Der Schweiger, der Laute oder doch der Kompromissbereite?

Welcher Streittyp Sie sind – und was DAS über Sie verrät

Traurige Frau nach Streit mit Partner
Um den anderen beim Streit besser zu verstehen, ist es wichtig, zu verstehen, warum er wie handelt.
Getty Images, PeopleImages

von Anna Kriller

Streit ist nie schön, manchmal aber nötig. Wie wir streiten, kann aber sehr unterschiedlich ausfallen: Während die einen alles sofort klären müssen und nicht ohne Aussprache schlafen gehen möchten, brauchen andere Zeit, um alles sacken zu lassen. Wieso gehen Menschen so unterschiedlich mit Streit um? Welche Streittypen gibt es? Und welcher Typ sind Sie?

Wieso gehen Menschen so unterschiedlich mit Streit um?

„Wie wir von zu Hause gelernt haben zu streiten, so streiten wir dann häufig in unserem späteren Leben“, erklärt Ruth Marquardt, Paarberaterin und Buchautorin („Wenn Liebe toxisch wird“) im Interview mit RTL.

„Habe ich Streit als konstruktiv erlebt, weil meine Eltern lebendig diskutiert und sich dann wieder versöhnt haben, werde ich eher versuchen, Streitgespräche zu führen und Dinge zu klären.“ Streit habe dann nichts Bedrohliches, sondern gehöre mit dazu. Der Grund: Das Grundbedürfnis nach Sicherheit wurde in der Kindheit nicht durch Streit erschüttert.

Habe man als Kind jedoch vielleicht erlebt, dass Streit mit Verletzung oder sogar Trennung einherging, könne Streit etwas Bedrohliches haben. „Ein Beispiel sind hier die Paare, die sich aus Sicht der Kinder nie gestritten haben, aber dann, dieses eine Mal doch – und danach haben sie sich getrennt“, erklärt Marquardt.

Wer Streit in der Kindheit also mit einer so gigantischen Konsequenz oder mit Trennung und Leid erlebt hat, wird diesen eher vermeiden wollen. In Streitsituationen selbst neigen diese Menschen dann eher dazu zu schweigen oder Streit über sich ergehen lassen, so die Paarberaterin weiter.

Lese-Tipp: Lebenslange Beziehungen: Geht das? Experten erklären, wie eine Ehe für immer hält

Ruth Marquardt
Paar- und Familienberaterin Ruth Marquardt gibt Tipps für den richtigen Umgang mit Streit in Beziehungen.
RTL

Lassen sich Menschen in verschiedene Streittypen einteilen? Welche gibt es?

Typ 1 – Der Schweiger: Der Schweiger wendet sich mitten im Streit von seinem Partner ab, verlässt wortlos oft wütend den Raum, schweigt über Stunden bis hin zu Kontaktabbruch über Tage. Das Schweigen verursacht beim Gegenüber Gefühle von Hilflosigkeit. Wird oft als Bestrafung empfunden.

Typ 2 – Der, der seine Meinung nicht äußert: Dieser Streittyp lässt die Situation eher über sich ergehen, wirkt passiv oder unbeteiligt. Konflikte werden so eher totgeschwiegen und wichtige Themen bleiben unbearbeitet. Häufig herrscht dabei der Wunsch vor, das ganze möglichst schnell hinter sich zu bringen.

Typ 3 – Die anderen sind schuld: Streittyp drei weist jegliche Eigenverantwortung von sich. Schuld sind andere Menschen oder die Umstände. Bei Vorwürfen erfolgt schnell eine Form der Schuldumkehr und das Ablenken vom eigenen Verhalten, zum Beispiel: „Du hast vergessen, den Müll runterzubringen“ – „Ja, aber du hast…“.

Typ 4 – Der Laute: Dieser Streittyp wird schnell laut und beleidigend. Der Grund: Er fühlt sich in die Ecke gedrängt und zieht dann das Schwert. Frei nach dem Motto: Wer lauter schreit, gewinnt.

