Schlag gegen mutmaßliches Geldwäsche-NetzwerkGroßrazzia gegen „Hells Angels“ - auch Polizist und Stadtmitarbeiter unter Verdacht

von Tobias Janßen, Julia Haiminger, Patricia Brinkmann und Valerio Magno

Mehr als 1.000 Einsatzkräfte, über 100 durchsuchte Objekte und 71 Beschuldigte: Ermittler sind am Mittwoch (30.09.) mit einer Großrazzia gegen ein mutmaßliches Geldwäsche-Netzwerk rund um die „Hells Angels“ vorgegangen. Der Schwerpunkt lag in NRW. Durchsuchungen gab es aber auch in mehreren anderen Bundesländern, außerdem in Belgien, Bulgarien und den Niederlanden. Den Beschuldigten werden unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Erpressung, Betrug, Geldwäsche und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Insgesamt sollen Vermögenswerte in Höhe von rund 48 Millionen Euro gesichert werden.

Auch Polizist und Stadtmitarbeiter im Visier

Besonders brisant: Auch ein Polizist und mehrere Mitarbeiter der Stadt Duisburg sind ins Visier der Ermittler geraten. Der Polizeibeamte und zwei städtische Mitarbeiter sollen Informationen an Dritte weitergegeben haben. Gegen einen weiteren Mitarbeiter der Stadt Duisburg wird wegen des Verdachts der Bestechlichkeit ermittelt. Er soll Geldzahlungen angenommen und dafür Vorteile gewährt haben. Die Ermittlungen laufen offenbar bereits seit Jahren. Laut Medienberichten führt eine Spur zurück zu einer Schießerei auf dem Hamborner Altmarkt in Duisburg im Mai 2022, bei der Rocker und Mitglieder einer türkisch-libanesischen Großfamilie aneinandergeraten waren.

Ermittler werten Handys und Computer aus

Bei der Razzia wurde am Mittwoch unter anderem eine Lagerhalle in Moers durchsucht. Jetzt werden die sichergestellten Beweismittel ausgewertet. Vor allem Handys und Computer könnten den Ermittlern zeigen, wie das mutmaßliche Netzwerk organisiert war und welche Rolle die einzelnen Beschuldigten gespielt haben sollen. Sollte sich bestätigen, dass sichergestelltes Vermögen aus kriminellen Geschäften stammt, kann es vom Staat eingezogen werden.