Alle Entwicklungen im Liveticker Wie geht es nach dem Wahl-Desaster für Friedrich Merz weiter?

von Camilla Koziol, Johanna Grewer, Sebastian Fuhrmann, Felix Christmann, Anke Jonschker und Fabian Klein

Es ist ein weiterer Tiefpunkt für die CDU und Bundeskanzler Friedrich Merz, der mehr denn je um sein politisches Überleben kämpft.
Bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern rutscht die Union unter die Fünf-Prozent-Hürde, ist damit zum ersten Mal in ihrer Geschichte nicht in einem Landtag vertreten. Ein historisches Debakel. Bei der Abgeordnetenwahl in Berlin siegt die Linke, die CDU muss das Rathaus damit wohl räumen. Der Kanzler spricht bereits früh am Abend von einem „Desaster”. Das ganze Statement gibt es hier im Video.

Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern: Alle Entwicklungen im Liveticker

Wichtige Updates
Fabian Klein

Wie geht es nach dem Wahl-Desaster für Friedrich Merz weiter?

Nach dem schweren Wahlsonntag in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wächst der Druck auf Friedrich Merz. Am Montag beraten zunächst das CDU-Präsidium und anschließend der Bundesvorstand über die Konsequenzen aus den Ergebnissen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Dabei geht es laut Bild auch um die Frage, ob Merz die Partei weiterhin führen soll. 
Merz selbst stellte am Sonntagabend klar, dass er sowohl als Bundeskanzler als auch als Parteivorsitzender weitermachen will. In hohen CDU-Kreisen wird laut Bild dennoch darüber diskutiert, ob zumindest an der Parteispitze ein Wechsel nötig sein könnte. 
Gleichzeitig sieht die Partei die Ursachen für ihre Krise offenbar nicht allein bei Merz. In der CDU wird auch über grundsätzlichere Verschiebungen im Parteiensystem diskutiert. Für den Kanzler dürfte nun entscheidend sein, ob es seiner Regierung gelingt, angekündigte Reformen durchzusetzen und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. 
Johanna Kroke

Linke siegt in Berlin

In Berlin gewinnt die Linke nach Auszählung aller Stimmen mit 25,7 Prozent und großem Vorsprung vor den anderen Parteien. Dahinter folgen CDU (18,8 Prozent), AfD (16,3 Prozent), Grüne (14,3 Prozent) und SPD (12,1 Prozent). Die regierende CDU/SPD-Koalition hat damit ihre Mehrheit verloren.
Im Berliner Abgeordnetenhaus erhält die Linke demnach 47 Sitze, die CDU kommt auf 34, die AfD ist mit 29 und die SPD mit 22 Sitzen vertreten.

In der Hauptstadt deutet vieles darauf hin, dass eine Dreier-Koalition aus Linken, Grünen und SPD die Regierungsmacht übernimmt. Die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp, eine 45-jährige Juristin mit türkischen Wurzeln, will neue Regierende Bürgermeisterin werden. Die Grünen, bisher in der Opposition im Abgeordnetenhaus, äußerten schon am Abend ihre Bereitschaft, über ein solches Bündnis zu verhandeln. 
Ob die SPD, zuletzt Juniorpartner der CDU in der Regierung, ebenso bereitwillig mitzieht, blieb zunächst offen. Ihr Spitzenkandidat Steffen Krach hatte bisher klar betont, mit ihm werde es die von der Linken im Wahlkampf versprochene Enteignung großer Wohnungskonzerne so nicht geben.
Rechnerisch möglich wäre zwar auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD. Doch hätte es die CDU angesichts ihrer starken Verluste und des deutlichen Rückstands auf die Linke schwer, einen Auftrag zur Regierungsbildung für sich zu reklamieren. 

Die Wahlbeteiligung ist deutlich gestiegen und lag in Berlin bei 74,2 Prozent. 
Sebastian Fuhrmann

Giffey nicht mehr im Berliner Abgeordnetenhaus

Berlins wohl prominenteste SPD-Politikerin, die frühere Bundesministerin und Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey, wird dem neuen Abgeordnetenhaus nicht mehr angehören. In ihrem Wahlkreis in Rudow im Bezirk Neukölln verpasste die 48-Jährige bei der Berlin-Wahl ein Direktmandat, wie aus der Ergebnispräsentation der Landeswahlleitung hervorgeht. Sie unterlag demnach mit 26,3 Prozent knapp dem CDU-Kandidaten Olaf Schenk, der auf 27,7 Prozent kam. 
Sebastian Fuhrmann

