„Tiger Queen“ spricht nach Großkatzen-Drama„Ich bin kein Dummchen, was hier plötzlich meint, mit Raubtieren arbeiten zu müssen“
„Ich kann mein Handwerk.”
Am Wochenende griff ein Tiger von Carmen Zander einen Helfer an und entkam danach aus seinem Gehege in einem Gewerbegebiet bei Leipzig. Anschließend wurde Tiger Sandokan von der Polizei erschossen. Nun spricht die Tiger-Besitzerin mit RTL. Für sie steht trotz des Vorfalls klar: „Ich hab’ nichts falsch gemacht!”
„Tiger Queen“ Carmen Zander war nicht da, als der Angriff passiert
Während des Angriffs sei die „Tiger Queen“ selbst nicht vor Ort gewesen. Mit gebrochener Stimme schildert Carmen Zander im RTL-Interview den Moment nach der Attacke. Der Vorfall habe sie völlig aus der Bahn geworfen. „Ich habe gedacht, ich bin im Albtraum“, sagt sie. Zunächst sei für sie aber vor allem entscheidend, dass der verletzte Mann überlebt und den Ablauf des Geschehens schildern kann. Gleichzeitig betont sie: „Ich hab’ nichts falsch gemacht! Meine Mitarbeiter und Helfer sind zu 100 Prozent instruiert worden.“
„Ich kann mein Handwerk. Ich bin kein Dummchen, was hier plötzlich meint, mit Raubtieren arbeiten zu müssen“, so Zander weiter. „Die Sicherheit war immer und ist immer gegeben. Und deswegen – umso schwerer fällt es mir, zu begreifen, was hier passiert ist.“
Immerhin sei das Tier ihr „Kuschelbär”, erzählt sie im Interview mit RTL. Sandokan sei ein neun Jahre alter und rund 280 Kilogramm schwerer Tiger. Auf der Internetseite der „Tiger Queen” klingt das noch ganz anders! Zander bezeichnete ihn dort in einer Charakterisierung als „Angsthase“. „Wenn er etwas nicht einschätzen kann, ist er schnell überfordert und wird unsicher. Ein Angriff kann von daher schneller und unerwarteter ausgelöst werden.“
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Nach Tiger-Attacke bei Leipzig laufen die Ermittlungen
Was genau am Wochenende passiert ist, ermittelt jetzt die Polizei. Nach bisherigen Informationen wurde der 72-jährige Helfer im Tigergehege attackiert und schwer verletzt, teilt die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage von RTL mit. Der Mann kam mit Biss- und Kratzwunden ins Krankenhaus. Dort ist er bisher noch nicht vernehmungsfähig, berichtet die dpa. Wie es genau zu dem Angriff kommen konnte, ist bislang unklar und Teil der laufenden Ermittlungen.

Kurz nach dem Angriff entkam Sandokan offenbar aus der Anlage. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte rückten mit einem Großaufgebot an, auch ein Rettungshubschrauber war im Einsatz. Das Tier wurde später in einer nahegelegenen Gartenanlage entdeckt. Da sich der Tiger in unmittelbarer Nähe zu einer gut besuchten Gartenanlage befand, entschied die Polizei nach eigenen Angaben, das Tier zu erschießen. Drei Schüsse fielen, um eine akute Gefahr für Anwohner auszuschließen. Zuvor sei geprüft worden, das Tier zu betäuben, was jedoch nicht mehr möglich gewesen sei.
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Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde das Gelände Dölzig bis in die Nacht hinein durchsucht. „Gegenstand der Ermittlungen wird unter anderem die Frage nach dem konkreten Ablauf des Geschehens sein sowie die Frage nach der Rolle des Geschädigten. Zu klären ist ebenfalls, ob gegen etwaige Sicherheitsvorschriften verstoßen wurde.“
Oberbürgermeisterin fordert klare Konsequenzen nach Tiger-Vorfall
Auch politisch bleibt der Fall nicht ohne Folgen. Die Oberbürgermeisterin von Schkeuditz, Rayk Bergner, fordert deutlich: „Die Tiger müssen weg! Es muss jetzt unbedingt eine Lösung her, die Behörden müssen das klären.“ Auch Tierschutzorganisationen fordern ein Verbot privater Wildtierhaltungen. Der Fall zeige erneut, dass die Haltung von Wildtieren bei Privatpersonen weder tierschutzgerecht noch sicher sei, erklärte Paulina Kuhn, Fachreferentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund.
Die Großkatzenhaltung von Carmen Zander steht bereits seit Jahren in der Kritik. Immer wieder gab es Vorwürfe wegen fehlender Genehmigungen und möglicher Verstöße gegen Auflagen. Das teilt das zuständige Landratsamt Nordsachsen mit. Auch die Nähe der Anlage zu einem Wohngebiet sorgte regelmäßig für Diskussionen.
Was mit den übrigen acht Tigern in Dölzig nach dem Ausbruch geschehen soll, ist noch offen. „Dem Landratsamt liegen noch keine Ergebnisse zu den Ermittlungen nach der Ursache des Vorfalls vor. Ohne diese Informationen lässt sich die Frage nicht beantworten“, erklärte das Amt.
Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche, dpa


