Facebook, Instagram und WhatsApp fast sieben Stunden offline

Eingeloggt via Facebook - Muss ich jetzt meine Login-Daten ändern?

Ein ungewöhnlich langer Totalausfall hat am Montag Milliarden Nutzern des Online-Netzwerks zugesetzt.
Ein ungewöhnlich langer Totalausfall hat am Montag Milliarden Nutzern des Online-Netzwerks zugesetzt.
© REUTERS, Thomas Hodel, /FW1F/Nicholas ZIEMINSKI

06. Oktober 2021 - 10:24 Uhr

Die Folgen nach dem Facebook-Fiasko

Hatten Sie auch schon oft keine Lust, ein neues Nutzerkonto anzulegen und haben einfach den Facebook-Account als Anmeldefunktion genutzt? Wenn ja, dann hatten Sie am Montag nach dem weltweiten Facebook-Down höchstwahrscheinlich Login-Probleme auf vielen Plattformen. Nun fragen sich zu Recht viele User: Wie sicher ist die Funktion und muss ich jetzt meine Nutzerdaten ändern?

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Millionen Nutzer konnten sich nirgendwo mehr anmelden

Es ist eine simple und praktische Funktion. Statt für jede App oder Internetseite ein neues Benutzerkonto mit Namen, Adresse und Passwort anzulegen, klickt man einfach auf den blauen Facebook-Button und loggt sich mit dem Social-Media-Account ein. Viele Onlineshops, Streamingdienste und Fitness-Apps nutzen diese Funktion. "Connect" heißt der Service, der das Facebook-Profil mit anderen Seiten vernetzt und den Login-Vorgang vereinfacht.

Dass diese Funktion ihre Tücken und Risiken hat, wurde beim Facebook-Down am Montag mehr als deutlich. DENN: Millionen Nutzer kamen mit ihrem Facebook-Account nirgendwo mehr rein. Das tägliche (Internet-)Leben war plötzlich gestört.

Lieber die E-Mail-Adresse als Login nutzen

Die gute Nachricht zuerst: Nach dem Totalausfall bei Facebook funktioniert die "Connect"-Funktion wieder, das bestätigte Facebook am Dienstag. Sie können sich also wieder überall mit ihrem Account anmelden. Sie brauchen Ihre Anmeldedaten nicht zu ändern.

TIPP: Hinterlegen Sie im jeweiligen Dienst lieber eine E-Mail-Adresse mit einem Passwort, damit Sie bei einer erneuten Störung Zugriff auf Ihre Benutzerkonten haben.

Nun die schlechte Nachricht: Kommt es erneut zu einem Blackout, ist die "Connect"-Funktion nicht zuverlässig. Das hat sowohl Folgen für die Nutzer als auch für die Partnerseiten.

Viele fragen sich nun, ob der Ausfall Facebook-Werbekunden veranlassen wird, über Alternativen nachzudenken. Denn gerade viele kleine Unternehmen rund um die Welt verlassen sich auf Facebook, um Kunden anzulocken. Für sie bedeutete die Störung verlorenes Geschäft.

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Datenschützer kritisieren Facebooks „Connect“-Service

Außerdem kritisieren Datenschützer seit Jahren den "Connect"-Service von Facebook. Die Gründe: "Connect" ist ein Tauschgeschäft! Die Partnerseite bekommt von Facebook nicht nur den Identitätsnachweis geliefert, sondern auch die öffentlichen Daten des jeweiligen Profils. Dazu gehört der vollständige Name, das Alter, das Geschlecht, die Nutzer-ID, das Profil und die Freundesliste. Wobei letzteres durch einen Klick nicht aktivieren werden muss.

Auch Facebook bekommt Daten geliefert, wenn sich ein User mit der Funktion bei einem Drittanbieter anmeldet. Die Unternehmen wissen mindestens, welche Dienste noch genutzt werden und können so etwa Werbung leichter personalisieren, sagte Christian Gollner zu dem Thema, er ist Experte für Datenschutz bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Nutzer sollten aber nicht vergessen: Unter Umständen fließen noch mehr Daten von der jeweiligen Webseite zum Log-in-Dienst.

Welche das sind, muss man im Zweifel in den Datenschutzbestimmungen nachlesen. Eventuell könnte Facebook sogar wissen, was der Nutzer im Onlineshop kauft, welche Songs er hört, welche Filme er sieht und welche Bücher er liest. "Facebook und Google machen mit der Datenauswertung Geschäfte", so Gollner.

Erst am Sonntag hatte sich die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen als Whistleblowerin zu erkennen gegeben und dem Online-Netzwerk vorgeworfen, Profit über das Wohl der Nutzer zu stellen. Am Dienstag sagt Haugen in einem Unterausschuss des US-Senats zum Schutz junger Nutzer aus.

Totalausfall bei Facebook dauerte fast sieben Stunden

Fast sieben Stunden dauerte der Totalausfall am Montag. Facebook erklärte die Störung mit einer fehlerhaften Konfigurationsänderung. Dadurch sei der Datenverkehr zwischen den Rechenzentren zusammengebrochen.

Die Störung war so schwer in den Griff zu bekommen, dass Facebook der "New York Times" zufolge ein Team in sein Rechenzentrum im kalifornischen Santa Clara schicken musste, um einen "manuellen Reset" der Server zu versuchen. Das ist in etwa so, wie wenn man am PC zu Hause den Reset-Knopf drückt, weil nichts mehr geht.

Die Erklärung deckt sich mit Vermutungen von Experten, die von einem Fehler in der Netzwerk-Infrastruktur ausgingen. "Vereinfacht dargestellt: Die Dienste von Facebook, WhatsApp und Instagram sind noch da - aber es fehlt im Internet quasi die Verknüpfung dorthin", erläuterte Rüdiger Trost von der IT-Sicherheitsfirma F-Secure. (mor)