Mit Anfang 20 erhält sie die Diagnose

„Mir tat alles weh": Rheuma zerstörte Sandra Kerbers Leben als Floristin

Sandra Kerber war erst Anfang 20 Diagnose Rheuma
03:18 min
Diagnose Rheuma
Sandra Kerber war erst Anfang 20

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von Jenny Richter und Nicole Ide

„Rheuma haben doch nur alte Leute" - das ist Sandra Kerbers erster Gedanke, als sie mit Anfang 20 eben diese Diagnose bekommt. Aber da ahnt die junge Frau noch nicht, wie die chronische Krankheit ihr Leben verändern würde.

Erst schmerzt das Knie

Jahrelang weiß Sandra Kerber aus Wölpinghausen am Steinhuder Meer nicht mit welcher Krankheit sie es zu tun hat. Ihr Knie schmerzt, wird immer wieder dick, muss sogar punktiert werden. Sie kann oft nicht arbeiten. Dann kommt die Diagnose Rheuma im Knie. Sandra ist erschüttert, kann nicht verstehen, dass sie als junge Frau betroffen ist und verdrängt erstmal die Krankheit.

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Heftiger Rheumaschub legt sie komplett lahm

Dann bekommt sie einen heftigen Rheumaschub. „Mir tat alles weh und ich konnte den linken Arm nicht hochheben. Hatte Schmerzen beim Sitzen, beim Stehen, beim Liegen“, erzählt Sandra Kerber im Interview mit unserer RTL-Reporterin. Der Orthopäde kann ihr auch nach sechs Wochen nicht helfen, sagt ihr, sie solle einfach eine Schmerztablette einnehmen und wieder zur Arbeit gehen. Sie wechselt mehrmals den Arzt, bis Sandra endlich nach zwei MRT-Terminen (Magnetresonanztomographie) die Diagnose erhält: Rheumatoide Arthritis, ein Lipödem und Fibromalygie - eine chronische Schmerzerkrankung in den Gelenken und verschiedenen Körperregionen.

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Die richtigen Medikamente helfen ihr

Sandra Kerber hat Rheuma und müsste ihren Job wechseln.
Sandra Kerber hat Rheuma und musste ihren Job wechseln.
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Von ihrem Rheumatologen bekommt sie dann endlich die richtigen Medikamente. „Die mir jetzt ein schmerzfreies Leben bescheren, so gut es geht“, sagt die heute 31-Jährige erleichtert. Trotzdem kann sie ihren Beruf als Floristen nicht mehr ausüben. Eine private Vorsorge wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung hatte sie nicht abgeschlossen. Sie lebte eineinhalb Jahre von Krankengeld (70 Prozent des Bruttogehalts einer Floristin). „Ich kann von Glück reden, dass ich die Wohnung in meinem Elternhaus habe, somit weniger Miete zahlen muss und sie mir da auch sehr entgegengekommen sind“, erzählt sie im Interview. Sie habe teilweise bei ihren Eltern mitgegessen, da sie sich nicht selbst verpflegen konnte.

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Hilfe durch die Rheuma Liga

Unterstützung bekommt die 31-Jährige bei der Selbsthilfegruppe Rheuma Liga. Dort engagiert sie sich mittlerweile selbst und hilft anderen jungen Rheuma-Patienten. Im vergangenen Jahr hat die Wölpinghausenerin außerdem eine Umschulung zur Arbeitspädagogin gemacht und hat Anfang des Jahres ihren neuen Job in Hannover angefangen. Und ihr nächstes Ziel hat sie auch schon vor Augen: „Mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, das ist mein nächstgrößter Wunsch.“

Unabhängig sein trotz Krankheit, dieser Herausforderung will Sandra sich auch in Zukunft stellen.

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