Frau stellt sich gegen Partei-SympathisantenAfDler in Apotheke in Bielefeld unerwünscht – Video sorgt für Kritik

von Parviz Khosrawi und Vanessa Nikić

In der Apotheke sollte es vor allem um eines gehen: Um die Gesundheit - und zwar aller Menschen. Aber eine Frau aus Bielefeld sorgt jetzt mit ihrem Video für Diskussionen. Darin macht sie deutlich: Sie will keine AfD-Sympathisanten in ihrer Apotheke.

Kritik an Video von Apothekerin

In einer Apotheke in Bielefeld ist nicht jeder willkommen. Das hat die Inhaberin vor zwei Tagen mit einem Video auf Social Media deutlich gemacht. Darin sagt sie: „Jeder, der mit der AfD sympathisiert, sie unterstützt sie wählt: Bitte meide meine Apotheke, meide mein Team, meide mein Umfeld.” Damit stößt Elisabeth Kutter auch auf Gegenwind. In den Kommentaren heißt es unter anderem: „Als Arzt bin ich zutiefst schockiert, mit welcher Selbstverständlichkeit Sie als Apothekerin einen erheblichen Teil der Bevölkerung aufgrund abweichender Weltanschauungen ausgrenzen.“ Ein Nutzer fragt: „Woran wollen Sie AfD-Wähler erkennen?” Ein anderer Account schreibt: „Das ist Faschismus! So fing es damals auch an, als Menschen bestimmter Gesinnung ausgegrenzt wurden.“

Apothekerin bringt Drohungen zur Anzeige

Doch bei der Kritik bleibt es nicht. Es käme auch zu Beleidigungen und Drohungen, so Elisabeth Kutter. Gegenüber RTL WEST erzählt sie, Sympathisanten der AfD, wer auch immer, rufen den ganzen Tag in ihrer Apotheke an. Es käme auch zu schlimmen Schimpfworten. Ihre Apotheke sei auch in „Hitler Apotheke“ umbenannt worden. Deshalb hat sie die Polizei eingeschaltet. Sie ermittelt jetzt. Auf der anderen Seite kündigen User auch an, Elisabeth Kutter anzuzeigen - zum Beispiel wegen Volksverhetzung. So eine Beschwerde liegt der Behörde in Bielefeld bisher aber nicht vor.

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Gegenwind von NRW-AfD

Selbst spricht die 60-Jährige in einem Video auch von „Vollpfosten von der AfD” und schreibt dazu „Rache der Nazis”. In ihrem neusten Post zu dem Thema heißt es: „Natürlich bekommt ihr eure Medikamente und ihr bekommt den gleichen hervorragenden Service, den wir allen Kunden anbieten. Aber mögen tue ich euch trotzdem nicht. Ihr seid halt einfach nicht willkommen.” Eine politische Diskussion habe sie nicht gewollt, sagt sie. Das kann Martin Vincentz von der NRW-AfD nicht verstehen. Er findet: Wer sowas hochlädt, muss mit Gegenwind rechnen. Davon lebe auch die Demokratie. Dass Mitglieder seiner Partei ausgegrenzt werden, kennt der Fraktionsvorsitzende aber schon. Im RTL WEST Interview sagt er: „Diese Form von weiterer Eskalation, dieses ‚An den Rand treiben‘ von AfD-Wählern führt genau zu dieser Spaltung - dazu, dass man sich unversöhnlich gegenübersteht. Das ist eigentlich das Gegenteil von einem ehrlichen, demokratischen Interesse, was uns alle einen sollte.”

Darf die Apotheke Kunden ausgrenzen?

Die Apotheke hat sich auch der Initiative „Wirtschaft widerspricht” angeschlossen. 179 Unternehmen machen mit, um ihre Ablehnung gegen die AfD deutlich zu machen. Das ist rechtlich auch erlaubt, so Rechtsanwalt Arndt Kempgens. Jeder Geschäftsmann darf entscheiden, mit wem er Verträge macht, aber es gibt auch andere Vorschriften wie die Apothekenbetriebsordnung. Demnach muss jede Apotheke jedes Rezept einlösen. Wenn die Apothekerin, dass bei AfD-Sympathisanten macht, spricht nichts gegen die Betriebsordnung. Es könnte aber eine Grauzone sein, da diese Kunden ja nicht willkommen sind in der Apotheke, so der Anwalt. Mittlerweile wurde das Profil der Apotheke auf privat gestellt. Auch auf Google Maps kann sie nicht mehr bewertet werden.