RTL begleitet Bereitschaftsrichter Justiz am Limit! Aktenberge, Frust und freie Täter

von Stephanie Schmidt und Denise Gatzweiler

Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen.
Im Februar kommt in Berlin ein verurteilter Vergewaltiger frei, weil der Richter eine Frist versäumt. Tatsächlich ist das kein Einzelfall. Über eine Million offene Verfahren liegen bei unseren Staatsanwaltschaften. Das deutsche Justizsystem ist mehr als überlastet. Aber wo hakt es und was macht das mit Betroffenen? Wir gehen diesen Fragen im Video auf den Grund und schauen einem Bereitschaftsrichter bei seiner Arbeit über die Schulter.

Ein Tag im Leben eines Bereitschaftsrichters

Martin Borowsky ist Bereitschaftsrichter. Als wir ihn an einem Samstagmorgen treffen, ist er bereits seit sechs Uhr im Dienst. Er kümmert sich um Fälle, die schnelles Handeln erfordern und nicht bis Montag aufgeschoben werden können. Während seines Dienstes befasst er sich unter anderem mit Fragen der Unterbringung und Fixierung sowie mit Haftsachen. Außerdem entscheidet er über strafprozessuale Maßnahmen wie Durchsuchungsbeschlüsse.

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Ziemlich viel Verantwortung, die auf seinen Schultern lastet. „Die Tätigkeit kann sehr belastend und auch anstrengend sein. Schlichtweg auch körperlich anstrengend“, erklärt Martin Borowsky im RTL-Interview. Es kommt vor, dass ein Einsatz auf den nächsten folgt. Das bedeutet: ins Auto steigen, eine Entscheidung treffen — und dann klingelt das Telefon auch schon wieder.

Deutschlands Gerichte am Limit: Wenn Gerechtigkeit warten muss

Laut Deutschem Richterbund fehlen bundesweit insgesamt 2.000 Stellen im Richteramt und in den Staatsanwaltschaften. Die Folge: Die Verfahrensdauern sind in den vergangenen Jahren an den Amtsgerichten um 43 Prozent und an den Landgerichten um 22 Prozent gestiegen. Schlusslichter sind Hamburg und Brandenburg. An den Landgerichten in Brandenburg wartet man im Schnitt sogar fast drei Jahre auf ein Urteil. Für Betroffene kann das schnell zur Zerreißprobe werden.

Was lange Gerichtsverfahren für Betroffene bedeuten, erzählt uns eine besorgte Mutter. Ihre Tochter wurde von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht. Anfang 2020 erstatten sie Anzeige – doch erst Mitte 2024, also über vier Jahre später, beginnt der erste Prozess am Amtsgericht. Wie belastend diese Wartezeit für Mutter und Tochter war und wie die Justiz möglicherweise entlastet werden könnte, seht ihr oben im Video.

Verwendete Quellen: RTL