Mutter aus Nordrhein-Westfalen verliert Sorgerechtsstreit

Stefanie B. ist verzweifelt über Gerichtsurteil - ihre Töchter sollen beim Vater in Frankreich leben

16. Januar 2020 - 11:09 Uhr

Französisches Gericht ignoriert psychologisches Gutachten

Es klingt wie ein Alptraum, doch Stefanie B. (31) und ihre kleinen Töchter müssen mit diesem Alptraum leben. Für sie ist es schlimme Realität, dass es jeden Moment an der Tür klingeln könnte und jemand kommt, um die Kinder abzuholen. Denn ein französisches Gericht hat entschieden, dass die beiden Mädchen (8 und 9 Jahre alt) zurück zu ihrem gewalttätigen Vater sollen. "Dass meine Mädchen nicht mehr bei mir sind, liegt außerhalb meiner Vorstellungskraft", sagt die Mutter voller Verzweiflung. Was Mutter und Töchter sagen, wie ihre Anwältin kämpft - in unserem Video.

"Ich hatte immer Bauchschmerzen, wenn ich beim Papa war"

Stefanie B. lebt in Frankreich mit einem Mann zusammen, den sie liebt. Sie bekommt Kinder von ihm, zwei Töchter. Eine scheinbar heile Welt, bis der Mann handgreiflich wird gegen Stefanie und die Kinder, wie sie sagt. Als sie es nicht mehr aushält, verlässt sie den Mann vor vier Jahren, flieht nach Deutschland. Seither lebt sie in Minden (NRW).

Ein deutsches Gericht entscheidet, dass sie ihre Kinder bei sich behalten darf. Leider ist das Glück nicht von Dauer, denn auch der Vater der Kinder beansprucht das Sorgerecht. Er zieht vor ein französisches Gericht und bekommt dort im Dezember 2019 die Töchter zugesprochen - zum Entsetzen der Mutter und zum Unverständnis von Stefanie B.'s Anwältin. Sie habe so etwas noch nie erlebt, sagt Selena Sarac. Sie spricht von einer "massiven Kindeswohlgefährdung durch Eingriffe des Staates, gegen die sich die Kinder nicht wehren können".

Die haben eine klare Meinung: "Wir wollen hier bleiben", sagt eine der beiden. "Ich hatte immer Bauchschmerzen, wenn ich beim Papa war", so ihre Schwester. "Ich habe Angst."

Gutachter: "Psychische und körperliche Krankheiten sind zu erwarten"

Stefanie B. gibt die Hoffnung nicht auf, dass sie ihre Mädchen behalten darf. Schließlich heißt es in einem kinder- und jugendpsychiatrischen Gutachten: "Bei einer Realisierung der vom Vater beantragten Anwendung unmittelbaren Zwangs ggf. mit Hilfe der Polizei ist mit heftiger Gegenwehr beider Mädchen zu rechnen." Die Experten gehen davon aus, dass posttraumatische Belastungsstörungen die Folge sein könnte. Sie schreiben: "Psychische und körperliche Krankheiten sind zu erwarten."

Rechtsanwältin Sarac versucht weiter, die Einstellung der Vollstreckung zu erreichen. Und Stefanie will mit einer Petition an die zuständigen Richter appellieren.