Viele Eltern wehren sich gegen die Maske in der Schule

Widerstand gegen die Masken: Klagen, Petitionen, aber auch fragwürdige Atteste

Zerrissener Mundschutz, Warnschild und Schriftzug Masken-Verweigerer *** Torn face mask, warning sign and lettering Mas
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14. August 2020 - 16:42 Uhr

von Sebastian Huld

Dass Kinder und Jugendliche in den meisten Schulen einen Mund-Nase-Schutz tragen müssen, treibt viele Eltern auf die Barrikaden. Insbesondere für die in einigen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen Maskenpflicht für ältere Schüler auch während des Unterrichts bringen viele kein Verständnis auf. Das Ergebnis: Widerstand in Form von Klagen, Petitionen und Attesten hilfsbereite Ärzte, die selbst an Sinn und Nutzen der Maske zweifeln.

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Der Widerstand ist breit gefächert. Die Masken-Kritiker sind meist normale Menschen, die Zweifel an der praktischen Umsetzung, Sorge um negative Gesundheitsfolgen für ihre Kinder und gemäßigte Forderungen formulieren.

Weil der Protest und Austausch untereinander über soziale Netzwerke wie Facebook-Gruppen und Messenger wie Telegram-Chats geschieht, wird die Debatte auch von Anhängern kruder Ansichten mitgeprägt. Darunter befinden sich Esoteriker, die Impfungen ablehnen, genauso wie Fürsprecher einer großen Corona-Verschwörung zur Durchsetzung einer neuen Weltordnung.

Vor allem aber der breite Widerstand in der ganzen Republik muss den Verantwortlichen Sorge bereiten. In den sozialen Netzwerken bejubeln viele den Leiter der Jahn-Grundschule in Rathenow, der sich per öffentlicher Erklärung geweigert hat, die bald in Brandenburg geltende Maskenpflicht außerhalb des Unterrichts umzusetzen.

Die Petition einer Mutter aus NRW sammelte binnen elf Tagen mehr als 30.000 Unterschriften allein aus dem betroffenen Bundesland. Die Initiatorin Miriam Schmitz zweifelt in ihrem sachlichen Schreiben vor allem an der Verhältnismäßigkeit des tiefen Eingriffs in die Lebenswelt der Kinder. "Traumata ein Leben lang könnten die Folge sein", schreibt Schmitz. Für jeden Schultag mehrere Masken bereitzuhalten und am Abend wieder zu waschen sei "bei mehreren Kindern in dem Alter nicht leistbar". (Mehr dazu im Video)

Manche Ärzte stellen offenbar bereitwillig Atteste aus

In den sozialen Medien ist der Ton erheblich rauer. Die Mütter und Väter organisieren sich in Gruppen wie "Eltern stehen auf" und gründen regionale Untergruppen. Darin finden sich etwaige Geschichten von Eltern, die sich gegenüber Lehrer oder Schulleitern nicht mit ihrer Masken-ablehnenden Haltung durchsetzen konnten. Darunter finden sich kaum Eltern von vorerkrankten Kindern, aber viele Eltern mit Angst vor krankmachenden Nebenwirkungen der Mund-Nasen-Bedeckung. Die Geschichten über rüde und wüst drohende Direktoren lassen sich kaum überprüfen. Die Gruppenmitglieder scheinen diesen Darstellungen aber leichter Glauben zu schenken, als allem was etablierte Medien berichten.

So wundert es auch wenig, das Wege zur Umgehung der Maskenpflicht diskutiert werden, insbesondere das Attest. Medienberichte hatten wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass einige Ärzte bereitwillig Scheine ausstellen, wonach die betreffenden Kinder keine Maske tragen sollen. Viele dieser Mediziner finden sich etwa über das Unterstützerregister des Vereins Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie, in dessen Vorstand der Arzt und Anti-Corona-Aktivist Sucharit Bhakdi sitzt.

Eine Stichprobe im Register führt etwa binnen weniger Minuten zu einem Kölner HNO-Spezialisten. Eine Patientin des Mannes berichtet auf der Plattform Jameda, wie der Mann sämtliche Hygienevorgaben und -empfehlungen mutwillig ignoriert. Dass Dr. S. auf Bitten auch medizinisch unbegründete Atteste ausstellt, ist naheliegend.

