Elf Nächte TodesangstIm Outback verirrt – Carolina Wilga schildert zum ersten Mal ihren Überlebenskampf

Carolina Wilga hat ihren Überlebenskampf im australischen Outback nun in einem Buch verarbeitet
Carolina Wilga hat ihre Erinnerungen in einem Buch verarbeitet
Denise Leiting/Piper Verlag/dpa

Ihre Verzweiflung wandelt sie in beeindruckende Stärke um.
Nach einem Unfall in Australien kämpft Carolina Wilga mehr als eine Woche lang allein gegen Kälte, Durst und Todesangst. „Manchmal fühlt es sich total surreal an“, sagt die 27-Jährige heute im Interview mit 7News. In ihrem Buch „Dem Outback entkommen“ blickt sie auf eine Odyssee zurück, die sie beinahe das Leben kostet.

Nach dem Unfall beginnt der Carolina Wilgas Überlebenskampf

Im Juni 2025 ist Wilga mit ihrem Van auf dem Weg von Perth nach Beacon. Dann sieht sie ein entgegenkommendes Auto. „Ich hatte so ein seltsames Bauchgefühl und ein extremes Gefühl von Gefahr. Ich lenkte in einen Zaun. Es war ein irrationaler Moment aus Angst“, erzählt sie jetzt in einem Interview mit dem australischen TV-Sender 7News.

Nach dem Unfall fehlen der heute 27-Jährigen Teile der Erinnerung. Als sie wieder zu sich kommt, steht Carolina Wilga nur mit einem dünnen Kleid und einem Schal im Outback. Sie hat keine Schuhe, kein Essen und kein Wasser. Warum sie den Van verlässt, weiß sie bis heute nicht genau.

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Schon bald verliert sie jede Orientierung. Die Kälte setzt ihr besonders zu. „Es war furchtbar kalt, wirklich eiskalt, aber ich halluzinierte immer noch. Es war, als würden die Sterne vom Himmel fallen“, schildert sie bei 7News.

Carolina Wilga im Outback denkt an ihre Familie

Nach mehreren Tagen glaubt Carolina Wilga kaum noch an ihre Rettung. Besonders der Gedanke, dass ihre Familie vielleicht nie erfahren wird, was mit ihr geschehen ist, bringt sie zum Zusammenbruch. „Wahrscheinlich werden sie meine Leiche nie finden“, erinnert sie sich. „Das war der Moment, in dem ich völlig zusammenbrach, weil das für mich das Schlimmste ist.“

In ihrer Verzweiflung unternimmt sie laut 7News zwei Suizidversuche. Über einen dieser Momente sagt Wilga: „Ich wollte es einfach beschleunigen, weil für mich klar war, dass ich sterben würde. Aber die Art, wie ich sterben würde, war extrem schmerzhaft. Ich wollte dem einfach ein Ende setzen, um das nicht länger erleben zu müssen.“

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über eure Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Doch ihr Überlebensinstinkt und die Liebe zu ihrer Familie halten sie fest. „Ich habe meiner Mutter versprochen, dass ich laufen werde, bis ich sterbe, dass ich nicht aufgeben werde. Ich will leben.“

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Plötzlich steht Carolinas Retterin vor ihr

In der elften Nacht glaubt Wilga zeitweise, bereits gestorben zu sein. „Eine für mich realistische Theorie war, dass ich bereits gestorben war und das hier die Hölle ist“, erinnert sie sich bei 7News. Am folgenden Tag entdeckt eine Frau die vermisste Deutsche.

Wilga kann kaum glauben, dass ihre Rettung real ist. „Ich konnte es nicht glauben. Ich hatte immer noch Angst, als ich sie ansah und dachte: ‚Ist das real? Kann ich mich freuen?‘“ Nach zwölf Tagen endet damit die Suche, die weltweit für Schlagzeilen gesorgt hatte.

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Ein Buch hilft Carolina Wilga bei der Verarbeitung des Erlebten

Die Erinnerungen für ihr Buch „Dem Outback entkommen“ schreibt die 27-Jährige laut dpa auf den Philippinen auf. „Beim Schreiben musste ich ja die Leser mitnehmen und mich noch einmal zu 100 Prozent in die Situation hineindenken und – fühlen“, sagt sie in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Der Prozess sei hart gewesen, „gleichzeitig war es auch die beste Therapieform, die ich hätte haben können“.

Heute lebt Carolina Wilga nach Angaben der dpa wieder in Castrop-Rauxel und hat noch manchmal Albträume. Trotzdem möchte sie eines Tages nach Australien zurückkehren. Ihre Botschaft formuliert sie im Gespräch so: „Nicht aufgeben. Egal, wie aussichtslos eine Situation scheint. Das Leben hat mich quasi gezwungen, weiterzumachen.“

Verwendete Quellen: 7News, dpa