„Wenn eine Narkose nicht nötig ist, macht man das eigentlich nicht..."

Zucht-Zoff bei Rassehundeausstellung in Erfurt: Deshalb sagten 2.400 Teilnehmer ab

Zoff auf der Hundeausstellung Rassehunde auf Messe in Erfurt
01:32 min
Rassehunde auf Messe in Erfurt
Zoff auf der Hundeausstellung

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Zucht-Zoff bei Rassehundemesse! Nach coronabedingter zweijähriger Unterbrechung kehrten nun auch tierische Schönheiten auf die Erfurter Messe zurück. Am Wochenende lockte dort nämlich die Rassehunde-Ausstellung, 4.000 Tiere waren laut Veranstalter angemeldet. Doch eine neue Tierschutz-Verordnung sorgte für den Ausschluss vieler Hunde. Erstmals wurden stichprobenartig die Hunde und Katzen von Tierärzten kontrolliert, ob die Tiere auch wirklich keine Qualzuchtmerkmale aufweisen.

Rassehunde und -katzen kehren auf die Messe Erfurt zurück

Dr. Ulrich Kreis aus Erfurt ist der Amtstierarzt
Der Erfurter Amtstierarzt Dr. Ulrich Kreis
RTL

Erstmals gilt für die Ausstellung in Thüringen die neue bundesweite Tierschutz-Hundeverordnung, die seit Jahresbeginn in Kraft ist. Sie soll unterbinden, dass Tiere aus Qualzuchten gezeigt werden – etwa Hunde mit gekürztem oder fehlendem Schwanz oder Gelenkschäden, die für die Tiere dauerhafte Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen bedeuten. „Die bekanntesten Merkmale sind die kurzschnäuzigen Rassen, die mehr oder weniger intensive Atemnot aufweisen. Dann gibt es Rassen, die im Bereich der Augenlider Probleme haben, also entweder rollt sich das Augenlid nach außen oder nach innen“, erklärt der zuständige Amtstierarzt in Erfurt, Ulrich Kreis im RTL-Interview. „Dann gibt es Hunde die Haare haben an den Augenlidern, die die Hornhaut entsprechend reizen. Dann haben wir Nackthunde, also Hunde, die über kein Fell verfügen und dementsprechend auch in der Thermoregulation gestört sind“, so Ulrich Kreis.

Das Erfurter Veterinäramt hat nach Angaben der Stadtverwaltung angeordnet, dass ausgestellte Tiere umfangreich tierärztlich auf mögliche Qualzuchtmerkmale untersucht werden müssen.

Lesetipp: DAS versteht man unter Qualzucht

Facharzt-Gutachten kostet bis zu 500 Euro

Shih Tzu-Züchterin Claudia Borig-Stummer aus Kierspe im Sauerland
Shih Tzu-Züchterin Claudia Borig-Stummer aus Kierspe im Sauerland
RTL

Um an der Messe teilnehmen zu können, ist in diesem Jahr ein Facharzt-Gutachten notwendig, das bis zu 500 Euro kostet. Ein Schock für Züchter, die teilweise mit mehreren Hunden weit anreisen.

Die meisten Züchter finden es prinzipiell gut, dass darauf geachtet wird. Es gebe aber viele freie Verbände, die gar keine Regeln haben. „Ich denke, man muss die Kirche im Dorf lassen. Kontrollen sind ganz wichtig, vor allem Gesundheitskontrollen sind ganz wichtig, aber bitte nicht nur bei einer Mindergruppe, sondern im Großen und Ganzen“, fordert Claudia Borig-Stummer, Frauchen eines Shih Tzu und Züchterin aus Kierspe im Sauerland.

Dieses Jahr durften letztlich nur Hunde gezeigt werden, die eine offizielle Bescheinigung eines Tierarztes vorzeigen konnten, die Merkmale einer Qualzucht ausschließt.

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Verband für das Deutsche Hundewesen: Allgemeinverfügung der Stadt zu kurzfristig

Marianne Müller, erste Vorsitzende des Verbands für das Deutsche Hundewesen
Die Landesvorsitzende des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH), Marianne Müller
RTL

Die Landesvorsitzende des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH), Marianne Müller, kritisierte, dass „die kurzfristige Allgemeinverfügung der Stadt Erfurt in Bezug auf die Tierschutz-Hundeverordnung erheblich die Organisation und Durchführung“ erschwert habe. So kurzfristig sei es schwierig gewesen, noch einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen.

„Im Prinzip ist das Gutachten okay. Wir wollen selbst gesunde Hunde, dass man Qualzuchtmerkmale mindert und ausrottet. Von der Seite ist es also okay“, so Müller zu RTL. Die Untersuchungen seien jedoch äußerst aufwendig. Hunde müssten teilweise in Narkose gelegt werden, um die Untersuchung machen zu können. „Wenn eine Narkose nicht nötig ist, macht man das eigentlich nicht, weil es auch immer ein Schaden für das Tier ist.“

Der Aufwand für die speziellen Untersuchungsmethoden für die einzelnen Rassen, sei immens groß, sowohl finanziell als auch medizinisch. 2.400 Meldungen von ursprünglich angekündigten 4.000 Rassehunden seien für die Messe deshalb zurückgezogen worden. (kra)