Prozessstart am Landgericht Hildesheim

42-Jähriger soll Schwägerin in den Kopf geschossen haben - sie überlebte

Emin D. schützt beim Prozessauftakt am Landgericht Hildesheim sein Gesicht vor den Fotografen und Kameraleuten. Während der Verhandlung lässt er seinen Anwalt für sich sprechen.
Emin D. schützt beim Prozessauftakt am Landgericht Hildesheim sein Gesicht vor den Fotografen und Kameraleuten. Während der Verhandlung lässt er seinen Anwalt für sich sprechen.
© RTL Nord

02. Juni 2021 - 17:03 Uhr

Mordversuch an Ehefrau und Schwägerin

Aus kurzer Distanz soll der 42-jährige Emin D. im Dezember 2020 in Uetze (Region Hannover) seiner Schwägerin ins Gesicht geschossen haben. Doch die Frau hatte Glück und überlebte. Nun ist sie gemeinsam mit ihrer Schwester, der getrennt lebenden Ehefrau des Angeklagten, Nebenklägerin im Prozess gegen den Mann. Weil er versucht haben soll, seine Ehefrau und deren Schwester zu ermorden, muss sich Emin D. vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Dort behauptet er: "Ich habe mir nicht vorgenommen, meine Schwägerin oder Ehefrau zu töten."

Vorangegangen war eine Trennung

Seit rund 15 Jahren waren Emin D. und seine Frau ein Paar, elf Jahre davon verheiratet, als die gebürtige Syrerin im Mai 2020 "verschwand", so lässt es der Angeklagte durch seinen Anwalt erklären. "Ich war tief betroffen und beschämt", wird der Deutsche mit türkischen Wurzeln von seinem Anwalt zitiert. Weil er die gemeinsame Tochter, ein Wunschkind nach mehreren Fehlgeburten, immer seltener sehen durfte, habe er viel Alkohol getrunken und Kokain genommen. Dann sei ihm eingefallen, dass er eine Waffe im Garten seiner Mutter vergraben hatte und sei damit im Dezember 2020 angetrunken zu seiner Ehefrau gefahren. "Für mich war das eine Schande, dass mich meine Frau mit meinen Problemen allein gelassen hat und ich mein Kind nicht sehen konnten", lässt der 42-Jährige seinen Anwalt verlesen.

"Ich habe nur gespürt, wie das Blut floss"

Vor Gericht sagt die Schwägerin von Emid D. als Nebenklägerin selber aus. Ihre Schwester habe sich im Schlafzimmer eingeschlossen und angerufen, weil ihr Mann in der Wohnung randalierte. Sie wohnte direkt gegenüber und sei herübergegangen. Über die Aggressivität habe sie sich nicht gewundert. "Ich dachte, es sei wie jedes Mal, dass er laut ist und schimpft", sagt sie vor Gericht. Auf dem Weg zu ihrer Schwester habe sie sich auf einmal unwohl gefühlt. "Ich drehte mich um und sah, dass er die Pistole in der Hand hielt", so die 46-Jährige.

Er wolle ihre Schwester umbringen, soll Emid D. zu seiner Schwägerin gesagt haben. Immer wieder habe er gegen die Tür getreten. Als die Schwägerin ihn bat, damit aufzuhören, habe er die Waffe plötzlich an ihren Kopf gehalten. An diesem Punkt muss die Verhandlung unterbrochen werden, weil die Zeugin in Tränen ausbricht. "Er hat abgefeuert. Wegen des Schusses habe ich nichts mehr gehört." Dass sie getroffen wurde, habe sie sofort gemerkt: "Ich habe nur gespürt, wie das Blut floss – sehr viel." Bis heute nehme sie Schmerz- und Beruhigungmittel.

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War der Schuss ein Versehen?

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass Emin D. absichtlich aus kurzer Distanz auf seine Schwägerin geschossen hat. Er schildert den Vorfall ganz anders: Es habe ihn geärgert, dass seine Frau nicht alleine war, erklärt der Angeklagte über seinen Anwalt: "Ich bin lautstark geworden. Ich war sehr aggressiv, habe das aber nicht so wahrgenommen, weil ich verstärkt getrunken hatte." Dabei habe sich ein Schuss gelöst. Das Projektil trat laut Anklage an der rechten Wange der Schwägerin ein und an ihrem rechten Ohr wieder heraus. Weiteren Schussversuche sollen gescheitert sein, weil die Waffe nicht mehr funktionierte.

Fünf Verhandlungstage zur Wahrheitsfindung

Ob der Schuss sich von alleine gelöst hat oder Emin D. doch absichtlich auf seine Schwägerin gezielt hat, muss das Landgericht Hildesheim nun klären. Dem 42-Jährigen wird versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und ein Verstoß gegen das Waffengesetz zur Last gelegt. Für den Prozess sind zunächst fünf Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte demnach am 29. Juni gesprochen werden. (dpa/mba)