Jahrzehntealter Cold Case dank DNA geknacktNach fast 32 Jahren! Mann (81) gesteht Mord an Amy Lopez
Ihr Vater wollte den Täter endlich vor Gericht sehen.
Fast genau 32 Jahre wartet die Familie von Amy Lopez auf Antworten. Die US-Amerikanerin wird 1994 während einer Europareise in Koblenz sexuell missbraucht und ermordet. Doch die Ermittler finden keinen Täter. Der Fall wird zum Cold Case. Bis zum Februar 2026. Jetzt sitzt ein 81-Jähriger vor Gericht – und räumt die Tat am Dienstag (18. August) vollumfänglich ein.
Amy wollte vor ihrem Medizinstudium Europa entdecken
Mit einem Rollator kommt Hans Joachim S. am Dienstag in den Koblenzer Gerichtssaal. Dann erklärt sein Verteidiger, dass der 81-Jährige die Tat vollumfänglich einräume. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters bestätigt der Angeklagte dies mit einem „Ja”.
Amy Lopez ist 24 Jahre alt und auf Europareise, als sie am 26. September 1994 die Festung Ehrenbreitstein besuchen will. Ihr Vater Robert erzählt uns zwei Jahre später, die Reise sei sein Geschenk zu ihrem bestandenen Schulabschluss gewesen. Danach wollte Amy Medizin studieren.
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Doch sie kehrt nicht nach Hause zurück. Einen Täter findet die Polizei damals nicht. 1996 sagt Amys Vater zu RTL über den unbekannten Killer: „Ich glaube, er ist eine kranke Person, ein Feigling. Dieser Mann muss vor Gericht gestellt werden.“
Mehr als drei Jahrzehnte später ist es soweit. Die Staatsanwaltschaft wirft dem damals 49-jährigen Hans Joachim S. heute vor, Amy unter einem Vorwand in einen abgelegenen Raum der Festung gelockt, gefesselt und sexuell missbraucht zu haben. Als sie sich wehrte, soll er sie gewürgt, mit einem Stein geschlagen und mit neun Messerstichen getötet haben. Spielende Kinder finden kurz darauf ihre Leiche.
Moderne DNA-Technik führt zum Angeklagten
Der Mord bleibt jahrzehntelang ungeklärt. Schließlich werden alte DNA-Spuren mit neuen technischen Möglichkeiten erneut untersucht. Spuren am Hosenbund und Oberschenkel von Amy können nach Angaben der Ermittler Hans Joachim S. zugeordnet werden. Spezialisten des hessischen Landeskriminalamts sind maßgeblich an dem Durchbruch beteiligt. Ende Februar 2026 wird der Mann in einem Seniorenheim im Raum Koblenz festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft in Wittlich.
Der Angeklagte war zuvor schon strafrechtlich in Erscheinung getreten. In seiner Akte finden sich unter anderem Sexualdelikte, Körperverletzung und Diebstahl. 1999 musste er wegen versuchter Vergewaltigung einer 16-Jährigen ins Gefängnis.
Auch eine frühere Nachbarin erinnert sich an ihn. Insbesondere jüngere Frauen habe er „mit Blicken ausgezogen“, sagt Tanja G. zu RTL. Für sie kann ein mögliches Urteil die vielen Jahre in Freiheit nicht wiedergutmachen: „Gerade im Fall Amy muss ich sagen: Er kann nie wieder die gerechte Strafe haben. 30 Jahre war er auf freiem Fuß.“
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Angeklagter soll nach Priester gefragt haben
Nach Angaben seines Verteidigers bereut Hans Joachim S. die Tat. „Er bereut die Tat“, sagt der Anwalt. Nach seiner Inhaftierung habe der 81-Jährige nach einem Priester gefragt, der ihn anschließend auch besucht habe.
Für den Prozess sind acht Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil wird am 9. September gerechnet. Auch nach 32 Jahren kann Hans Joachim S. noch zur Verantwortung gezogen werden: Mord verjährt in Deutschland nicht. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, dpa


