Klinik muss 114.000 Euro zahlenNeugeborene vertauscht: Mutter stillt drei Tage lang das falsche Baby 

Kein Familiengeld mehr, aber 3.000 Euro Kinderstartgeld gibt es künftig in Bayern.
Drei Tage lang hielt sie das falsche Baby im Arm und stillte es – erst ein Zufall deckte die folgenschwere Verwechslung in einer italienischen Klinik auf. (Symbolbild)
Fabian Strauch/dpa
von Martina Lewinski

Es ist der Albtraum aller frischgebackenen Eltern.
Nach der Geburt wird das eigene Baby versehentlich mit einem anderen Neugeborenen vertauscht. Genau das ist einer Mutter in Italien passiert. Drei Tage lang kümmerte sie sich um das falsche Kind und stillte es – bis ein Zufall den folgenschweren Fehler aufdeckte. Fast neun Jahre später wurde die verantwortliche Privatklinik zu einer hohen Entschädigungszahlung verurteilt.

Zwei Neugeborene nach der Geburt verwechselt

Der Vorfall ereignete sich im Oktober 2017 in einer Privatklinik in Avellino in Süditalien. Nach der Geburt zweier Mädchen kam es beim Anziehen der Säuglinge zu einer folgenschweren Verwechslung: Die Armbänder der Babys wurden falsch zugeordnet, sodass beide Neugeborenen den jeweils falschen Müttern übergeben wurden.

Über mehrere Tage bemerkte niemand den Fehler. Beide Frauen kümmerten sich um ein Kind, das nicht ihr eigenes war.

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Zufällige Begegnung bringt die Wahrheit ans Licht

Erst drei Tage später kam es vor der Entlassung aus der Klinik zu einer zufälligen Begegnung der beiden Mütter. Eine der Frauen hatte ihr vermeintliches Baby wegen geschwollener Augen zu einer Untersuchung gebracht. Dabei kamen ihr Zweifel. Sie verglich die Nummer auf dem Armband des Kindes mit der Kennzeichnung, die ihr nach der Geburt zugewiesen worden war – und stellte fest, dass sie nicht übereinstimmte.

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Kurz darauf ließ die Klinik einen DNA-Test durchführen. Das Ergebnis bestätigte den Verdacht: Die beiden Mädchen waren tatsächlich vertauscht worden und wurden anschließend ihren leiblichen Müttern zurückgegeben.

Gericht erkennt schweren psychischen Schaden an

Nach Bekanntwerden des Vorfalls leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein. Das Strafverfahren wurde jedoch eingestellt. Nach Einschätzung der Ermittler handelte es sich um einen fahrlässigen Fehler des Klinikpersonals ohne strafrechtliche Relevanz. Anders bewertete das Zivilgericht den Fall. Dort stand nicht die strafrechtliche Verantwortung, sondern die Frage nach dem entstandenen Schaden im Mittelpunkt.

Das Gericht in Avellino sprach einer der betroffenen Mütter nun eine hohe Entschädigung zu. Nach Überzeugung des Richters erlitt sie durch die Verwechslung erhebliche psychische Folgen.

Laut Urteil litt die Frau unter Schlafstörungen, anhaltender Anspannung, Angstzuständen, Wut sowie belastenden Erinnerungen an das Ereignis. Über Wochen habe sie mit den psychischen Folgen der Verwechslung kämpfen müssen. Ein medizinisches Gutachten bestätigte die Belastung.

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Das Gericht verurteilte die Privatklinik schließlich zur Zahlung von rund 114.000 Euro. In dem Betrag enthalten sind sowohl die Entschädigung für den immateriellen Schaden als auch die Anwaltskosten der Klägerin. Das Urteil ist bislang erstinstanzlich und bezieht sich ausschließlich auf die Klage einer der beiden Mütter.

Ein Albtraum, der glimpflich endete

Dass die Verwechslung bereits nach drei Tagen entdeckt wurde, gilt im Nachhinein als glücklicher Zufall. Ohne den Vergleich der Armbänder hätte der Fehler möglicherweise deutlich länger unbemerkt bleiben können.

Immer wieder werden weltweit Fälle bekannt, in denen vertauschte Kinder erst viele Jahre oder sogar erst im Erwachsenenalter erfahren, dass sie nicht bei ihren leiblichen Eltern aufgewachsen sind. Im Fall von Avellino konnte dies verhindert werden – die psychischen Folgen für die betroffene Mutter blieben dennoch erheblich.

Verwendete Quelle: Südtirol News