Video aus hessischer Flüchtlingsunterkunft zeigt Vorfall

Sanitäter schlägt fixierten Mann – Polizisten gucken nur zu

13. März 2021 - 11:23 Uhr

Überwachungskamera aus Flüchtlingsheim zeichnet Faustschlag auf

Ein Mann liegt auf einer Trage, mit Gurten fixiert. Daneben steht ein Sanitäter. Der geht plötzlich drei Schritte zu dem Gefesselten und schlägt ihm mit der rechten Faust ins Gesicht. Der Kopf des Mannes fliegt zur Seite. Zwei Polizisten in unmittelbarer Nähe sehen zu und tun … nichts! Jetzt zeigt ein Video den Vorfall aus Kassel, über den zuerst die "Bild" berichtete. Es stammt offenbar aus der Überwachungskamera einer Flüchtlingsunterkunft in Kassel und soll am 8. November 2020 entstanden sein. Wie es dem Geschlagenen heute geht, erklärt sein Anwalt im RTL-Interview.

Flüchtlingsunterkunft in Kassel: Bewohner randalierte, spuckte und trat um sich

Einen Tag später schreibt die Polizei in einer Pressemeldung, in der Unterkunft habe ein betrunkener 32-jähriger Bewohner nachts randaliert. Er habe in einem Vorraum einen Feuerlöscher geleert und beim Eintreffen der Beamten scheinbar hilflos am Boden gelegen. Dann sei der Syrer wieder zu sich gekommen und habe die Beamten mit einer Alu-Leiter angegriffen.

Laut Mitteilung konnten sich die Polizisten zunächst mit Pfefferspray wehren und den Angreifer überwältigen. Aber auch danach soll dieser erheblichen Widerstand geleistet haben. Angeblich hat er Beamte und Rettungskräfte bespuckt und um sich getreten. "Für den aggressiven Randalierer endete die Nacht zur Ausnüchterung im Polizeigewahrsam", heißt es in dem Bericht. Der im Video zu sehende Schlag des Sanitäters wird allerdings nicht erwähnt. Laut "Bild" erlitt das mutmaßliche Opfer einen doppelten Jochbeinbruch und Prellungen – so stehe es im ärztlichen Bericht.

Am Tag nach dem Angriff ging der 32-Jährige zur Polizei und erstattete Anzeige gegen den Rettungssanitäter, so die Staatanwaltschaft Kassel zu RTL.

Polizeipräsident: Vorfall macht "fassungslos und betroffen"

Inzwischen hat Polizeipräsident Konrad Stelzenbach auf den Vorfall reagiert "Ich darf Ihnen versichern, dass mich die Abläufe vom 08.11.2020, so wie sie in der Videosequenz zu sehen sind, fassungslos und betroffen machen. Gewalt gegen eine fixierte und somit wehrlose Person ist nicht zu tolerieren – ganz unabhängig davon, was zuvor vorgefallen ist", teilte er mit. Er setze sich für "eine lückenlose und konsequente Aufklärung" ein. Rettungsdienst und Polizei müssten "zu jeder Zeit ihre Garantenstellung einnehmen und integer sowie rechtsstaatlich agieren."

Die Polizei in Kassel habe drei Strafverfahren eingeleitet und an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Sie richteten sich gegen den 32-jährigen Tatverdächtigen (u.a. Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte), gegen den Sanitäter (Körperverletzung) und gegen drei Polizeibeamte (u.a. Strafvereitelung im Amt).

Ferner schrieb Stelzenbach: "So unangemessen das Verhalten des 32-jährigen Störers gegenüber den Kollegen im Vorfeld auch gewesen sein mag: Das in dem Video offenkundig teilnahmslose Verhalten der eingesetzten Polizisten ist für mich nicht akzeptabel. Sie hätten mit aller Entschlossenheit und Konsequenz einschreiten müssen." Die Polizei trüge auch für Straftäter Verantwortung. "Keine für die Polizei noch so frustrierende Situation darf uns dazu verleiten, unserer Pflicht als Schutzleuten nicht nachzukommen", erklärte der Polizeipräsident.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Sanitäter fristlos gekündigt

Der Arbeitgeber des Sanitäters, der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), hat den 44-Jährigen "sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe vom Dienst freigestellt und die fristlose Kündigung ausgesprochen", heißt es in einer Stellungnahme an RTL. "Sollten die gegen die Person erhobenen Vorwürfe zutreffend sein, sind diese mit den Werten unserer Hilfsorganisation unvereinbar", schreibt der ASB.