NRW-Innenminister redet TachelesWaldbrand-Wut! Reul: „Idioten verursachten Feuer“

Es ist ein enormer Kraftakt: Hunderte Feuerwehrleute kämpfen rund um die Uhr gegen den größten Waldbrand, den Nordrhein-Westfalen je gesehen hat. Die Behörden vermuten, dass menschliches Fehlverhalten das Inferno ausgelöst hat. Derweil können die Bewohner der evakuierten Häuser Hoffnung schöpfen.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul geht davon aus, dass der große Brand im Hürtgenwald von Menschen verursacht wurde. „Das Feuer ist entstanden durch irgendeinen Idioten, irgendein Idiot hat das Feuer verursacht“, sagte der CDU-Politiker bei einem Besuch der Einsatzkräfte vor Ort. „Darum muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend rumrennen und einfach irgendwas wegwerfen. Das ist das eigentliche Problem.“
Einen Waldbrand wie im Hürtgenwald habe er noch nicht gesehen, sagte der CDU-Politiker: „Es ist ein Riesenfeuer.“ Reul dankte den Einsatzkräften aus Bund und Ländern sowie den Freiwilligen für ihren Einsatz. „1400 Leute aus Bund und Ländern, alle helfen mit - ich finde das grandios“, sagte er. „Es ist doch ein Hammer zu erleben, wie viel Bereitschaft in unserem Bundesland ist, sich untereinander zu helfen.“

Mit Verärgerung reagierte Reul auf Kritik an der Organisation der Maßnahmen und die Forderung nach Löschflugzeugen. „Diese Mäkeleien - ich habe keine Lust mehr darauf“, wetterte der Minister. „Bitte Nörgeln nachher. Ende, aus. Die Leute interessiert, ob wir deren Häusern sichern können. Das andere ist denen vollkommen wurscht. Und die Frage von Flugzeugen, das hab‘ ich schon zehnmal diskutiert. Das ist nicht so einfach in unserem Bundesland, da wir keine großen Flächen haben, wo getankt werden kann. Das ist so blauäugig wie noch was.“
Ministerin: „Bleiben Sie bitte aus den Wäldern raus“
Auch die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen hält menschliches Fehlverhalten als Auslöser des Großbrandes im Hürtgenwald für möglich. „Es lässt sich jedenfalls nicht ausschließen“, sagte die CDU-Politikerin im Deutschlandfunk. „Wir sehen durchaus, wenn verschiedene Brandstellen relativ gleichzeitig oder in enger Abfolge hochkommen, dass einiges dafür sprechen könnte.“ Wie belastbar dies sei, könne man jetzt nicht sagen.
Die Ministerin warnte eindringlich vor dem Betreten von Wäldern. „Bleiben Sie bitte einfach aus den Wäldern raus“, appellierte die Ministerin im Deutschlandfunk. Sie verwies darauf, dass „fast hundert Prozent der Waldbrände menschengemacht“ seien - durch Unachtsamkeit oder auch durch Bandstiftung. Es werde geprüft, ein behördliches Betretungsverbot für die brandgefährdeten Wälder auszusprechen.
Oft reiche schon eine „weggeworfene Klippe“ oder zurückgelassenes Glas, einen Waldbrand auszulösen - insbesondere, weil die extreme Trockenheit als Brandbeschleuniger wirke, sagte Gorißen. Die Brände im Hürtgenwald hätten ein „ganz neues und noch nicht in unserer Erinnerung da gewesenes Ausmaß“ erreicht.
Wüst spricht von stabilisierter Lage
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst zeigte sich mit Blick auf die Bekämpfung des Waldbrands im Hürtgenwald zuversichtlich. Es sei in der letzten Nacht gelungen, dass die Lage stabilisiert wurde, sagte der CDU-Politiker bei einem Besuch im Brandgebiet am Nachmittag. „Es besteht jetzt erste Hoffnung, dass der Brand unter Kontrolle gebracht werden kann. Es besteht auch erste Hoffnung, dass die evakuierten Menschen aus der Ortschaft Gey bald wieder in ihre Häuser zurückkehren können, wenn es weiter gut läuft“, so Wüst.
Die Feuerwehr hatte zuvor von Fortschritten bei der Brandbekämpfung gesprochen. Am Nachmittag setzte leichter Regen ein, was die Löscharbeiten begünstigen dürfte. Aber es gibt noch einen Unsicherheitsfaktor: „Wir haben einen frischen böigen Wind hier im Hürtgenwald, das könnte nochmal so ein Punkt sein“, sagte Feuerwehrsprecher Peter Berndgen.
Seit Donnerstagnachmittag kämpfen bei dem Ort in der Eifel an der Grenze zu Belgien Hunderte Einsatzkräfte gegen die Flammen. Nach Angaben des Kreises Düren sind etwa 300 Hektar Wald von dem Brand betroffen. Durch den Brand gab es bisher fünf Verletzte, darunter vier Einsatzkräfte. In der Nacht zum Freitag waren im Ortsteil Hürtgenwald-Gey rund 2000 Einwohner wegen des näher rückenden Feuers evakuiert worden.
Rückkehr nach Gey steht wohl kurz bevor
Berndgen sagte, die Kräfte würden im Laufe des Tages noch einmal deutlich erhöht. Zeitweise sollen zehn, elf Hubschrauber gleichzeitig im Einsatz sein. „Ich denke, da gibt’s kaum vergleichbare Lagen, wo so massiv Hubschraubereinsatz stattgefunden hat.“
Der Dürener Landrat Ralf Nolten zeigte sich „sehr, sehr zuversichtlich“, dass der evakuierte Ortsteil Gey bald wieder freigegeben könne. Allerdings sage der Wetterdienst noch eine Gewitterzelle mit Sturmböen voraus. Hier müsse man die Entwicklung noch abwarten, so Nolten. „Das Fatalste, was wir machen könnten, wäre, dass wir sagen: Ihr könnt zurück! Und dann kommt die Gewitterzelle, und dann sagen wir anschließend: Nee, ihr müsst doch bis morgen warten.“
Verwendete Quellen: hul/dpa/AFP


