Ihre Tochter entschied sich für den assistierten SuizidRoberta Bieling trifft Mutter Ruth nach Kathis Tod wieder: „Ihre Stärke hat mich zutiefst beeindruckt“ 

von Roberta Bieling, Markus Seesing und Denise Gatzweiler

Ihr Schicksal hat Deutschland bewegt.
Eine Mutter, die ihre Tochter verloren hat. Eine junge Frau, die so gerne gelebt hätte. Und eine RTL-Moderatorin, die das Schicksal dieser Familie nicht mehr loslässt. Für ihre „Punkt 12“-Reportage trifft Roberta Bieling erneut auf Ruth, deren Tochter Kathi nach jahrelangem Leiden an ME/CFS mit 30 Jahren durch assistierten Suizid gestorben ist. Im Video erzählt sie von den letzten Momenten mit ihrer Tochter – aber auch davon, was ihr und ihrer Familie heute Kraft gibt.

Wie lebt man weiter, wenn man sein eigenes Kind verloren hat?

Wie findet man nach einem solchen Verlust zurück ins Leben? Wie macht man weiter, wenn das eigene Kind nicht mehr da ist? Es sind Fragen, auf die es wohl keine einfachen Antworten gibt. Und doch erlebt RTL-Moderatorin Roberta Bieling bei ihrem Wiedersehen mit Ruth eine Frau, die trotz ihrer unermesslichen Trauer versucht, nach vorne zu schauen.

„Ich bin seit meinem letzten Besuch mit Ruth in Verbindung geblieben. Deshalb habe ich erfahren, dass Katharina den begleiteten Suizid wirklich vollzogen hat, ich durfte bei der Beerdigung dabei sein und habe seitdem immer wieder mit Ruth gesprochen und sie besucht“, erzählt Roberta im Interview mit RTL.de.

Die Geschichte der Familie begleitet die Moderatorin inzwischen seit vielen Monaten. Und vor allem eines hat sie in dieser Zeit bewegt: „In der ganzen Zeit haben mich ihre Stärke und ihr Blick nach vorn zutiefst beeindruckt.“ Ruth hat ihre Tochter bis zuletzt gepflegt. Sie war an ihrer Seite, als Kathi kaum noch Licht, Geräusche oder Berührungen ertragen konnte. Und sie musste schließlich akzeptieren, dass ihre Tochter keinen anderen Ausweg aus ihrem schweren Leiden mehr sah.

Kathi litt an ME/CFS.
Kathi litt an ME/CFS.
Privat

Heute versucht Ruth, einen Alltag ohne Kathi zu finden. „Sie ist schon während Katharinas Krankheit weiter arbeiten gegangen und tut das auch jetzt, weil sie sagt, dass die Zeit mit den Kollegen ihr Ablenkung und Trost gibt“, berichtet Roberta. Auch ihr jüngerer Sohn Luis und ihr Mann geben Ruth Halt

Kathi wollte leben – doch ihre schwere Erkrankung ließ ihr kaum noch etwas davon

Als Roberta Bieling die Familie im vergangenen Jahr zum ersten Mal besucht, ist Kathis Leben bereits auf wenige Quadratmeter zusammengeschrumpft. Die 30-Jährige, die früher voller Energie steckte, gerne reiste und das Leben liebte, leidet an einer besonders schweren Form von ME/CFS. Die Erkrankung hat ihr nahezu jede Kraft genommen.

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Zwei Jahre verbringt sie weitgehend allein in einem abgedunkelten Zimmer. Selbst kleinste Reize können ihren Zustand verschlimmern. Mit ihrer Mutter kann sie sich zeitweise nur verständigen, indem diese ihr Zeichen in die Hand schreibt. Für Ruth bedeutet das, rund um die Uhr Rücksicht zu nehmen, zu pflegen, zu hoffen – und mitansehen zu müssen, wie sehr ihre Tochter leidet.

Schließlich trifft Kathi eine Entscheidung, die ihre Familie vor eine kaum vorstellbare Situation stellt: Sie möchte ihr Leben durch einen assistierten Suizid beenden. Ein Weg, den immer mehr ME/CFS-Betroffene gehen, da sie sich anders nicht zu helfen wissen. Anfang März 2026 stirbt Katharina im Kreis ihrer Liebsten.

