Nach Pöbel-Anfällen beim Videodreh

Vorwürfe gegen Fler: Rapper hat Musikvideo-Dreh nicht bezahlt

29. Juli 2021 - 13:04 Uhr

"Fler wollte nur einen plumpen Porno"

Wieder einmal Ärger um Rapper Fler. Diesmal geht es um ein Musikvideo, das er vor zwei Jahren produzieren ließ – ohne den Dreh dafür zu bezahlen, werfen ihm die beiden Produzenten jetzt vor. Außerdem prangern sie Flers Auftreten am Set an, das selbst für seine Verhältnisse ziemlich daneben gewesen sei. Das und mehr verraten sie in unserem Video.

Fler äußert sich nicht zu Vorwürfen

Rapvideo
Dreharbeiten zum Musikvideo des Rappers Fler (Foto: wirschneidengold)

Regisseur Ruben Kempter und Produzent Jan Wittekindt haben fast 40.000 Euro für den teuren Clip ausgegeben, sagen sie. Und bis heute keinen Cent dafür gesehen. Auf das Geld dafür warten sie mit ihrer Firma "wirschneidengold" bis heute. Patrick Losensky, so der bürgerliche Name des Rappers Fler, äußert sich auf RTL-Nachfrage nicht zu den Vorwürfen.

Auch andere Vorwürfe lässt er unkommentiert. Und davon gibt es einige. Die Produzenten erklären, wie viel Mühe sie in die Vorbereitungen zu dem Dreh des Clips gesteckt hätten. Als es losging, hätten sie schnell gemerkt, dass diese Mühe vergeblich gewesen sei, so Wittekindt. "Wir haben zwei Wochen lang geplant, vier, fünf Konzepte zugeschickt und dann kam raus, dass er kein einziges davon gelesen hat", ärgert er sich.

Fler soll bei Musikvideo-Dreh mit Flaschen geworfen und rumgeschrien haben

Regisseur Ruben Kempter
Regisseur Ruben Kempter war überfordert mit der Art des Rappers.

Ruben Kempter sagt: "Wir hatten ästhetische, freizügige Szenen geplant und alles darauf abgestimmt." Alles, was Fler gewollt habe, sei jedoch "nur ein plumper Porno" gewesen. Wittekindt erinnert sich: "Er sagte, 'mach keine Wissenschaft draus – es sind Autos drauf, es sind ein paar Schlampen im Video, was ist eigentlich dein Problem?'"

Es habe viele unangenehme Situationen am Set gegeben, findet Kemper: Flers Art, über Frauen zu reden, sein Benehmen. Wittekindt räumt ein, er und sein Partner hätten intervenieren sollen. Aber dazu seien sie wegen des Auftretens des Musikers zu eingeschüchtert gewesen. "Er war laut, hat rumgeschrien. Er hat mit Flaschen um sich geworfen. Er hat einfach gemacht, was er will." Deswegen seien sie überfordert gewesen.

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Er schrie mit hochrotem Kopf: "Wo filmst du hin? Das hier ist ein Porno"

Videodreh
Mit unflätigen Worten soll der Musiker den Kameramann aufgefordert haben, ein Model aus nächster Nähe an intimen Stellen zu filmen.

Als die Produzenten dem Rapper einen Rohschnitt, eine Art Entwurf, vorgelegt haben, sei der völlig ausgerastet. Er habe sie übel beschimpft, unhaltbare Vorwürfe erhoben. Es ging um angeblich schlechte Motivauswahl, schlechte Beleuchtung – obwohl Fler bei den Dreharbeiten die ganze Zeit auf einem Monitor sehen konnte, was gerade passiert. Etwas, das absolut unüblich sei, so Regisseur Kempter und ihm die Arbeit ohnehin sehr erschwert habe.

Der Nachdreh verlief nicht besser, im Gegenteil: "Es wurde noch absurder", so Wittekindt. Als negativen Höhepunkt nennt er eine Szene mit einem Model, bei der Fler den Kameramann angeschrien und auf empörende Weise aufgefordert habe, intime Aufnahmen zu machen. "Film' in ihr A**** rein. Wo filmst du hin? Das hier ist ein Porno", habe er mit hochrotem Kopf geschrien.

"Wenn wir ein neues Video machen, dann bezahle ich auch das alte"

Produzent Jan Wittekindt
Produzent Jan Wittekindt hätte nicht damit gerechnet, dass Fler seine Rechnung nicht zahlt.

Mit Bedauern sagt Kempter, dass ein Abbruch der Zusammenarbeit keine Option gewesen wäre. Aus finanziellen Gründen. Zu diesem Zeitpunkt ahnten er und sein Partner nicht, dass sie ohnehin kein Geld sehen würden. Zwar wurde das Video nach einigem Hin und Her abgeliefert, Fler war angeblich auch zufrieden. Aber er wollte weiter mit den beiden arbeiten, ohne seine Rechnung zu bezahlen.

Wittekindt habe versucht ihm klarzumachen, dass vor der Produktion eines neuen Videos zuerst das andere bezahlt werden müsste, sagt er. Fler sei daraufhin wütend geworden. Er lasse sich nicht erpressen, habe der Musiker ihm gesagt. Zugleich habe er versucht, die Produzenten zu erpressen. "Wenn wir ein neues Video machen, dann bezahle ich auch das alte", soll er gesagt haben. Zudem habe Fleur ein Telefonat mit den höhnischen Worten beendet: "Ich habe keine Zeit mehr, ich gehe jetzt eine 30.000 Euro teure Gucci-Handtasche für meine Freundin kaufen."

Funkstille nach Zoff mit Rapper Fler

Geld haben sie jedenfalls nie gesehen, sagen Kempter und Wittekindt. Im Gegenteil – die hohen Kosten für das Musikvideo hätte ihre Firma fast in die Pleite getrieben. Dennoch haben sie Fler nicht verklagt – aus Sorge, auf den Gerichtskosten sitzenzubleiben. Kontakt zu ihrem einstigen Auftraggeber hätten sie nicht mehr gehabt, es herrsche Funkstille.

Funkstille herrscht auch zwischen Fler und RTL. Der Musiker nahm bisher auf Nachfrage keine Stellung zu den Vorfällen (uvo)

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Patrick Losensky vor Gericht (Archivfoto, November 2020)
Patrick Losensky vor Gericht (Archivfoto, November 2020)
© dpa, Paul Zinken, pdz wst