Historisches Debakel: CDU fliegt in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag

Die AfD hat nach offiziellen Angaben mit 38,2 Prozent der Stimmen die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen. Das teilte die Landeswahlleitung mit. Auf Platz zwei folgt die SPD mit 35,5 Prozent, zudem ziehen die Linke (6,5 Prozent) und die Grünen (5,7 Prozent) in den Landtag ein. Die CDU (4,9 Prozent) sowie das BSW (4,8 Prozent) scheitern knapp. 
Die AfD kommt demnach im neuen Parlament auf 32 Sitze, die SPD auf 29, die Linke wie die Grünen auf 5 Sitze. 
Erstmals wird die AfD damit stärkste Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Gegenüber der Wahl von vor fünf Jahren haben die Rechtspopulisten ihr Ergebnis mehr als verdoppelt (damals 16,7). 
Der Kandidat der AfD für das Amt des Ministerpräsidenten, Leif-Erik Holm, leitete daraus einen Regierungsauftrag für seine Partei ab. Er werde mit den anderen Parteien über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit sprechen. Allerdings haben bis auf das BSW bisher alle anderen politischen Kräfte eine Kooperation mit der AfD ausgeschlossen - und das BSW schaffte es am Ende nicht.
Die SPD erlitt leichte Verluste (2021: 39,6 Prozent). Angesichts des Bundestrends zeigte sich die Partei mit dem Ergebnis dennoch zufrieden. "Was für eine Aufholjagd", sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kurz nach Bekanntwerden der ersten Prognosen. In Umfragen vor der Wahl hatte die SPD lange deutlich unter 30 Prozent gelegen. 

Brutaler Absturz der Union

Die Aufholjagd der SPD ging aber vor allem auf Kosten der kleineren Parteien, allen voran der Union. Erstmals wird die CDU nicht in einem Parlament eines Bundeslands vertreten sein. Empfanden die einst in Schwerin regierenden Christdemokraten schon das Ergebnis von 2021 (13,3 Prozent) als Niederlage, so holten sie diesmal nicht einmal die Hälfte der Anteile. Es ist das schlechteste Abschneiden der CDU bei einer Landtagswahl in der Geschichte der Bundesrepublik.
 

Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stimmen am selben Tag ab

Dieser Sonntag bringt gleich zwei wichtige politische Entscheidungen. Am 20. September sind die Menschen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zur Stimmabgabe aufgerufen. Wenn um 18 Uhr die Wahllokale schließen, beginnt die Auszählung.

In der Hauptstadt geht es um das 20. Berliner Abgeordnetenhaus. Gleichzeitig stimmen die Berlinerinnen und Berliner über die Zusammensetzung der zwölf Bezirksverordnetenversammlungen ab. Rund 2,4 Millionen Wahlbenachrichtigungen wurden im Vorfeld verschickt.

Eine wichtige Neuerung gibt es 2026: Erstmals dürfen in Berlin bereits 16- und 17-Jährige bei der Abgeordnetenhauswahl ihre Stimme abgeben. Außerdem befinden sich Erst- und Zweitstimme diesmal gemeinsam auf einem Stimmzettel.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Auch Mecklenburg-Vorpommern bestimmt einen neuen Landtag

Rund 200 Kilometer weiter nördlich steht ebenfalls eine Landtagswahl an. In Mecklenburg-Vorpommern geht es um die Zusammensetzung des 9. Landtags. Auch dort liegt das Mindestalter für die Teilnahme bei 16 Jahren.

Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Anschließend werden die Stimmen ausgezählt. Die Landeswahlleitung will am Wahlabend ab etwa 19 Uhr fortlaufend aktualisierte Ergebnisse veröffentlichen.

Alle Ergebnisse und Reaktionen hier im Liveticker

Wie fallen die Ergebnisse aus? Welche Mehrheiten und Koalitionen sind anschließend rechnerisch möglich? Und wie reagieren Parteien und Spitzenkandidaten auf die Zahlen?

Hier halten wir euch über die Entwicklungen in beiden Bundesländern auf dem Laufenden. Von der Öffnung der Wahllokale über erste Ergebnisse und Hochrechnungen bis zu den Reaktionen am Abend bekommt ihr die wichtigsten Nachrichten aus Berlin und Mecklenburg-Vorpommern direkt in unserem Liveticker.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, mit Material von dpa und AFP