Aus Mini- soll Teilzeitjob werdenGeplantes Aus für Minijobs: Gastronomie und Handel warnen, Sozialverbände sehen Chance
Seit zweieinhalb Jahren jobbt Avedis Arslanyan neben Schule und Abi in einem Imbiss in Köln: flexibel, ein paar Stunden, ohne Sozialabgaben. Es ist ein typischer Minijob. Doch dieses Modell soll bald Geschichte sein: Die Rentenkommission empfiehlt das Aus für Minijobs. Die Bundesregierung will dem Vorschlag folgen.
Alltag im Imbiss – flexibel und sozialversicherungsfrei
Avedis Arslanyan arbeitet als Mini-Jobber in einer Imbisskette, mal mehr, mal weniger Stunden. Für ihn ist die spontane Einsatzmöglichkeit attraktiv: Zwischendurch ein paar Stunden, um sich „was Kleines zu gönnen“, bevor er ein Lehramtsstudium beginnen will. Sein Lohn bleibt unter der Grenze, bis zu der keine eigenen Sozialversicherungsbeiträge fällig werden. Rentenansprüche sammelt er damit kaum und steht stellvertretend für mehr als anderthalb Millionen Minijobber in NRW, die im Schnitt bis etwa 603 Euro im Monat verdienen oder nur kurzzeitig beschäftigt sind.
Arbeitgeber fürchten Personalengpässe
Für Christian Kirchner, Inhaber der Imbisskette „Weltmeister – Currywurst & Pommes“, sind die Pläne schlechte Nachrichten. Rund ein Drittel seiner Belegschaft arbeitet im Minijob-Modell. Wird daraus künftig eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitstelle, fragt er sich, ob diese Beschäftigten überhaupt bleiben oder ob sie den Job aufgeben, wenn plötzlich Beiträge fällig werden und die Flexibilität sinkt. Er rechnet damit, dass es deutlich schwerer wird, genug Leute zu finden, die die Schichten ausfüllen wollen. Ähnliche Warnungen kommen aus dem Handel: Eine Abschaffung könne Hunderttausende Jobs kosten.
Sozialverbände sehen Ende von „Altersarmutsfalle“
Ganz anders bewertet der Sozialverband Deutschland die Reform. Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier kritisiert Minijobs seit Langem als „Altersarmutsfalle Nummer eins“, vor allem für Frauen. Wer Jahre oder Jahrzehnte in Minijobs arbeitet, hat oft nur geringe Rentenansprüche und ist im Alter stark gefährdet, finanziell abzurutschen. Aus ihrer Sicht ist das Ende des Modells deshalb überfällig. Arbeitsmarktökonom Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln ist jedoch skeptisch, dass die geplante Änderung tatsächlich die soziale Lage vieler Minijobber verbessert. Er bezweifelt, dass Betroffene künftig deutlich mehr Stunden arbeiten werden. Stattdessen droht aus seiner Sicht ein anderes Szenario: Gleich viele Stunden, aber plötzlich Sozialabgaben. Bedeutet: weniger Netto im Portemonnaie, dafür nur ein paar Euro mehr Rente später. Die zusätzlichen sozialen Leistungen, die über die Versicherung erschlossen würden, seien „der Rede nicht wert“. Für ihn geht es bei der Reform vor allem darum, zusätzliche Einnahmen für die Sozialversicherungen zu generieren.
Vier Milliarden Euro zusätzlich – Umsetzung noch in diesem Jahr
Bislang entgehen dem Staat durch die beitragsfreien Minijobs Schätzungen zufolge rund vier Milliarden Euro pro Jahr. Genau diese Lücke soll mit dem Ende des Modells geschlossen werden. Die Rentenkommission empfiehlt, Minijobs – abgesehen von Schülerjobs – abzuschaffen. Die Bundesregierung hat bereits signalisiert, den Vorschlag mitzutragen. Die Umsetzung der Reform wird voraussichtlich noch in diesem Jahr erfolgen. Mit spürbaren Folgen für junge Jobber wie Avedis und für viele Betriebe, die bislang stark auf Minijobs setzen.

































