Keine "Notfallsituation" in Deutschland im Corona-Winter 21/22?

Virologe Stöhr kritisiert Drosten-Aussage: "Ich kann seine Warnung nicht nachvollziehen"

Der Virologe Klaus Stöhr kritisiert Christian Drostens Warnung vor einer „gesellschaftlichen Notsituation".
Der Virologe Klaus Stöhr kritisiert Christian Drostens Warnung vor einer „gesellschaftlichen Notsituation".
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13. November 2021 - 8:40 Uhr

Virologe Drosten: "Wir sind schlimmer dran als vor einem Jahr"

Der Virologe Christian Drosten sieht Deutschland im Corona-Winter 21/22 erneut in einer "Notfallsituation". "Wir müssen jetzt sofort etwas machen. Wir sind schlimmer dran als vor einem Jahr", warnte der Leiter der Virologie in der Berliner Charité kürzlich im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update". Ohne härtere Maßnahmen, so Drosten weiter, rechne er mit bis zu 100.000 weiteren Corona-Toten in Deutschland. Dem widerspricht der Epidemiologe und Virologe Klaus Stöhr nun klar. Die Einschätzung Drostens, so Stöhr, beruhe nicht auf "Zahlen und Fakten".

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„In meiner Wahrnehmung geht das sehr weit an der Realität vorbei"

Der Virologe Klaus Stöhr kritisiert Christian Drostens Warnung vor einer "gesellschaftlichen Notsituation" und "erneut bis zu 100.000 Corona-Toten": "Ich kann Drostens Warnung nicht nachvollziehen. Es gibt keine Zahlen und Fakten, die das auch nur annähernd belegen", sagt Stöhr im Podcast "Die Wochentester" von "Kölner Stadt-Anzeiger" und "RedaktionsNetzwerk Deutschland" im Gespräch mit Wolfgang Bosbach und Gast-Moderator Hans-Ulrich Jörges. Er fügt hinzu: "In meiner Wahrnehmung geht das sehr weit an der Realität vorbei. Und man verunsichert Menschen."

Virologe Stöhr: "Wir müssen das Boostern zu den Menschen bringen."

Allerdings geht auch Stöhr, der von 1991 bis 2006 in führenden Positionen bei der Weltgesundheitsorganisation WHO war, unter anderem als Leiter des globalen Influenza-Überwachungsprogramms, von einer gewaltigen Herausforderung aus: "Der Winter wird hart, was die Zahl der Fälle betrifft. Aber: Es ist immer noch nicht angekommen, dass die Pandemie erst dann vorbei ist, wenn sich alle infiziert haben." Eine Impfpflicht für alle hält Stöhr in Deutschland gegenwärtig für "nicht vernünftig". Auch sei es ein Fehler, Ungeimpfte zu stigmatisieren. "Aber wir müssen das Boostern zu den Menschen bringen." (dpa/dhe)