RTL-Recherche half bei der AufdeckungHaft für Terror-Teenies! Gericht verurteilt rechte „Letzte Verteidigungswelle”

Die Angeklagten stehen im Sitzungssaal im Strafjustizgebäude zu Beginn des Prozesses gegen die rechtsextreme Terrorgruppe „Letzte Verteidigungswelle”.
Die Angeklagten stehen im Sitzungssaal im Strafjustizgebäude zu Beginn des Prozesses gegen die rechtsextreme Terrorgruppe „Letzte Verteidigungswelle”.
Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Sie wollten mit Feuer und Sprengstoff Angst und Schrecken verbreiten.
Die Mitglieder der rechtsextremen Gruppe „Letzte Verteidigungswelle“ planten Anschläge auf Geflüchtete und politische Gegner – und nahmen dabei den Tod von Menschen in Kauf. Jetzt schickt das Hanseatische Oberlandesgericht die jungen Angeklagten für bis zu fünf Jahre ins Gefängnis.

Richterin spricht von Versuch, „Chaos herbeizuführen“

Das Oberlandesgericht Hamburg verurteilt die acht Angeklagten unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und versuchten Mordes. Die sieben Haftstrafen nach Jugendstrafrecht reichen von zwei Jahren und vier Monaten bis zu fünf Jahren. Ein weiterer Angeklagter erhält eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren.

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Drei Angeklagte werden zudem wegen Rädelsführerschaft verurteilt. Die Vorsitzende Richterin findet bei der Urteilsverkündung deutliche Worte: Die Taten seien der Versuch gewesen, „Chaos herbeizuführen“. Auch die Bezeichnung „braune Kinderzimmer“ sei „durchaus passend gewählt“, sagt sie laut im Gericht.

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Gruppe plante Anschläge auf Geflüchtete und Linke

Die „Letzte Verteidigungswelle“ soll Brand- und Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und linke Einrichtungen geplant und teilweise bereits ausgeführt haben. Laut Bundesanwaltschaft wollen die Rechtsextremisten mit Gewalt gegen Migranten und politische Gegner einen Zusammenbruch des demokratischen Systems herbeiführen.

Im Oktober 2024 soll ein Mitglied nachts einen Brandanschlag auf ein bewohntes Kulturzentrum im brandenburgischen Altdöbern verübt haben. Im Januar 2025 folgt laut Anklage eine Pyrotechnikattacke auf eine Flüchtlingsunterkunft im thüringischen Schmölln. Ein weiterer Anschlag auf eine Unterkunft in Senftenberg in Brandenburg soll bereits vorbereitet gewesen sein.

Verletzt wird bei den Attacken niemand. Nach Einschätzung der Ermittler ist das teilweise jedoch nur glücklichen Zufällen zu verdanken. Den Angeklagten wurden neben versuchtem Mord auch Verabredung zum Mord, Brandstiftung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

RTL-Reporterin schleust sich in rechte Chatgruppen ein

Die Spur zur Terrorzelle beginnt in rechten Chatgruppen. Bei der Recherche für die RTL-Dokumentation „Braune Kinderzimmer“ stößt eine Reporterin auf Gewaltfantasien, Anschlagspläne und mutmaßliche Mitglieder der „Letzten Verteidigungswelle“.

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RTL übergibt der Polizei Videos, Chats und Standorte. So kommt ein geplanter Anschlag auf eine Asylunterkunft in Senftenberg ans Licht. Auch ein Video des brennenden Kulturhauses in Altdöbern führt die Ermittler zu einem damals 15-jährigen Verdächtigen. Im Mai 2025 wird die Gruppe schließlich bei bundesweiten Razzien zerschlagen.

Die Beschuldigten sind zum Zeitpunkt ihrer Festnahmen zwischen 14 und 21 Jahre alt. Weil mehrere Angeklagte minderjährig sind, findet der Prozess seit März weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Laut Bundesanwaltschaft versteht sich die Gruppe als letzte Instanz zur Verteidigung der „Deutschen Nation“. In Chats sollen die Mitglieder den Nationalsozialismus verherrlicht, rassistische und antisemitische Inhalte verbreitet und von einem „Rassenkrieg“ gesprochen haben.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, dpa, AFP