medizinische Versorgung gewährleistet ist. Entscheidend ist, dass Ärzte im Ernstfall schnell handeln können. Denn bei schweren Messerverletzungen zählt jede Minute.

































