Urteil gegen Uwe Falko H. in Dresden Regina P. wurde sexuell missbraucht, während sie sich ein Tattoo stechen ließ

Regina P. von Tätowierer missbraucht
Regina P. hat vor Gericht ihren Tätowierer ausgesagt.
RTL
von Anny Adler, Lea Ortmann, Anne Schneemelcher und Johanna Grewer

„Ich wollte das eigentlich nie erzählen.“
Regina P. ist zehn Jahre lang Stammkundin in ihrem Tattoo-Studio in Dresden. Immer wenn die junge Frau Geld, Zeit und eine Idee hat, schaut sie dort vorbei. Als sie sich dann ihr Traum-Tattoo auf den Rücken stechen lassen will, gerät sie an den Tätowierer Uwe Falko H. Bei der Vorbesprechung läuft noch alles gut. Er sei sympathisch und kumpelhaft gewesen, erinnert sich Regina im RTL-Interview. Doch plötzlich wird die Tattoo-Sitzung zum Albtraum. „Er hat angefangen zu tätowieren, dann ging der Übergriff los.“

Tätowierer wegen sexueller Übergriffe in Dresden verurteilt

Der 53-Jährige wurde nun wegen zwei Vergewaltigungen und 17 sexuellen Nötigungen zu einer Gesamtstrafe von elf Jahren verurteilt – wohl auch, weil Regina P. 2023 doch den Mut fand, zur Polizei zu gehen. „Man muss darüber sprechen“, sagt sie heute. „Ich hab weitergemacht, als wäre nichts gewesen“, erinnert sie sich. Sie habe angenommen, dass ihr ohnehin niemand glauben würde.

Tätowierer Uwe Falko H.
Uwe Falko H. ist einschlägig vorbestraft, jetzt muss er sich wieder vor Gericht verantworten.
RTL

Lese-Tipp: Er sticht ihr ein Tattoo - und missbraucht dabei seine Kundin (20)

Schon bei der ersten Sitzung habe sie gemerkt, dass ihr der Tätowierer immer näherkam. Er sei mit seinem „Intimbereich“ ganz nah an sie herangerutscht, berichtet die Frau im Gespräch mit RTL. „Das zählte nicht zu den üblichen Oh-Entschuldigung-Berührungen, was man beim Tätowieren mal so hat“, ist sich Regina sicher. Sie habe sich in dem Moment aber entschieden, das zu ignorieren und den Tätowierer weiterstechen zu lassen. „Man lässt das über sich ergehen, einfach nur, dass man aus dieser Situation rauskommt.“

Tätowierer befriedigt sich an Regina P., während er ihr Tattoo sticht

Bei der zweiten Sitzung wurde es dann noch unangenehmer für die Kundin. Sie habe auf dem Bauch gelegen. „Da habe ich dann gemerkt, dass er seinen Penis rausgeholt hat und ihn an mir gerieben hat“, erzählt sie. „Ich habe mir nur gedacht, was zur Hölle passiert hier gerade? Das bilde ich mir ein. Das bilde ich mir ein. Aber das habe ich mir nicht eingebildet und ich bin in eine Art Schockstarre verfallen.“ Nachdem sich Uwe Falko H. an ihr befriedigt hatte, habe er so getan, als wäre nichts gewesen und hätte einfach gesagt: „Ciao, bis zum nächsten Mal.“

Regina P. wurde Opfer eines sexuellen Übergriffs
Regina P. wollte sich ihr Traum-Tattoo stechen lassen, als ihr Tätowierer plötzlich übergriffig wurde.
RTL

Lese-Tipp: Einschlägig vorbestrafter Tätowierer vergeht sich an Kundinnen

Doch Regina P. ist nicht die einzige Betroffene. Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft dem 53-jährigen Deutschen Vergewaltigung in zwei Fällen und 18 besonders schwere sexuelle Übergriffe vor. Doch das ist noch nicht alles! Der Mann ist „erheblich und auch einschlägig” vorbestraft und stand zur Tatzeit unter Bewährung. Eine der Frauen ging 2023 zur Polizei und zeigte den Tätowierer an. Danach kamen immer mehr Fälle ans Licht. Auch der Vorfall, den Regina erlebt hatte. Denn auch sie entscheidet sich erst, gegen ihn auszusagen, als sie in der Zeitung von den anderen Vorwürfen gegen Uwe Falko H. liest. Im Prozess gegen ihn hat sie jetzt auch ausgesagt.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Video-Tipp: Vergewaltigung beim Physiotherapeut

Regina P. kann heute nicht mehr in ein Tattoo-Studio gehen

Ihr Tattoo, von dem sie so lange geträumt habe, sei ihr nach dem Vorfall lange wie ein „riesiges Mal der Schande“ vorgekommen und sie habe einen großen Bogen um das Studio gemacht. „Aber ist ja nicht meine Schande“, weiß sie heute. „Jeder kennt ne Frau, die Opfer von sexueller Gewalt geworden ist. Aber keiner kennt einen Täter.“ Das müsse sich ändern, meint Regina P. „Das schlimme ist, dass es der kumpelhafte Typ ist“, sagt sie über Uwe Falko H. Selbst im Gerichtssaal habe der Tätowierer noch auf „Kumpel“ gemacht.

Lese-Tipp: Hier finden Opfer von Gewalt schnelle Hilfe

Regina sagt, dass sie sich eigentlich immer gern tätowieren ließ. Das hat sich inzwischen geändert. Seit dem Übergriff war sie nicht mehr in einem Tattoo-Studio. „Das kann ich jetzt nicht mehr“, sagt Regina. Ihr sei die Freude daran verloren gegangen. „Eine gerechte Strafe gibt es nicht, denn er wird irgendwann freikommen und die Opfer haben lebenslang.“

Solltet auch ihr unter sexueller Gewalt leiden, findet ihr Hilfe unter der kostenlosen Hotline 08000 – 116 016 oder unter www.hilfetelefon.de.