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„Freu dich nicht zu spät“: Kathis letzter Wunsch an ihre Familie

So schwer der Verlust auch ist: Kathi hat ihren Liebsten etwas mit auf den Weg gegeben, das ihnen heute Kraft schenkt. Kurz vor ihrem Tod mobilisiert sie noch einmal ihre verbliebenen Kräfte, um ihrer Familie und ihren Freunden einen besonderen Wunsch zu vermitteln: Sie sollen ihr Leben weiter genießen. Sie sollen lachen, schöne Momente erleben und glücklich sein dürfen.

Für ihre Mutter ist dieser Wunsch bis heute von großer Bedeutung. „Ruth lässt die Trauer und die schrecklichen Erinnerungen an Katharinas Leid zu, erlaubt es sich aber auch, mal fröhlich zu sein und das Leben zu genießen“, erzählt Roberta. Dass Ruth das kann, hat auch mit den Worten ihrer Tochter zu tun. Denn Kathi wollte nicht, dass das Leben ihrer Familie mit ihrem eigenen Tod stehen bleibt. Ihr Lebensmotto lautete: „Freu dich nicht zu spät.“ Fünf Worte, die heute für so viel mehr stehen als nur für die Erinnerung an eine junge Frau. Sie sind auch ein liebevoller Appell, die schönen Augenblicke des Lebens nicht aufzuschieben.

Dass Kathi nicht vergessen wird, dafür sorgen neben ihrer Familie auch ihre Freundinnen. Unter dem Instagram-Namen „freu dich nicht zu spät“ erinnern sie immer wieder an die junge Frau, teilen Bilder und machen auf ME/CFS aufmerksam. In Köln haben sie außerdem eine große Spendenparty organisiert. Auch Ruth ist dabei.

„Ruth steht immer noch in Kontakt mit vielen anderen betroffenen Müttern. Außerdem leisten Katharinas Freundinnen ganz tolle Öffentlichkeitsarbeit“, erzählt Roberta. Die Freundinnen verkaufen auch T-Shirts mit Kathis Lebensmotto. Aus der Erinnerung an ihre Freundin ist so ein Engagement entstanden, das weit über Kathis persönliches Schicksal hinausgeht. Denn die jungen Frauen wollen etwas verändern. Sie wollen, dass Menschen erfahren, wie schwer ME/CFS verlaufen kann – und wie dringend Betroffene Unterstützung benötigen.

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Mehr Aufmerksamkeit für ME/CFS: Roberta Bieling möchte Betroffenen eine Stimme geben

Genau darum geht es auch Roberta Bieling. Die RTL-Moderatorin beschäftigt sich seit längerer Zeit intensiv mit ME/CFS, trifft Betroffene und ihre Angehörigen und recherchiert zu den Schwierigkeiten bei Diagnose, Versorgung und Forschung. Dabei begegnen ihr immer wieder Menschen, deren Leben durch die Erkrankung vollständig auf den Kopf gestellt wurde.

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Und obwohl die Schicksale, über die sie berichtet, kaum auszuhalten sind, möchte Roberta vor allem eines erreichen: dass die Krankheit endlich mehr Aufmerksamkeit bekommt. „Die Reportagen über Kathi und die anderen Patienten machen sehr traurig. Das Ziel ist aber eigentlich viel mehr, dass wir uns alle bewusst machen, dass es diese Krankheit gibt“, erklärt sie im Interview mit RTL.de: „Dass wir darüber sprechen und sie bekannter wird.“

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ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom. Die schwere, chronische Multisystemerkrankung kann unter anderem zu extremer Belastungsintoleranz führen. Charakteristisch ist, dass sich Beschwerden bereits nach geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung deutlich verschlimmern können. Schwerstbetroffene können ihr Bett kaum oder gar nicht mehr verlassen und sind auf umfassende Unterstützung angewiesen. Eine allgemein wirksame Heilbehandlung gibt es bislang nicht. In Deutschland leben schätzungsweise 650.000 Menschen mit ME/CFS.

Robertas Reportage erzählt nicht nur von Verzweiflung und Verlust. Sie erzählt auch von Zusammenhalt. Von Freundschaft. Von einer Mutter, die ihre Tochter unendlich vermisst und trotzdem versucht, weiterzuleben. Und von einer jungen Frau, die selbst unter schwersten Bedingungen ihre Liebe zum Leben nie verloren hat.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche