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„Zoombombing“ an Berliner Unis: Täter stören Online-Vorlesungen mit Pornos und rechtsradikalen Inhalten

Häufig ist unklar, woher die Attacke kommt

„Zoombombing“ an Berliner Unis: Täter stören Online-Vorlesungen mit Pornos und rechtsradikalen Inhalten

Online-Video-Vorlesungen
Ein Professor hält vor leerem Hörsaal eine Online-Video-Vorlesung. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/ZB
deutsche presse agentur

Für die Studentinnen und Studenten in Deutschland ist es seit gut zwei Jahren zur Normalität geworden, die Vorlesungen nur noch digital verfolgen zu können. Wie man sich denken kann, liegt das an der andauernden Corona-Pandemie und den getroffenen Maßnahmen der Hochschulen.

Trotz dieser Vorkehrungen wurde allerdings manche Online-Lehre oder digitale Sitzung von außerhalb gestört. Genauer gesagt von pornographischen oder rechtsradikalen Inhalten, die plötzlich auf dem Bildschirm für alle Teilnehmenden zu sehen waren.

Doch wie konnte das passieren?

Internationale IP-Adressen beteiligt

Es handelte sich dabei um sogenanntes „Zoombombing“, ausgeführt von anonymen Quellen. Dass dabei auch vier Hochschulen aus Berlin betroffen waren, ging aus einer Anfrage der Linken-Abgeordneten Niklas Schrader und Tobias Schulze an die Wissenschaftsverwaltung hervor.

Demnach soll es „vereinzelt“ an der Humboldt-Universität (HU), der Freien Universität (FU), der Technischen Universität (TU) und der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) zu solchen Vorfällen gekommen sein.

Gegenüber RTL gab die Pressestelle der HU an, dass „es sich um Störungen von HU-Zoom-Veranstaltungen im einstelligen Bereich“ handelte, bei dem vor allem öffentliche Veranstaltungen betroffen waren. Dazu gehörte etwa eine öffentliche Sitzung des Akademischen Senates, bei der pornographische Inhalte zu sehen waren.

Diese Sitzung wurde laut Angaben der Universität daraufhin umgehend beendet und „unter verschärften Zugangskontrollen als ohnehin schon vorgesehen“ neu gestartet. Ein Prozedere, das bei solchen Vorfällen immer greift.

Über die Täterin oder den Täter ist dagegen nichts bekannt. Die Störungen seien von internationalen IP-Adressen ohne Bezug zur Hochschule erfolgt, wodurch eine Ermittlung der Person nicht möglich war.

Online-Vorlesung
Ein Student sitzt an einem Tisch und nimmt an einer Online-Vorlesung seiner Hochschule teil. Foto: Kira Hofmann/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
deutsche presse agentur

Strafanzeige wurde gestellt

Die Freie Universität berichtete gegenüber RTL, dass dort seit April 2020 drei Störungen gemeldet wurden. Jeweils eine im Frühjahr und Herbst 2020, die letzte im Frühjahr 2021. Es handelte sich dabei um zwei beleidigende Störungen und eine „mit anstößigem Hintergrund“.

Die FU sei den Fällen nachgegangen und in einem konnte sogar die verursachende Stelle identifiziert werden, einem weiteren sei Strafanzeige gestellt worden. Weiter heißt es:

„Störungen werden von der Freien Universität verfolgt, jeder Fall wird bewertet und ggf. zur Strafanzeige gebracht. Sofern es sich bei Störenden um Universitätsangehörige handelt, werden fallweise alternativ zur Strafanzeige auch disziplinarische Maßnahmen durch die Universität erhoben.“

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Weltweit Hochschulen und Einrichtungen betroffen

An der TU, FU und HWR kam es zusammengefasst zu 13 Zwischenfällen. Darunter öffentliche Veranstaltungen sowie eine Sprechstunde der Studienberatung der TU, die durch „Exhibitionismus“ verzögert wurde. Ansonsten waren Seminare und Tutorien betroffen. Außerdem loggten sich unbekannte Teilnehmer mehrfach in einen Online-Jurakurs an der FU ein, um dann einzelne Studierende zu beschimpfen.

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Diese Vorfälle sind kein Phänomen, das lediglich in Berlin auftritt. Weltweit haben Hochschulen und viele weitere Einrichtungen solche Störungen erlebt.

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Wirksame Gegenmaßnahmen nicht möglich

Auch wenn die Videkonferenzsysteme wie Zoom, Webex oder Microsoft Teams als nicht sicher, mit einer roten Ampel, bewertet werden, sei eine Alternativlösung für solch einen großen Umfang nicht zu stemmen, wie es vonseiten der Hochschulen heißt. Die FU gibt beispielsweise an, dass seit Einführung „mehrere Millionen Teilnehmende verzeichnet werden“.

Für TU-Vizepräsident Hans-Ulrich Heiß sei die wirksamste Gegenmaßnahme, wenn sich alle beim Zugang zu einer Zoom-Veranstaltung individuell authentifizieren müssten, gleichzeitig sagt er im Tagesspiegel aber auch: „Das bleibt uns aufgrund von Forderungen des Datenschutzes aber verwehrt.“

Stattdessen würden Warteräume für Meetings eingerichtet und Mitarbeitende gewarnt, dass eine Ankündigung von Veranstaltungen auf sozialen Medien das Risiko von Störungen erhöhe. Es seien weitere Schulungen in Arbeit. (nul)