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Mordprozess

In einem Mordprozess entscheidet das Gericht über eine Tötungshandlung, für die das Gesetz lebenslange Freiheitsstrafe androht.

Mordprozess picture alliance/dpa | Friso Gentsch

Ein Mordprozess ist das gerichtliche Verfahren, in dem es um die rechtliche Beurteilung einer Anklage wegen Mordes geht. Der Tatbestand des Mordes ist im deutschen Recht in § 211 des Strafgesetzbuches (StGB) geregelt. Zuständig für die Verhandlung eines Mordfalls ist in der ersten Instanz das Landgericht.

Was ist Mord?

Mord ist nach dem Strafgesetzbuch eine besonders verwerfliche Art der vorsätzlichen Tötung eines Menschen. Grundsätzlich ist im deutschen Recht die bewusste Tötung eines Menschen als Totschlag (§ 212 StGB) strafbar. Kommen bei einer Handlung neben der bewussten Tötung des Opfers noch andere Merkmale hinzu, wertet das Gesetz dies als Mord. Diese Merkmale sind zum Beispiel Habgier, Heimtücke oder andere „niedere Beweggründe“. Mordprozesse sind in der Regel spektakuläre Verfahren, die ein breites Echo in den Nachrichten und anderen Medien finden. Ein berühmter Mordprozess war zum Beispiel der Fall Vera Brühne, bei dem bis heute nicht feststeht, ob die Verurteilung der Schauspielerin im Jahr 1962 auf einem Justizirrtum beruhte.

Es geht um lebenslange Freiheitsstrafe

Weil dem Angeklagten in einem Mordprozess ein besonders schwerwiegender Tatvorwurf gemacht wird, ist schon in der ersten Instanz das Landgericht als Schwurgericht zuständig. Das Schwurgericht ist mit drei hauptberuflichen Richtern und zwei Schöffen besetzt. Wird der Angeklagte wegen Mordes verurteilt, spricht das Gericht die Verhängung einer lebenslangen Freiheitsstrafe aus. Nur in Ausnahmefällen kann die Strafe gemildert werden. Erst nach 15 Jahren Haftstrafe besteht die Möglichkeit, dass der zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe Verurteilte auf Bewährung entlassen wird. Früher wurde Mord oft mit dem Tod bestraft. In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Todesstrafe 1949 abgeschafft. In vielen Ländern der Welt steht auf Mord heute immer noch die Todesstrafe, zum Beispiel in vielen Bundesstaaten der USA.

Mord in Zahlen

Im Jahr 2017 wurden in Deutschland 538 Menschen wegen Mord oder Totschlag verurteilt. Dieser Zahl stehen etwa 5,5 Millionen insgesamt registrierte Straftaten gegenüber. Im Durchschnitt verbringen Menschen, die zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt wurden, etwa 19 Jahre in Haft.