Im Meer von Strömung erfasst„Holt uns hier raus!“ Zwei Heldinnen retten 16 deutsche Kinder vor Ameland

Die Rettungsschwimmerstation auf Ameland
Die Rettungsschwimmerstation auf Ameland
picture alliance / imageBROKER / Michael Szönyi
von Philipp Petersdorff

Die Strömung zieht 16 deutsche Kinder vor Ameland immer weiter aufs offene Meer.
Während die Kinder in Panik geraten und durch die Wellen immer wieder unter Wasser gedrückt werden, behalten zwei Rettungsschwimmerinnen die Nerven und verhinderten eine Katastrophe. Zuerst berichtete die Rheinische Post.

„Für uns war klar: Wir mussten ins Wasser gehen.“

„Wir fühlen den Grund nicht mehr.“ Für 16 Kinder aus einem Ferienlager in Münster wird ein Badeausflug auf die niederländische Insel Ameland zum Albtraum. Die 9 bis 14-Jährigen geraten am Strand von Buren in eine starke Strömung, die sie immer weiter hinaus aufs Meer zieht. Einige schreien, Panik bricht aus.

Am Strand erkennen zwei junge Frauen sofort, wie gefährlich die Situation ist. Die 19-jährige Inger van Oord und ihre 24 Jahre alte Kollegin Femke Wiersma arbeiten als ausgebildete Rettungsschwimmerinnen für die niederländische Seenotrettungsorganisation KNRM. „Das sah nicht gut aus“, erinnert sich Inger im Gespräch mit der „Rheinischen Post“. Für sie und Femke steht fest, dass sie keine Zeit verlieren dürfen. „Binnen weniger Sekunden kann sich alles ändern. Für uns war klar: Wir mussten ins Wasser gehen.“

Inger und Femke kämpfen sich zu den Kindern vor

Inger schnappt sich einen Rettungsring und schwimmt hinaus. Femke nimmt ein Surfbrett und macht sich ebenfalls auf den Weg zu den Kindern. Erst als die beiden bei der Gruppe ankommen, zeigt sich das ganze Ausmaß der Gefahr. „Einige schrien: ,Wir fühlen den Grund nicht mehr‘. Es brach Panik aus“, schildert Inger die dramatischen Minuten der Rheinischen Post. Doch während die Kinder verzweifelt um Hilfe rufen, bewahren die beiden Retterinnen die Ruhe. Ihr Training zahlt sich jetzt aus. „Solche Situationen haben wir immer wieder geübt. Wir wissen, was wir zu tun haben“, sagt die 19-Jährige.

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19-Jährige holt sieben Kinder schwimmend aus der Nordsee

Inger ist Leistungsschwimmerin. Jetzt setzt sie all ihre Kraft und Erfahrung ein und bringt sieben Kinder schwimmend zurück an Land. Femke rettet die übrigen Jungen und Mädchen mithilfe ihres Surfbretts. Insgesamt dauert der Einsatz gut eine Stunde. Am Strand kümmern sich Betreuer und Sanitäter um die Kinder und versorgen sie mit Decken. Alle 16 schaffen es sicher aus dem Wasser.

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„Todesangst in den Augen der Gruppe gesehen“

Wie knapp und emotional dieser Einsatz war, wird Inger erst beim Wiedersehen richtig bewusst. Einen Tag nach der Rettung besuchen die beiden jungen Frauen das Ferienlager auf dem Bauernhof Noorderlicht in Buren. Dort werden sie von den Kindern und ihren Betreuern als Heldinnen gefeiert.

Für Inger ist dieser Moment unvergesslich. „In der Nordsee haben wir die Todesangst in den Augen der Gruppe gesehen. Einen Tag später haben wir sie entspannt und lachend wiedergesehen.“ Die Dankbarkeit der Kinder habe sie und Femke tief bewegt.
Auch die KNRM Ameland ist mächtig stolz auf ihre Rettungskräfte. Den ganzen Sommer über sorgen die Lifeguards an den Stränden der Insel für Sicherheit. Meist gehe es darum, Badegäste zu warnen, ihnen Tipps zu geben oder frühzeitig einzugreifen. Doch bei diesem Einsatz wurde aus jahrelangem Training innerhalb weniger Augenblicke bitterer Ernst.

Verwendete Quellen: RP, Instagram / knrm_ameland