Zehn von 13 Tarifverträgen gekündigtKommt jetzt der „härteste Tarifkonflikt in der Volkswagen-Geschichte”?

490202705.jpg
Die Gewerkschaft IG Metall droht jetzt mit Konsequenzen
picture alliance/dpa

Keine Verschnaufpause in Wolfsburg.
Bei Volkswagen steht ein weiterer Einschnitt bevor: Der Autobauer kündigt zum Jahresende zehn von 13 Haustarifverträgen. Betroffen ist auch der Manteltarifvertrag – und damit wichtige Regeln für die Beschäftigten, etwa zu Arbeitszeit, Urlaub und weiteren Schutzrechten. Auch Vereinbarungen zu Entgelt, Sonderzahlungen und Teilen der Ausbildung stehen vor dem Aus.

Für die Mitarbeiter steht viel auf dem Spiel

Am VW-Werk in Hannover-Stöcken sorgt die Nachricht für gemischte Gefühle. „Jeder hat darüber geredet, dass wir die Infos aus den Medien mitkriegen [...] Mal gucken wie es weiter geht, ich bin immer noch positiv“, erzählt ein Mitarbeiter RTL vor den Werkstoren. Ein anderer klingt deutlich besorgter: „Ich warte ab, aber man hört schon von Kollegen, dass die auch neue Jobs suchen.“

Lese-Tipp: VW-Tochter Cariad streicht Hunderte Jobs! Fast jeder Vierte bangt

Für die Beschäftigten geht es um ganz konkrete Fragen: Wie viel wird gearbeitet, wie viel Urlaub gibt es und welche Zulagen bleiben bestehen? Auch die 35-Stunden-Woche und die Übernahme von Azubis könnten neu verhandelt werden. Denkbar wären längere Arbeitszeiten oder weniger Zusatzgeld – entschieden ist bislang aber nichts.

Was bedeutet die Kündigung überhaupt?

Wichtig: Die bestehenden Regeln fallen nicht automatisch zum Jahreswechsel weg – Tarifverträge wirken nämlich nach: „Der gekündigte Tarifvertrag ist ja nicht einfach verschwunden. Er bleibt so lange anwendbar, bis sich die Tarifvertragsparteien, also die Gewerkschaft und der Arbeitgeber, auf einen neuen Tarifvertrag verständigt haben. Erst wenn dieser neue Tarifvertrag gültig ist, dann richten sich die Rechte der Arbeitnehmer nach dem neuen Vertrag”, erklärt Arbeitsrechtler Jens Klinkert im Gespräch mit RTL.

Lese-Tipp: Audi gegen AUDI? Warum der Hersteller seine eigenen Autos nicht in Deutschland haben will

Für die IG Metall ist die Kündigung trotzdem ein harter Schlag: „Zusätzlich zu dem Drohen, dass hier Standorte geschlossen werden, wird jetzt auch damit gedroht, dass Errungenschaften, die wir über Jahrzehnte uns erkämpft haben als IG Metall, bei Volkswagen in Frage gestellt werden“ sagt Daniela Cavallo, VW-Betriebsratsvorsitzende.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

VW: Zukunftssicherung durch niedrigere Kosten

Volkswagen verweist auf den hohen Kostendruck und die schwierige wirtschaftliche Lage des Konzerns. Mit neuen Tarifverhandlungen will das Unternehmen nach eigener Darstellung seine Wettbewerbsfähigkeit sichern: „Unser Ziel ist es, Volkswagen zukunftssicher aufzustellen. Denn nur wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen können sichere Arbeitsplätze anbieten“, erklärt VW-Personalvorstand Arne Meiswinkel.

Lese-Tipp: Porsche plant Mega-Stellenabbau: 4.000 Jobs auf der Kippe?

Die Kündigung der Tarifverträge ist Teil eines größeren Sparkurses: Volkswagen hatte sich Ende 2024 mit den Arbeitnehmervertretern auf einen sozialverträglichen Stellenabbau in Deutschland verständigt. Bis 2030 sollen rund 35.000 Arbeitsplätze wegfallen – betriebsbedingte Kündigungen soll es dabei nicht geben.

Jobs vorerst bis 2030 abgesichert

Die Beschäftigungssicherung bleibt für die nächsten dreieinhalb Jahre bestehen. Über Löhne und Arbeitsbedingungen droht jetzt aber ein neuer Konflikt – bis Ende des Jahres gilt aber noch die Friedenspflicht. Danach wären Warnstreiks möglich, laut Flugblättern der IG Metall „droht der härteste Tarifkonflikt in der Volkswagen-Geschichte”.

Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherchen, IG Metall