Urteil: 7 Jahre Haft für 42-Jährigen

Er schoss seiner Schwägerin ins Gesicht

29. Juni 2021 - 19:53 Uhr

Emin D. wird schuldig gesprochen

Im Trennungsstreit soll der 42-jährige Emin D. versucht haben, seine Ehefrau und deren Schwester zu ermorden. Seit Anfang Juni musste er sich deswegen vor Gericht verantworten. Am Dienstag wurde er schuldig gesprochen. Das Urteil: Sieben Jahre Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes, schwerer Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Außerdem wurde eine sechsmonatige Unterbringung in einer Erziehungsanstalt angeordnet.

Durchschuss durch den Kopf

Emin D. ließ zum Prozessauftakt erklären, er habe niemanden umbringen wollen. Laut Anklage wollte der Deutsche seine Ehefrau in Uetze bei Hannover wegen einer Trennung und wegen des Umgangsrechts der gemeinsamen Tochter zur Rede stellen. Es kommt zum Streit. Als seine Schwägerin seiner Ehefrau zur Hilfe eilt, schießt er ihr mit einer Pistole aus nächster Nähe ins Gesicht. Das Projektil tritt laut Anklage an der rechten Wange der Frau ein und an ihrem rechten Ohr wieder aus. Sie überlebt und tritt bei dem Prozess als Nebenklägerin auf. Die beiden Frauen habe Glück, denn weitere Schussversuche scheitern - offenbar, weil die Waffe einen Defekt hat.

Staatsanwaltschaft: "Er ist mit dem Willen, seine Ehefrau zu töten, nach Uetze gefahren"

Emin D. beteuert am vorerst letzten Prozesstag, er sei überrascht gewesen, dass sich ein Schuss gelöst habe. "Ich habe mir nicht vorgenommen, meine Schwägerin oder Ehefrau zu töten", lässt der 42-Jährige über seinen Anwalt ausrichten. Er habe die Pistole mitgenommen, um seiner Frau zu drohen und um sich gegenüber möglichen Angriffen der Familie verteidigen zu können.

Der Staatsanwalt äußert in seinem Plädoyer vor Gericht Bedenken hinsichtlich der Argumentation des Angeklagten, seine Aussagen seien "unglaubhaft". Es ergebe keinen Sinn, eine Waffe zur Verteidigung mitzunehmen, zumal es keine Hinweise auf bisherige Angriffe seitens der Familie gegen den Angeklagten gegeben habe. Der Staatsanwalt bezweifelt zudem, dass der Angeklagte die Waffe zur Vereidigung mitgenommen habe, denn dann hätte er sie nicht gegenüber seiner Schwägerin ziehen müssen. Da es darüber hinaus zu keinem Handgemenge gekommen wäre, sei es nicht nachvollziehbar, dass sich der Schuss überraschend gelöst habe. Nach der Beweisaufnahme steht für den Staatsanwalt fest: "Er ist mit dem Willen, seine Ehefrau zu töten, nach Uetze gefahren".

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Neun Jahre Gefängnis gefordert

Für den Staatsanwalt zeichnet sich ein klares Bild ab: Für den Angeklagten sei es eine Schande, eine Ehreverletzung gewesen, dass er verlassen wurde. "Er stellt sich über seine Ehefrau." Dass der Angeklagte auf seine Schwägerin mit Tötungsabsicht schoss, davon ist der Staatsanwalt überzeugt und fordert neun Jahre Gefängnis und eine Entziehungskur wegen des versuchten Mordes, schwerer Körperverletzung und dem Verstoß gegen das Waffengesetz.

Nebenklage: Es ging um die Beschmutzung der Ehe

Auch die Anwälte der Nebenkläger glauben, dass Emin D. mit Tötungsabsicht gehandelt habe. Der Angeklagte hätte zu seiner Ehefrau gesagt: "Du hast meine Ehre verletzt, ich bringe dich um." Deshalb glaubt der Anwalt der Ehefrau auch, dass Emin D. seiner Ehefrau in die Augen sehen wollte, wenn er sie tötet.

Die Anwältin der Schwägerin sieht den wahren Beweggrund nicht im Streit um die Trennung oder das Umgangsrecht der gemeinsamen Tochter begründet. Für die Anwältin steht fest: Es ging viel mehr um das Beschmutzen der Ehre.

Verteidiger fordert geringeres Strafmaß

Aus Sicht des Verteidigers ist die geforderte Strafe zu hoch angesetzt. In seiner abschließenden Rede vor Gericht macht der Anwalt deutlich, dass sein Mandant zur Tatzeit mit 2,55 Promille stark alkoholisiert war und unter Drogeneinfluss stand. Diese Umstände seien im Strafmaß "nicht genügend berücksichtigt". Sein Vorschlag: dreieinhalb bis vier Jahre Haft. (cgo/sju)