Typ 5 – Der Diskutierer: Dieser Typ möchte verstehen, erforschen, lernen. Es kann jedoch auch sein, dass immer sofort alles ausdiskutiert werden muss – was in einer hitzigen Situation allerdings nicht zu empfehlen ist.

Typ 6 – Der Kompromissbereite: Harmonie und Ausgeglichenheit sind diesem Streittyp sehr wichtig. Der Kompromissbereite hat oft mehr Verständnis für das Verhalten des Partners, als gut für ihn ist. Der Wunsch nach Harmonie rührt häufig daher, das Streit als bedrohlich empfunden wird. Harmonie ist hier das oberste Ziel!

Das sind die häufigsten Streitthemen in Beziehungen Haushalt, Unpünktlichkeit & Geld
02:21 min
Haushalt, Unpünktlichkeit & Geld
Das sind die häufigsten Streitthemen in Beziehungen

30 weitere Videos

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Ist eine Streit-Pause sinnvoll? Ja, aber mit diesem Hinweis....

Insgesamt lassen sich je nach Befragung sogar bis zu 16 Streittypen unterscheiden, sagt Marquardt. Für alle Streittypen gelte der Paartherapeutin zufolge aber eines: „Es ist gut, in einem Streit, der länger andauert und zu nichts zu führen scheint, auch einmal ein Stoppsignal zu setzen.“

So könne man zum Beispiel in Situationen, die sich gerade nicht lösen lassen, vereinbaren, dass man den Streit unterbricht und etwas später oder am nächsten Tag noch einmal in Ruhe darüber spricht.

„Es kann auch hilfreich sein, sich für einige Zeit direkt nach dem Streit aus dem Weg zu gehen, Sport zu machen oder spazieren zu gehen, um aktiv Stress-Hormone abzubauen“, erklärt Marquardt. Essentiell sei hier aber, dem Partner immer den Hinweis zu geben: Ich nehme mir jetzt Zeit für mich und komme wieder. „Dieser Satz ist extrem wichtig! Sonst landen wir schnell bei Typ 1.“

Der Vorteil einer Streit-Pause: „Die Emotionen können sich beruhigen, die Gemüter abkühlen. Mit etwas Abstand betrachtet, sind viele Streitthemen dann nicht mehr so brisant“, weiß die Expertin.

Lese-Tipp: Psychotherapeut verrät den "Anfang vom Ende": Das sind die größten Ehe-Killer

Wie geht man in einer Beziehung damit um, wenn man sich sehr unterschiedlich im Streit verhält?

Treffen nun zwei unterschiedliche Streittypen in einer Beziehung aufeinander, kann es schwierig werden: Der eine will alles ausdiskutieren, der andere schweigt am liebsten bei Konflikten. Wie findet man hier einen Kompromiss?

Hier ist es wichtig, dass sich beide Partner einmal gegenseitig erklären, was für sie so wichtig an der jeweiligen Strategie ist, erklärt Marquardt: Wenn ich sofort alles klären möchte – was daran hilft mir? Welches Gefühl muss ich dann nicht fühlen? Welche Angst habe ich, wenn ein Streit nicht sofort ausdiskutiert wird? Und was fühle ich, wenn ich das mit dir nicht besprechen kann?

Wenn jemand nicht alles direkt klären möchte, sondern sich lieber Zeit nimmt, ist es dann auch spannend zu erfahren: Warum ist es für dich wichtig, dir Zeit zu nehmen? Wie hilft dir das? Und was passiert in dir, wenn ich einen Streit direkt klären will?

„Dann geht es darum, verstehen zu wollen, geduldig zuzuhören - und auch hier nicht direkt recht haben zu wollen“, so die Paartherapeutin. Denn weder das eine noch das andere sei „richtig“. Es gehe vielmehr darum, in einen verständnisvollen Austausch miteinander zu kommen und zu erfahren: Was brauchst du – was brauche ich? Und wie können wir beide uns entgegenkommen?