Künstliche Intelligenz sagte: „Nein, halt, stopp!”Dank KI wird Martinas Brustkrebs früh erkannt

Hier arbeiten KI und Menschen Hand in Hand!
Die Ärzte halten es für eine Überlagerung im Röntgenbild, die KI erkennt: Da stimmt was nicht. Auch deshalb kann Brustkrebs-Patientin Martina Hertelt so schnell geholfen werden.
KI erkennt den 1,6 Zentimeter-Tumor
Vor rund einem Jahr erhält Martina Hertelt aus Hannover nach ihrer Mammographie zur ganz normalen Krebs-Früherkennung die Diagnose: Brustkrebs. Damals heißt es: „Also es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass es Brustkrebs ist. Die gute Nachricht ist, es ist also ein ganz kleiner Tumor, der gut behandelbar ist und der nicht gestreut hat”, erzählt sie uns.
1,6 Zentimeter. Dass dieser kleine Tumor bei der Vorsorge entdeckt wird, ist auch künstlicher Intelligenz zu verdanken. Denn auf den ersten Blick sehen die Ärzte auf den Aufnahmen zunächst keinen Grund für weitere Untersuchungen. Doch die KI markiert eine verdächtige Stelle im Röntgenbild. Genutzt wird sie in der Radiologie „Schwarzer Bär” in Hannover schon seit 2022, um in solchen Situationen zu unterstützen. Entdeckt sie eine Auffälligkeit, folgt eine weitere menschliche Prüfung.
Lese-Tipp: CDU-Politikerin an Brustkrebs erkrankt
Eine Chemotherapie braucht Martina Hertelt nicht
Radiologin Dr. Regine Rathmann von der Radiologie „Schwarzer Bär” in Hannover: „Hier sieht man schon eine kleine Auffälligkeit und die Befunder haben im Kommentar dazu geschrieben, dass sie eine Architekturstörung, also eine Unordnung in diesem Gewebe sehen könnten, aber es für eine Überlagerung gehalten.” Und weiter: „Und da hat die KI gesagt: Nein, halt, stopp!”
Die Ärzte schauen noch einmal hin und entscheiden schließlich doch: Das muss weiter untersucht werden. Ultraschall und Gewebeprobe bringen dann die Diagnose. Martina Hertelt wird brusterhaltend operiert und bestrahlt. Eine Chemotherapie braucht sie nicht. Auch dank der frühen Entdeckung und des noch kleinen Tumors.
Im Video: Kälte gegen Krebs ‒ kann das funktionieren?
Studie: Mit KI-Unterstützung werden mehr Brustkrebsfälle erkannt
Eine große Studie der Universität zu Lübeck und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein zeigt, dass mit KI-Unterstützung rund 18 Prozent mehr Brustkrebsfälle erkannt werden. Gleichzeitig entlastet sie Radiologen, wichtig angesichts des Fachkräftemangels und einer möglichen Ausweitung des Screenings ab 45 Jahren.

Doch Regine Rathmann sieht ein Problem: Mehr Frauen sollen zur Früherkennung, gleichzeitig drohe eine finanzielle Deckelung der Programme. Für sie ein Widerspruch.
Trotz KI: „Wir dürfen jetzt nicht zu träge werden”
Trotz aller Vorteile kann und soll die KI ihrer Meinung nach den menschlichen Blick aber nicht ersetzen. Regine Rathmann: „Wir müssen uns unsere eigene Expertise extrem gut erhalten. Wir dürfen jetzt nicht zu träge werden und sagen: ,Ach, die KI macht schon alles.’ Nein, wir müssen weiter eine hohe Expertise haben. Und da müssen wir auch Richtlinien und Leitlinien erarbeiten.”
Deshalb gilt im deutschen Mammographie-Screening weiter das Vier-Augen-Prinzip: Zwei spezialisierte Ärzte beurteilen die Aufnahmen unabhängig voneinander. Die KI kommt zusätzlich dazu.
Martina Hertelts Rat an alle Frauen: „Das ist Vorsorge. Wenn man wirklich so einen Termin hat, sollte man den nutzen. Es gibt glaube ich nichts Schlimmeres, als wenn man sagt: Nein, jetzt ist es zu spät, wäre ich doch hingegangen. Ich denke immer lieber einmal mehr als einmal zu wenig.”
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche



