So erleben Eltern den Schulstart im Corona-Sommer

Schulstart mit Maske: "Er kam völlig fertig nach Hause"

13. August 2020 - 10:31 Uhr

Mutter klagt gegen NRW-Schulministerium

Für die Kinder und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen (NRW) heißt es wieder Schulbank drücken. Sommerferien adé. Vor allem bei Hitzetemperaturen fällt das im Corona-Sommer besonders schwer. Schüler ab der fünften Klasse müssen in NRW nämlich einen Mund-Nase-Schutz nicht nur auf dem Schulgelände tragen, sondern auch im Klassenraum während des Unterrichts. Grundschüler hingegen können die Maske am Platz absetzen.

Obwohl zwei Drittel der Menschen in Deutschland es für richtig halten, dass die Schule wieder im Normalbetrieb läuft, – wie eine Forsa-Umfrage für RTL zeigt – haben viele Eltern für die neue Maßnahme kein Verständnis. Wir haben uns umgehört.

"Für uns bedeuten die Masken in der Schule Schutz.“

"Mein Sohn besucht die 6. Klasse. Gott sei Dank gab es hitzefrei. Er kam völlig fertig nach Hause, da die Maske auch während des Unterrichts getragen werden muss", berichtet Karolina Kyczka auf der RTL-Aktuell-Facebook-Seite. Mutter Yvonne Hinz hingegen erzählt über den ersten Schultag, dass ihre 12-jährige Tochter von der Schule gut informiert wurde. "Sie dürfen im Unterricht trinken und zum Frühstück die Maske abnehmen. Zwischendurch waren sie auf dem Schulhof, wo mit Abstand auch eine Maskenpause gemacht wurde. Also hier wird schon darauf geachtet, dass da keiner kollabiert", erklärt sie. 

Für den Fünftklässler Lukas aus Duisburg ist die Maske im Schulunterricht aber eine Belastung, er bekommt schlechter Luft. Mama Manuela findet die Auflage der NRW-Landesregierung inakzeptabel. Wie sie jetzt gegen das Schulministerium vorgeht, erfahren Sie im Video.

Einen völlig anderen Blick auf die Maske im Unterricht hat Elke Bergschneider. Sie kommentiert auf der Punkt-12-Facebook-Seite: "Ich habe zwei Kinder. Einer ist sehr vorbelastet (Herzfehler und eine vernarbte Lunge) und ohne diese Masken im Unterricht würde ich ihn gar nicht zur Schule lassen. Für uns bedeuten die Masken in der Schule Schutz."

Viele Eltern berichten über Kopfschmerzen

Nicht nur das Atmen fällt einigen Kindern schwer. Eltern befürchten auch, dass die Freude an der Schule so verloren gehen könnte: "Bei meinem Sohn, 8. Klasse, mussten mehrere Kinder wegen Schwindel abgeholt werden. Konzentrieren kaum möglich, wenn man nur eine verbrauchte Luft einatmen kann. Essen nur in der 5-Minuten-Pause am Fenster. So macht Schule keinen Spaß", berichtet uns Verena Dißelhoff auf der RTL-de-Facebook-Seite. Mit gesundheitlichen Problemen ist die Klasse ihres Sohnes offenbar nicht allein. Auch andere Eltern berichten uns über Kopfschmerzen bei ihrem Nachwuchs.

Das mit dem Lüften der Klassenzimmer scheint in der Tat ein Problem, beobachtet auch Juliane Eßling: Ihr Teenager (15) berichtet über den ersten Schultag: "Wir durften sogar raus. Frische Luft schnappen. Nur an das Fenster lüften hat sich keiner gehalten". Aber an dieser Schule hielt sich die Unterrichtsdauer am ersten Tag noch in Grenzen: Hitzefrei nach wenigen Stunden..

Bei einigen Familien verlief der erste Schultag problemlos. "Unsere Grundschule tut was sie kann. Gestaffelte Anfangs- und Endzeiten, getrennte Pausen und Pausenhöfe, Unterricht mit möglichst wenig Lehrerwechseln", berichtet uns Nadine Wallbaum auf der RTL Aktuell-Facebook-Seite. Gina Hagedorn ist Mutter und hat zu Hause den direkten Vergleich. Ihre Töchter gehen in die Grundschule und dürfen die Maske am Platz abnehmen. Sie hatten einen guten ersten Schultag. Bei ihrem Sohn in der siebten Klasse lief es allerdings ganz anders: "Er war fix und fertig, dauerhaft die Maske tragen zu müssen bei dem Wetter", erklärt sie in ihrem Post.

