Mehr Rechte für Geimpfte - mehr Perspektive für Gastro und Tourismus?

Verzweifelte Branche: Wann darf die Gastro wieder öffnen?

Während des Lockdowns geschlossene Gastronomie in der Hamburger Innenstadt.
Während des Lockdowns geschlossene Gastronomie in der Hamburger Innenstadt.
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04. Mai 2021 - 11:58 Uhr

Die Branche liegt am Boden

Kaum ist die Debatte über mögliche Lockerungen für Geimpfte da, steht auch die große Frage im Raum: Was passiert nun mit der Gastro und mit den Hotels? Dürfen sie auch bald wieder öffnen? Die Branche liegt am Boden und ist verzweifelt, zumal rund um Deutschland in unseren Nachbarländern in Teilen wieder geöffnet wird…

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Mitarbeiter wollen "tagtäglich angsterfüllt" wissen, ob sie ihren Job behalten

"Wir erwarten, dass jetzt Hotels, Restaurants und natürlich die Außengastronomie für alle Geimpften, Genesenen und negativ Getesteten geöffnet werden", fordert Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges im RTL-Interview. Doch da gibt es heute eine klare Absage der Justizministerin Christine Lambrecht: "Ich habe keinen Anspruch darauf, dass für mich etwas geöffnet wird", sagte sie im RTL-"Frühstart". Nach Ansicht der SPD-Politikerin ist dies rechtlich vertretbar, da die geschlossenen Betriebe für ihre Umsatzausfälle aktuell Hilfen vom Staat bekommen. (Das ganze Interview im Video.)

Trotz Hilfen macht sich aber pure Verzweiflung breit, wie aus einem Brief an die Kanzlerin hervorgeht, der RTL vorliegt. Geschrieben hat ihn Dirk Iserlohe, Geschäftsführer der Dorint-Hotelgruppe: "Sie haben uns zum Sonderopferträger auserkoren, so dass ich Sie nun herzlichst bitte, uns nun auch gleichberechtigt im Rahmen der Programme zu berücksichtigen. Meiner Meinung gebietet sich dies aus dem Solidaritätsprinzip und der Rechtsstaatlichkeit. Als Mitglied der CDU bitte ich Sie innigst, den Mittelstand nicht im Stich zu lassen."

Im Brief spricht er von "Mitarbeitern, die täglich angsterfüllt von mir hören wollen, ob es die Traditionsunternehmen auch morgen noch gibt." Obwohl es Verständnis für die "gesundheitspolitischen Maßnahmen" gäbe, bittet er Merkel um "Verständnis dafür, dass wir überleben wollen."

LESE-TIPP: Der Gastro-Branche laufen die Mitarbeiter weg – wie geht es weiter nach Corona?

TVNOW Doku "Zwischen Hoffnung und Tod - wer hat Schuld am deutschen Impf-Desaster?"

Könnten in Deutschland bereits mehr Menschen geschützt sein? Wer trägt die Schuld am Impf-Desaster? Die Bundesregierung? Die EU? Die Hersteller? Oder die Bundesländer? Die Dokumentation geht den Verantwortlichkeiten auf den Grund. Auf TVNOW: "Zwischen Hoffnung und Tod"

Lauterbach: „Wir sind noch sehr weit von der Herdenimmunität entfernt“

 Karl Lauterbach bei einem Pressestatement am Rande der 222. Sitzung des Deutschen Bundestages im Reichstagsgebäude. Berlin, 16.04.2021 *** Karl Lauterbach during a press statement on the sidelines of the 222 session of the German Bundestag in the Re
Karl Lauterbach: „Was nicht geht, ist, dass Geschäfte oder Restaurants geöffnet werden nur für diejenigen, die geimpft sind. Das würde zu Spannungen führen, die man kaum ertragen könnte.“
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Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite warnen Gesundheitsexperten aber auch vor einer zu schnellen Öffnung von Gastronomie und Hotels. So wie Karl Lauterbach (SPD): Zwar sei es "eine notwendige und gute Entscheidung", die Grundrechtseinschränkungen für Geimpfte zurückzunehmen. "Was nicht geht, ist, dass Geschäfte oder Restaurants geöffnet werden nur für diejenigen, die geimpft sind. Das würde zu Spannungen führen, die man kaum ertragen könnte", sagte Lauterbach im Deutschlandfunk.

Lauterbach sagte, es bestehe eine Gefahr, wenn Geimpfte und Nicht-Geimpfte aufeinander träfen und sich dann Nicht-Geimpfte infizieren oder die Geimpften ohne vollständigen Immunschutz anstecken. Eine flächendeckende Kontrolle bei den Öffnungen sei schwierig und es gelte jetzt, den ausgewiesenen Erfolg bei der Bekämpfung der Pandemie zu sichern. "Wir dürfen nicht den Fehler machen, jetzt einen schnellen, frühen Rückfall zu riskieren", sagte er. "Wir sind noch sehr weit von der Herdenimmunität entfernt."

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Bayern hatte Öffnung der Außengastro angekündigt - bei unter 100

Die Gastro-Branche erwartet dennoch einen klaren Plan von der Politik, betont Ingrid Hartges. "Es ist unseren Betrieben und Mitarbeitern nicht mehr vermittelbar, dass wir nicht auf die Agenda kommen, dass jetzt keine konkreten Öffnungstermine genannt werden für den Mai. Das erwarte ich von den Bundesländern, die dafür zuständig sind, dass dies schnellstmöglich erfolgt."

Die Bayern sind in diesem Punkt zumindest (mal wieder) vorgeprescht. Markus Söder hatte am Montag angekündigt, die Außengastro in Unter-100er-Kreisen wieder zu öffnen. Das nehme man mit Überraschung zur Kenntnis, erfuhr RTL dazu aus Regierungskreisen. In NRW rechne man allerdings damit, dass andere Länder dann nachziehen werden. So wie Niedersachsen zum Beispiel. Da hatte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) für heute mögliche Lockerungen angekündigt.

eku

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