Urteil im Mordprozess gefallen!

Zehn Jahre Haft für IS-Rückkehrerin Jennifer W.

25. Oktober 2021 - 19:41 Uhr

Sie sah zu, wie ein Kind verdurstete

IS-Rückkehrerin Jennifer W. aus Lohne im Kreis Vechta muss zehn Jahre in Haft! Das entschied das Oberlandesgericht München am Montag. Sie und ihr damaliger irakischer Mann sollen für den Tod eines kleinen jesidischen Mädchens verantwortlich sein. 2015 soll die kleine Rania im Hof ihres Hauses in Falludscha (Irak) verdurstet sein - gefesselt bei brennender Hitze. Der Ehemann von Jennifer W. soll sie angebunden, die 30-Jährige tatenlos dabei zugesehen haben.

Jennifer W. schwieg fast 2 Jahre lang, dann gab sie zu: "Ich sah, dass sie schwächer wurde"

Seit 2019 stand die IS-Rückkehrerin Jennifer W. vor Gericht, dann brach sie nach fast zwei Jahren ihr Schweigen.

Die Angeklagte gab in einer Zeugenaussage vor Gericht im Prozess gegen ihren Ex-Mann Tahia an, die fünfjährige Rania und ihre Mutter seien fast täglich von ihm geschlagen und beschimpft worden. An dem Tag, an dem ihr Mann das kleine Kind bei sengender Hitze im Freien angebunden habe, habe er sie bestrafen wollen, sie sei krank gewesen und habe ins Bett gemacht. Die 30-Jährige habe sich nicht getraut einzugreifen, erklärte sie weiter vor Gericht. Sie habe aber gesehen, dass sie schwächer wurde. Brachte dem Mädchen aber nichts, auch kein Wasser. Die Fünfjährige war daraufhin qualvoll verdurstet.

Jennifer W. im OLG München
Die Angeklagte Jennifer W. in einem Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München. Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

Das Kind sei „wehrlos und hilflos der Situation ausgesetzt“ gewesen

Laut "ZDF" zweifle Jennifer W. allerdings daran, dass Rania tatsächlich tot sei. Das habe die 30-Jährige in ihrer Erklärung vor Gericht von einem Blatt Papier abgelesen: Taha habe das Mädchen, nachdem sie zusammengebrochen sei, ins Krankenhaus gebracht, das Ende sei offen. Sie hoffe, dass das Kind noch gefunden wird.

Das Oberlandesgericht München sprach sie unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland, wegen Beihilfe zum versuchten Mord sowie zum versuchten Kriegsverbrechen und wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit schuldig. Die junge Frau wirkte geschockt von dem Urteil, blickte erst hilfesuchend zu ihrem Anwalt und dann nach oben an die Decke des Gerichtssaals A 101. Als der Vorsitzende Richter Joachim Baier die Entscheidung des Gerichts begründete, schaute sie auf ihre Hände hinunter.

Das Kind sei "wehrlos und hilflos der Situation ausgesetzt" gewesen, betonte Baier. Die Angeklagte habe "von Anfang an damit rechnen müssen, dass das in der Sonnenhitze gefesselte Kind sich in Lebensgefahr befand". Sie habe aber "nichts unternommen", um dem Mädchen zu helfen - obwohl ihr das "möglich und zumutbar" gewesen sei. Ihr Ex-Mann steht wegen der mutmaßlichen Tat in Frankfurt vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft hatte eine lebenslange Haftstrafe für die Frau gefordert, die Verteidigung eine maximal zweijährige Haftstrafe wegen Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung IS. (dpa/ tst/ mca)