"Unsere Kinder bekamen nicht die Informationen, die sich gebraucht hätten"

Im Video: Welche Maske ist am besten für die Schule geeignet?

Nicht nur die Maskenvorschrift wird in Schulen also unterschiedlich gehandhabt, auch die Informationsweitergabe an Schüler und Eltern scheint sehr verschieden. Ein Kölner Vater kann das für die Grundschule und das Gymnasium seiner Kinder bestätigen: "Von der Grundschule haben wir vor dem Unterrichtsstart keine Informationen bekommen. Mehr als die Nachrichten aus den Medien gab es nicht. Das Gymnasium unserer Kinder hatte im Vorfeld nur Eltern gesucht, die vor dem Schultor kontrollieren, ob die Schüler Masken tragen. Wer sich informieren wollte, wie der Unterricht abläuft, musste schon selbst aktiv werden. Insgesamt hatten wir das Gefühl, dass unsere Kinder in dieser unsicheren Situation nicht die Informationen bekamen, die sie gebaucht hätten, um sicher vorbereitet in die Schule zu gehen."

Ein anderer sagt: "Es wäre hilfreich gewesen, mit den Infos häppchenweise ein wenig früher um die Ecke zu kommen, statt so geballt. Es bleibt gefühlt mal wieder wahnsinnig viel an den Eltern und Lehrern hängen." Insgesamt fehle es weiter an geschlossenen Konzepten und digitaler Ausstattung, kritisiert Holger Schwarz, Vater von zwei Kindern. Das sieht auch Friedhelm Tilgen so: "Ein richtig fühlbares Konzept gibt es aber offenbar nicht. Die Schule verfährt offenbar erst einmal nach dem Motto trial and error"

Pia Schroers fühlt sich gut vorbereitet von der Grundschule ihrer Kinder. Sie schränkt allerdings ein:  "Was meinen Kindern jedoch wirklich schwer fällt und ich auch fragwürdig finde, ist die Maskenpflicht auf dem Schulhof. Bei den Temperaturen ist das für die Kinder natürlich schwer zu ertragen, sie bewegen sich kaum und vermeiden es, am Nachmittag zu OGTS-Zeiten raus zu gehen. Das heißt, nach dem Unterricht, wenn sie sich frei bewegen und frei spielen dürfen, verbringen sie ihre Zeit lieber in geschlossenen Räumen ohne Maske, als draußen an der Luft mit Maske. Da frage ich mich, ob das Risiko nicht geringer wäre, liesse man die Kinder ohne Maske draußen spielen."

Die Schulen appellieren auch an die Vernunft der Eltern, wie Silke Haas berichtet. Die Grundschule ihrer Tochter hatte an alle Eltern geschrieben: "Allerdings nützen alle Hygienekonzepte nichts, wenn sich die Eltern vor der Schule in einem großen Pulk versammeln. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass Sie sich austauschen möchten, bitte Sie aber, dass Sie die Sicherheitsabstände von 1,50m einhalten und sich entsprechend verteilen."

"Mein Sohn ist 12 Jahre alt, der versteht die Notwendigkeit"

Während Schüler auf weiterführenden Schulen in NRW überall in der Schule die Maske tragen müssen, sieht das in anderen Bundesländern ganz anders aus. In Berlin darf die Maske im Unterricht abgesetzt werden. Ein Vater aus der Hauptstadt berichtet uns, dass vorab von der Bildungssenatorin über die Maßnahmen informiert wurde. Aber einzelne Lehrer handhaben die Maskenvorschriften "sogar strenger und verlangen, dass die Masken auch während des Unterrichts getragen werden. Mein Sohn ist 12 Jahre alt, der versteht die Notwendigkeit. Insofern gibt es da keine Probleme. Wir schaffen jetzt aber Einweg-Masken an, unter den Stoffmasken wird es bei den Temperaturen zu warm." 

Aber vielen Schülern geht es dann doch trotz Maskenpflicht und strengeren Hygiene-Regeln wie dem 14-jährigen Sohn von Andreas von Thien. Der kam gut gelaunt aus der Schule, weil er endlich wieder die Kumpels und Klassenkameraden sehen durfte. "Hat Spaß gemacht heute!"

Hoffen wir, dass Deutschland nun auch dauerhaft beim regulären Unterricht bleiben kann...

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