Fake-Tränen, echter Betrug: Vorsicht, Abzocke! Die dreiste Mitleids-Masche mit KI-Mädchen „Klea“
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Sie weint, wird beleidigt, kämpft tapfer weiter! So erzählen es die Videos von „KleasKunst“ auf TikTok und Instagram. Ein junges Mädchen mit Down-Syndrom, das liebevoll Schmuck und Deko bastelt und im eigenen Online-Shop verkauft. Tausende Nutzer sind berührt, wollen helfen, kaufen. Doch die Wahrheit ist schockierend: Klea existiert nicht. Hinter der rührenden Geschichte steckt eine knallharte Abzock-Masche mit KI-Videos, Fake-Hasskommentaren und Billigware aus China.
Klea weint bitterlich. Schon wieder hat jemand im Netz das Mädchen mit Downsyndrom beleidigt.
"Du bist ein Downi und machst irgendwelche komischen Kettchen, jetzt mal ehrlich, wer braucht den Müll!“
Damit sind wohl die Ketten und Tassen gemeint, die Klea selbst herstellt. So zumindest wird es in den zahlreichen Videos von KleasKunst behauptet, die mir auf TikTok angezeigt werden. Die Clips machen mich allerdings stutzig: Ich zeige den Account unserem RTL-Verifizierungsexperten Andreas Greuel:
"Klea ist eine KI generierte Person, die es so nicht wirklich gibt, aber mit der Sachen verkauft werden sollen."
Alles daran ist FAKE! Die Videos sind KI. Die Hate-Kommentare, ausgedacht.
"Hier treffen KI, aggressive Social Media Marketing und emotionale Manipulation aufeinander. Und wir wissen alle, wo Emotionen anfangen, hört das kritische Denken manchmal auf. Über einen Link im Social Media Profil kommt man auf den zugehörigen Shop, der angeblich von Kleas Vater geführt wird.
„Und sogar im Impressum wird Mitgefühl erzeugt. Hier steht, dass einige Personen sich einen schlechten Scherz erlaubt haben und den Instagram Kanal von Kleas Kunst gemeldet haben. Und dadurch soll er vorübergehend gesperrt worden sein. Zitat Da meine Tochter auf Grund ihrer Behinderung sehr sensibel ist, trifft uns das natürlich besonders.“
Darunter eine deutsche Handynummer und eine amerikanische Adresse – hier passt nichts zusammen. Es scheint so etwas wie eine Briefkastenfirma zu sein.
Besonders perfide: Klea, also das Mädchen das es gar nicht gibt, soll einen Kreativitäts Award für Menschen mit Behinderung gewonnen haben. Dieser Award existiert ebenso nicht – das Foto ist mit Googles KI Assistent Gemini erstellt.
"Die Namen der Firmen, die hier hinter werben sollten, Ja, die sind teilweise einfach falsch geschrieben. Das passt alles nicht zueinander."
Trotzdem bekommt das KI-Mädchen bei TikTok massenweise aufmunternde Kommentare – und einige User werden wohl auch den Weg in den Online-Shop finden, wie Karin. Sie kauft eine Kette bei Kleas Kunst.
"Ich wollte dieses Kind unterstützen, und habe gedacht, mensch, wenn sie das so toll macht und keiner mag sie / dann tust du was gutes."
In der Versandbestätigung steht es dann schwarz auf weiß: Versand aus China.Auch ich habe für die Recherche testweise die Kette für 19.99 Euro und die Tassen für 24.99 Euro bestellt.
"Und unmittelbar nach meiner Testbestellung hat mich meine Bank angerufen und gefragt, ob ich das wirklich war, der diese Zahlung getätigt hat. Also auch da sind wohl direkt die Alarmglocken angegangen."
Während ich trotz Express Versand seit gut 2 Wochen warte – ist Karins Kette tatsächlich angekommen. Handgemacht ist aber sicher nichts. Es ist Massenware, die wir für Kleinstbeträge auch in Billig-Shops wie Alibaba finden.
Das unmoralische Geschäft mit den Emotionen scheint zu laufen. Viele Social Media Seiten nutzen genau dieses Schema: Durch Mitleid Verkäufe ankurbeln. Alle nutzen dafür KI generierte Videos und suggerieren, für ihre Handarbeiten gemobbt zu werden.
"Wenn ich sehe, dass die Videos alle die gleiche Erzählweise haben und immer das gleiche suggerieren wollen, gleiche Schnittbilder, sollte ich argwöhnisch werden."
Und bei Videos immer den Ton anmachen. Denn spätestens bei diesen Clips sieht man dann doch sehr deutlich, dass Stimme, Person und Mundbewegung nicht zusammenpassen.
"Die Macher der Seite KleasKunst haben auf unsere Fragen nicht reagiert. Nach unserer Anfrage ist die TikTok Seite mit 12.500 Followern aber gelöscht worden."
Allerdings gibt es schon wieder neue Profile von Klea auf Instagram und TikTok. Aufhalten können wir die Flut an Fake-Accounts nicht – umso wichtiger ist es, immer genau hinzusehen und sich nicht von seinen Emotionen zum Kauf verleiten zu lassen.
