Die Widersprüche häufen sich„Ich habe nur geheult“ – Wie Gina H. der Polizei die Nacht schilderte, in der sie Fabians Leiche fand
Fand Gina H. Fabians Leiche „zufällig”?
In der Nacht zum 13. Oktober sah Zeuge Christian D. an einem Tümpel durch ein Nachtsichtgerät etwas Auffälliges. Es war, wie sich herausstellte, Fabians Leiche. Gina H. hatte ihn zu dem Tümpel geführt. Im Mordprozess um den Achtjährigen wurde nun am Mittwoch das Video der Vernehmung der Tatverdächtigen unmittelbar nach dem Fund gezeigt. Darin schildert die Angeklagte ihre Befürchtung – und räumt an anderer Stelle ein, die Ermittler belogen zu haben.
Gina H.: „Ich hatte ein beschissenes Bauchgefühl”
„Ich habe heute nur geheult, den ganzen Vormittag.“ Mit diesen Worten beschreibt Gina H. in ihrer Vernehmung kurz nach Fabians Tod, wie es ihr nach der Sichtung eines auffälligen Gegenstands an dem Tümpel in der Nacht zum 13. Oktober gegangen sei. Am 14. Oktober stellt sich heraus: Dieser „Gegenstand” war Fabian.
Am Mittwoch (26. August) wird das Video dieser Befragung im Mordprozess um den achtjährigen Fabian vor dem Landgericht Rostock vorgespielt. Die Angeklagte spricht darin energisch, gestikuliert und wirkt nervös.
Besonders eindringlich schildert sie, was sie am Morgen nach der Sichtung gedacht habe: „Ich hatte ein beschissenes Bauchgefühl. Mein Bauchgefühl lügt nie. Ich hatte Angst, dass es Fabian sein könnte. Ich habe ihn nicht gesehen gestern.“
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Die Nacht, in der sie mit Christian D. spazieren war, und den Fund am Tümpel, beschreibt Gina H. vor laufender Kamera der Ermittler. Sie selbst habe Abstand zum Fund gehalten. „Ich stand oben. Ich bin auch nicht runtergegangen.“ Christian D. habe die vermeintliche Leiche „vielleicht auch angefasst“. Zu dem Zeitpunkt seien beide angeblich nicht davon ausgegangen, dass das, was da am Tümpel lag, eine Kinderleiche sein soll.
Gina H. gibt zu, dass sie log, um Zeugen zu schützen
Bei der im Gericht gezeigten stundenlangen Vernehmung hatte die Angeklagte zunächst behauptet, den ermordeten Fabian am 14. Oktober 2025 zufällig bei einem Spaziergang mit ihrer Freundin Heike M. entdeckt zu haben. „Das Problem ist: Ich kann nicht lügen”, sagte sie an einer Stelle. Als die Polizei sie kurz danach mit der Aussage ihrer Freundin konfrontierte, dass der Fund nicht zufällig gewesen sei, änderte sie überraschend schnell ihre Stellungnahme.
Gina H. gibt nämlich später zu, die Ermittler zunächst belogen und Christian D. bewusst verschwiegen zu haben. Sie habe ihn schützen wollen, weil er Ärger wegen seiner Jagderlaubnis befürchtet habe. Mit seinem Nachtsichtgerät habe Christian D. an der Schweinesuhle etwas entdeckt, das zunächst wie eine verbrannte Puppe ausgesehen habe. „Ich wusste nicht, dass es das ist. Also Fabian ist“, sagt Gina H.
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Als der Ermittler wissen will, warum sie ausgerechnet dort nach einer Leiche gesucht hätten, reagiert die Angeklagte heftig. „Nix Leiche zu suchen!“, entgegnet sie. Sie sei dort gewesen, weil sie mit den Kindern in diesem Wald spazieren gewesen sei. Schließlich sagt sie: „Es war ein verfickter Scheiß-Zufall! Ich schwöre bei meinem Kind!“
„Ich habe mein Kind zur Schule gebracht“
Nach der Rückkehr vom Tümpel habe Christian D. sie nach Hause gebracht. Sie habe sich hingelegt und nicht gewusst, „wie ihr der Kopf steht“. Am nächsten Morgen versucht sie ihrer Schilderung zufolge trotzdem, ihren Alltag zu bewältigen.
„Ich habe mein Kind zur Schule gebracht, ich habe die Pferde gemacht und Heike abgeholt“, sagt Gina H. Dann folgt der Satz, der zeigt, wie sehr sie die Ereignisse nach eigener Darstellung beschäftigten: „Ich habe heute nur geheult, den ganzen Vormittag.“
Mit Heike M. habe sie noch einmal zum Tümpel fahren wollen. Sie habe überprüfen wollen, ob dort tatsächlich eine Leiche liege. Falls sich der Verdacht bestätige, habe sie die Polizei verständigen wollen.
Tatverdächtige Gina H.: „Ich wollte mit Olaf reden“
Doch Gina H. berichtet den Ermittlern noch von einem anderen Impuls. Nach dem Fund mit Christian D. habe sie mit ihrem Nachbarn Olaf K. sprechen wollen.
„Ich wollte mit Olaf reden. Aber ich habe es nicht gemacht. Ich habe nichts gesagt. Ich habe nichts gesagt“, betont sie.
Diese Aussage steht allerdings im Widerspruch zu bisherigen Erkenntnissen aus dem Prozess. Denn vor Gericht kam bereits heraus, dass Gina H. ihren Nachbarn Olaf K. noch in derselben Nacht ebenfalls zu der Leiche geführt haben soll. Ihr mehrfach wiederholtes „Ich habe nichts gesagt“ stimmt demnach nicht mit dem bislang im Prozess rekonstruierten Geschehen überein.
Gina H. steht seit Ende Juni wegen Mordes vor dem Landgericht Rostock. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, Fabian am 10. Oktober 2025 zu einem abgelegenen Tümpel nahe Klein Upahl gebracht und dort mit mehreren Messerstichen getötet zu haben. Anschließend soll sie versucht haben, den Leichnam in Brand zu setzen. Die Vorwürfe sind bislang nicht rechtskräftig festgestellt.
Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche, dpa






































