92-Jährige lässt Betrüger auffliegenSchockanruf mit Krebs-Lüge: Eva-Marie soll 70.000 Euro zahlen
Mitten am Tag klingelt bei Eva-Marie (92) das Telefon.
Am anderen Ende der Leitung: angebliche Ärzte und Angehörige. Ihre Tochter habe Darmkrebs im Endstadium, nur eine teure Spezial-Chemotherapie aus der Schweiz könne sie retten. 70.000 Euro müsse die Seniorin sofort auftreiben. Doch die 92-Jährige durchschaut die perfide Masche.
„Ihr bleiben nur noch Monate“
Die Betrüger am Telefon setzen Eva-Marie massiv unter Druck. Ihre Tochter schwebe in Lebensgefahr, behaupten sie. Die angebliche Rettung: eine neue Chemotherapie aus der Schweiz. „Falls sie diese Chemotherapie nicht antritt, würde das leider heißen: drei, vier Monate Endstadium“, schildert einer der Täter am Telefon.
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Die Forderung folgt sofort: 70.000 Euro. Die Seniorin solle ihr gesamtes Erspartes zusammentragen – Bargeld, Schmuck, Goldmünzen. Doch was die Täter nicht ahnen: Die 92-Jährige tut nur so, als würde sie mitmachen.

Eva-Marie alarmiert heimlich ihre Tochter
Während die Betrüger glauben, ihr Opfer unter Kontrolle zu haben, handelt Eva-Marie geistesgegenwärtig. Heimlich informiert sie ihre Tochter – die natürlich kerngesund ist. Gemeinsam schalten sie die Polizei ein.
Die Gespräche werden aufgezeichnet und die Beamten bereiten einen Zugriff vor. Als ein sogenannter „Abholer“ schließlich vor Eva-Maries Haustür erscheint, um Wertsachen einzusammeln, greift die Polizei ein. Der mutmaßliche Täter muss sich nun wegen bandenmäßigen Betrugs verantworten. Laut Ermittlern droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe.
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Tausende Fälle von Schockanrufen jedes Jahr
Der Fall von Eva-Marie zeigt, wie perfide sogenannte Schockanrufe funktionieren. Die Täter setzen gezielt auf Angst, Zeitdruck und emotionale Ausnahmesituationen. Besonders ältere Menschen werden dabei ins Visier genommen.
Nach Angaben der Ermittler wurden allein 2024 fast 7000 Fälle solcher Schockanrufe angezeigt. Zwar legen viele Betroffene inzwischen sofort auf, dennoch verlieren manche Opfer ihre gesamten Ersparnisse. Die Schadenssummen reichen von wenigen hundert Euro bis weit über 50.000 Euro, berichtet der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Heiko Teggatz, im RTL-Interview.
Einfach auflegen!
Immerhin bringt Eva-Marie den Abholer Robert E. vor Gericht. Der mutmaßliche Betrüger muss sich nun wegen bandenmäßigen Betrugs verantworten.
Trotz der belastenden Erfahrung hat die 92-Jährige ihren Humor nicht verloren. Auf die Frage, wie sie reagieren würde, falls erneut Betrüger bei ihr anrufen, antwortet Eva-Marie trocken: „Auflegen. Das werde ich nicht wieder machen, weil das zu anstrengend ist.“
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, polizei-beratung.de
