Schon Anfang Juli hatte die Sendung "Report Mainz" per Stichproben aufgezeigt wie leicht solche Atteste zu bekommen sind, obwohl die verdeckten Redakteure keinen Hehl aus ihrer ausschließlich persönlichen Abneigung gegen die Maske gemacht hatten.

Ärzten droht Verlust der Approbation

Die Berichterstattung scheint aber auch manchen Arzt verschreckt zu haben. Im Telegram-Chat "ElternStehenAuf NRW" fragt eine Nutzerin nach Ärzten die noch großzügig Atteste ausstellen, weil viele der im Internet kursierenden Ärzte inzwischen zurückhaltend geworden seien. Schließlich droht ihnen im schlimmsten Fall sogar der Entzug ihrer Approbation. Hinzu kommt, dass nicht alle Schulen die Atteste zu akzeptieren scheinen und den Kindern ohne Maske ein striktes Abstandsgebot auferlegen, sodass sie nicht immer am Unterricht teilnehmen können.

Wie groß das Ausmaß der Atteste und unbegründeten Atteste ist, lässt sich schwer einschätzen. Zwar haben haben vielen verschiedenen Protestgruppen im Netz Nutzer in vierstelliger oder niedriger fünfstelliger Höhe. Andererseits hat allein Nordrhein-Westfalen fast 2,5 Millionen Schüler.

Eine Abfrage der Bildungsministerien verschiedener Länder blieb am Freitag zumeist unbeantwortet. In Schleswig-Holstein zumindest ist das Problem unbegründeter Atteste laut Ministeriumssprecher David Ermes bislang nicht bekannt.

Bleibt den Eltern noch der Rechtsweg: Bereits am Donnerstag berichtete die "Rheinische Post" über zwei Klagen, die dem Oberverwaltungsgericht Münster vorliegen, sowie eine Klage in Köln. Das könnte aber erst der Anfang einer Welle sein, vor der die Justizbehörden stehen. In den sozialen Medien tauschen die Eltern untereinander reichlich Vordrucke für Anzeigen aus.

Dass viele davon aus Laienhand stammen und vermutlich rechtlich kaum begründet sind, sei dahingestellt. So verlangen etwa einige Aktive von den Schulleitungen einer Haftungserklärung für den Fall, dass die Kinder Nachteile durch die Masken erleiden. Dass diese sich darauf ein- oder sonstwie beeindrucken lassen, ist eher unwahrscheinlich.

Aber auch der Verein "Klagepaten", der ursprünglich zur Durchsetzung des Kitaplatz-Anspruchs angetreten war, ist mit von der Partie. Auf seiner Seite finden sich von Rechtsanwälten formulierte Musterschreiben, die Eltern an ihren Schulen anbringen sollen. Sollte Kindern ohne Maske der Präsenzunterricht verweigert werden, bietet der Verein Rechtsberatung an.

Tatsächlich stehen Schulen vor dem Problem, dass sich die Maskenpflicht kaum mit Gewalt und Sanktionen durchsetzen lässt. Sollte an einer Schule eine nennenswerte Zahl an Eltern und Schülern die Maske verweigern, wäre die Schulleitung relativ machtlos. Zwar haben vereinzelt Bildungsminister der Länder in letzter Konsequenz auch Schulverweise als Strafe nicht ausgeschlossen. Diese aber in großer Zahl zu verhängen, dürfte wegen des Gebots der Verhältnismäßigkeit kaum eine Option sein.

So werden die Verantwortlichen in Schulen und Politik die erkennbar große Zahl an Maskengegnern eher durch Argumente überzeugen müssen. In Berlin wird der Schulbetrieb eng durch Experten der Charité begleitet, samt regelmäßiger Coronatests an ausgewählten Schulen. Das soll Schwachstellen im Hygieneplan aufzeigen - und im Idealfall auch schon bald Auskunft über Sinn und Unsinn der Masken an den Schulen geben.

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