Angehörige von NSU-Opfer entsetztTrotz lebenslanger Haftstrafe! Könnte Beate Zschäpe schon diesen Herbst frei kommen?

Für betroffene Familien endet die Strafe nie.
Seit fast 15 Jahren sitzt Beate Zschäpe wegen der NSU-Morde hinter Gittern. Doch jetzt will die Terroristin vorzeitig raus und beantragt ihre Haftentlassung. Während hinter verschlossenen Türen bereits über ihre mögliche Zukunft in Freiheit gesprochen wird, sind die Angehörige eines NSU-Opfers fassungslos.
Beate Zschäpe will nach 15 Jahren vorzeitig aus der Haft
Erst nach einem mehr als fünfjährigen Prozess wird Beate Zschäpe für ihre NSU-Verbrechen verurteilt: Am 11. Juli 2018 spricht das Oberlandesgericht München die heute 51-Jährige wegen Mittäterschaft an zehn Morden des rechtsextremen „Nationalsozialistischen Untergrunds“ schuldig. Das Urteil: lebenslange Haft. Zudem stellt das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest.
Zu diesem Zeitpunkt sitzt Zschäpe bereits seit fast sieben Jahren hinter Gittern. Seit November 2011 befand sie sich in Untersuchungshaft – und diese Zeit wird auf ihre Strafe angerechnet.
Doch jetzt, fast 15 Jahre nach ihrer Festnahme, will Zschäpe vorzeitig raus! Wie die tz berichtet, hat die NSU-Terroristin fristgerecht einen Antrag auf Haftentlassung gestellt. Rein rechnerisch erreicht sie damit schon in diesem Herbst die 15-Jahres-Marke – bei der eine Aussetzung des Strafrestes auf Bewährung grundsätzlich möglich ist. Aber gilt das auch für Zschäpe?

Beate Zschäpe wird für Anhörung nach München gebracht
Zschäpes Antrag beschäftigt die Justiz bereits: Am Donnerstag, dem 27. August 2026, wurde die 51-Jährige eigens aus der JVA Chemnitz nach München zum Oberlandesgericht gebracht, wie die tz berichtet. Dort fand die entscheidende Anhörung statt – allerdings hinter verschlossenen Türen!
Zuschauer und Journalisten waren nicht zugelassen. Selbst, wo genau sich Zschäpe im Gericht aufhielt, blieb der Öffentlichkeit verborgen. Im Mittelpunkt stand laut tz die Festsetzung ihrer Mindestverbüßungsdauer – also die Frage, wie lange sie mindestens hinter Gittern bleiben muss und damit auch, wann eine vorzeitige Entlassung überhaupt möglich wäre.
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Die Anhörung diene laut der Sprecherin des Oberlandesgerichts, Bettina Kaestner, allerdings nur zur Vorbereitung dieser Entscheidung, wie tz berichtet.
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Angehörige der Opfer erfahren offenbar erst durch einen Journalisten von Zschäpes Anhörung
Während hinter verschlossenen Türen über Beate Zschäpes mögliche Zukunft in Freiheit gesprochen wird, wissen ausgerechnet Angehörige eines ihrer Opfer offenbar von nichts. Lina und Mandy Boulgarides, deren Vater Theodoros Boulgarides vom NSU ermordet wurde, geben an, vorab nicht über die Anhörung informiert worden zu sein.
Lina erfährt nach eigenen Angaben erst durch den Anruf eines ihr bekannten Journalisten davon – und reagiert fassungslos. Dass das Rechtssystem es nicht vorsehe, Betroffene und Angehörige zu informieren, mache sie „sprachlos und fassungslos“.
Besonders die Aussicht, dass Zschäpe irgendwann wieder in Freiheit leben könnte, trifft sie hart. „Wir haben auch lebenslang erhalten”, stellt sie klar. Ihre Familie könne nach 15 oder 20 Jahren schließlich nicht einfach in ihr altes Leben zurückkehren. „Der Verlust unseres Vaters, die Tat und ihre Folgen begleiten uns ein Leben lang“, schreibt Lina auf Instagram.
Auch ihre Schwester Mandy macht ihrem Ärger Luft: „WIEDER EINMAL waren wir egal.“ Dass die Angehörigen erst zufällig durch einen Reporter von der Anhörung erfahren hätten, bezeichnet sie als „fatales Signal“. Ihre Forderung ist deutlich: „Wir sind keine verdammten Kollateralschäden staatlicher Abläufe. Wir sind die Familien der Menschen, die ermordet wurden.“ Und eben aus diesem Grund hätten sie das Recht, eingebunden zu werden.
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Ab Herbst auf freiem Fuß? Was jetzt über Beate Zschäpes Haftentlassung entscheidet
Doch kann Beate Zschäpe tatsächlich schon im Herbst das Gefängnis verlassen? Davon ist aktuell nicht auszugehen. Obwohl die 51-Jährige im Herbst rechnerisch 15 Jahre ihrer Strafe verbüßt hat, wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Das soll eine Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließen, wie die AFP berichtet.
Ob und wann Zschäpes Reststrafe irgendwann zur Bewährung ausgesetzt werden kann, hängt laut tz wiederum von mehreren Faktoren ab. Die JVA Chemnitz muss unter anderem eine Stellungnahme dazu abgeben, wie sich die Terroristin während ihrer Haft verhalten hat. Hinzu kommt ein ausführliches Kriminalgutachten mit einer Sozialprognose. Dabei geht es auch um die Frage, ob Zschäpe künftig ein Leben ohne weitere Straftaten führen kann. Zschäpe leistet jedoch bereits ihren Beitrag: So nahm sie laut tz bereits an einem Aussteigerprogramm für Rechtsextreme teil.
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Um eine längere Inhaftierung kämpfen jedoch nicht nur Angehörige der Opfer, sondern auch die Bundesanwaltschaft. Laut tz will diese eine vorzeitige Entlassung unbedingt verhindern. Wann Zschäpe tatsächlich wieder in Freiheit kommen könnte, bleibt deshalb vorerst offen.
Klarheit soll es in einigen Wochen geben: Dann wird die Entscheidung des Oberlandesgerichts über ihre Mindestverbüßungsdauer erwartet.
Verwendete Quellen: AFP, tz, Instagram/lina_boulgarides, Instagram/mandy_boulgarides






























