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Virologe Klaus Stöhr: "Panikmodus kann ich nicht verstehen"

Corona-Mutation gefährlich?

Virologe Klaus Stöhr: "Panikmodus kann ich nicht verstehen"

Klaus Stöhr
Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe um den Epidemiologen und Virologen Klaus Stöhr hat ein Positionspapier veröffentlicht, das zeigt, wie eine Strategie bis zum Ende der Pandemie aussehen könnte.
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Bund und Länder sind "besorgt"

Vor dem Bund-Länder-Treffen am Mittwoch zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie, wird viel über Stufenpläne diskutiert, die im Gegensatz zum gegenwärtigen "Auf-Sicht-Fahren" einen strukturierten Weg mit klaren Handlungskriterien durch die Krise bieten sollen. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe um den Epidemiologen und Virologen Klaus Stöhr hat ein Positionspapier veröffentlicht, das zeigt, wie so eine Strategie bis zum Ende der Pandemie aussehen könnte. Unter anderem geht es dort auch um die derzeit besorgniserregenden Corona-Mutationen. Für den Virologen Klaus Stöhr kein Grund zur Panik.

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Mutationen aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien

Die britische Variante wurde inzwischen in rund 70 weiteren Ländern nachgewiesen und sorgt unter anderem in Portugal für extrem hohe Infektionszahlen. Auch die verschärften Maßnahmen wurden zum Teil mit den neuen Virusvarianten begründet. Im Interview mit RTL weist Klaus Stöhr daraufhin, sich mehr mit der Bekämpfung auseinanderzusetzen als mit den tatsächlichen Laborbefunden. Er nennt als Beispiel die Länder Irland und England: Seit Anfang/Mitte Januar nehmen dort die Fälle stark ab. Gleichzeitig steigt der Anteil der britischen Mutation weiter stark an. „Die Beobachtung in England muss man natürlich genau verfolgen, aber auch das wir jetzt schon 15 bis 20 Prozent dieser Fälle in Deutschland haben, ist ja eigentlich ein gutes Zeichen, weil die Anzahl der Gesamtfälle ja abnimmt. Das jetzt in den Panikmodus geschaltet wird, kann ich nicht verstehen.“

Klaus Stöhr betont die Wichtigkeit eines unabhängigen Expertenrats zur Risikoeinschätzung von SARS-CoV-2 Varianten.

Experten stellen Stufenplan vor

Grundsätzliches Ziel bei der Entwicklung eines Stufenplans soll eine "tragfähige und durchhaltbare Bekämpfungsstrategie" sein. Dafür müsse ein "Kompromiss zwischen den gesundheitlichen Auswirkungen einer Erkrankung, den Kollateralschäden für andere Gesundheitsbereiche, für die Gesellschaft und den Einzelnen durch die verordneten Maßnahmen, die wirtschaftlichen Effekte und notwendigen freiheitlichen Einschränkungen" gefunden werden, lautet die grundsätzliche Position der Arbeitsgruppe.

Ein wichtiges Kriterium für die Wissenschaftler ist auch, dass die pandemiemüde Bevölkerung durch eine Positivagenda motiviert wird. Das heißt, statt wie bisher "von Lockdown zu Lockdown zu stolpern", sollen die Menschen klare Ziele vor Augen haben, an denen sie unter anderem Lockerungen erwarten dürfen. „Jetzt ist es an der Zeit, in kleinen Schritten voranzukommen. Wir dürfen auf keinen Fall, wie in Irland geschehen, nach einem harten Lockdown wieder alles öffnen und dann steigen die zahlen raketenmäßig wieder an. Wir müssen das langsam machen, aber wir müssen jetzt damit beginnen.“ betont Klaus Stöhr.