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Ukraine: Mutter und Kinder sterben bei Flucht - Vater erfährt es durch ein Foto der "New York Times"

Mutter und Kinder sterben bei Explosion in Irpin in der Ukraine

Vater erkennt seine tote Familie auf Foto in der "New York Times"

Familie stirbt in Irpin
Tetiana Perebyinis (43), ihr Sohn Mykyta (18) and ihre Tochter Alisa (9) starben bei dem Versuch, aus Irpin zu flüchten.
AP, Andriy Dubchak

Familienvater Serhiy Perebyinis saß in der Ostukraine fest, als er erfuhr, dass seine Familie bei einem Raketenangriff ums Leben kam. Der 43-Jährige bekam keinen Anruf, es klingelten auch keine Polizeibeamten an seiner Tür. Er sah nur ein Foto der „New York Times“-Fotografin Lynsey Addario bei Twitter und wusste sofort: Seine Frau und seine beiden Kinder sind nicht mehr am Leben.

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Serhiy Perebyinis Familie wollte aus dem umkämpften Umland von Kiew fliehen

Hunderte Flüchtlinge hätten sich seit Samstag an der beschädigten Brücke versammelt, um den Fluss Irpin zu überqueren.
Ukrainische Soldaten haben eine Brücke in Irpin gesprengt, um den Vormarsch der russischen Soldaten nach Kiew aufzuhalten.
VG, AP, Vadim Ghirda

Auf dem Bild liegen vier leblose Körper neben Rollkoffern, Rucksäcken und einer Tiertransportbox auf einer Straße in Irpin. Serhiy musste nur die Gepäckstücke sehen, um zu wissen, dass er auf die Leichen seiner Frau Tetiana (43), seines Sohns Mykyta (18) and seiner Tochter Alisa (9) blickte, erzählt er der „New York Times“ in einem emotionalen Interview. Seine Familie starb bei dem Versuch, aus dem umkämpften Umland von Kiew ins Stadtzentrum zu fliehen – zusammen mit dem 26-jährigen Anatoly Berezhnyi, einem ehrenamtlichen Helfer, der die drei in Sicherheit bringen wollte.

Serhiy Perebyinis Familie wollte eigentlich weg aus der Ukraine, erzählt er in dem Interview. Die Firma seiner Frau habe sogar schon eine Wohnung in Polen angemietet. Doch sie habe noch überlegt, wie sie ihre alzheimerkranke Mutter in Sicherheit bringen könnte. Und Serhiy selbst sei Mitte Februar in seine Heimatstadt Donezk gereist, um sich um seine kranke Mutter zu kümmern. Als der Krieg ausbrach, seien dann die Checkpoints in dem von Separatisten kontrollierten Gebiet geschlossen worden und er konnte nicht zurück zu seiner Frau und seinen Kindern.

Familie versteckte sich im Keller vor russischen Bomben

Die Familie habe sich im Keller versteckt, wenn die Bomben explodierten, erzählt er in dem Interview. Sein Sohn habe angefangen, tagsüber zu schlafen, damit er nachts über seine Mutter und seine kleine Schwester wachen konnte. Die Familie beschloss, ins nahegelegene Kiew zu flüchten. Der erste Versuch scheiterte, weil sie einen russischen Panzer die Straße herunterrollen sahen. Am Sonntag unternahmen sie dann den nächsten Versuch.

Mit dem Auto sei seine Frau mit Mykyta, Alisa und ihren Eltern bis Irpin gekommen. Dort habe die Familie dann aber zu Fuß weitergemusst. Die ukrainische Armee hatte die Zufahrtsstraßen zur Stadt zerstört, um die russischen Truppen am Vormarsch zu hindern. Die Flüchtlinge hätten an einer Stelle die Deckung verlassen müssen, um eine Straße zu überqueren. Das war die Stelle, wo sie beschossen wurden. Eine Rakete explodierte nur wenige Meter von der Familie entfernt. Tetiana, Mykyta, Alisa und ihr Begleiter Anatoly hatten keine Chance. Serhiy Schwiegereltern, die etwas weiter hinten liefen, überlebten den Angriff, wie die „New York Times“ berichtet.

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Irpin liegt 30km westlich von Kiew und tausende Menschen flüchten.
Tausende Menschen flüchten aus der stark umkämpften Stadt Irpin.
www.imago-images.de, IMAGO/ZUMA Wire, IMAGO/Mykhaylo Palinchak

Der Familienvater versuchte von Donezk aus die Flucht seiner Familie per Tracking-App zu verfolgen. Es brach ihm das Herz, dass er nicht bei ihnen sein konnte. Doch weil die Funkverbindung immer wieder zusammenbrach, sah er ihre Position zuletzt im Haus der Familie, dann habe er die Verbindung verloren. Die nächste Meldung erhielt er aus einem Krankenhaus in Kiew. Da habe er schon geahnt, dass etwas schief gegangen sein musste, erzählt er in dem Interview. Er habe noch versucht, seine Frau und seine Kinder anzurufen. Doch da waren sie alle schon tot und niemand beantwortete die Handyanrufe.

Nachdem er dann das Foto seiner toten Familie im Internet sah, wusste er, dass er nicht länger in Donezk bleiben konnte. Weil der kürzeste Weg nach Kiew versperrt war, überquerte er die Grenze nach Russland, buchte einen Flug nach Kaliningrad und machte sich von dort aus über Polen auf den Weg zurück in die Ukraine, berichtet er in der „New York Times“. An der russisch-polnischen Grenze wäre der Familienvater fast noch verhaftet worden. Die Grenzsoldaten wollten ihn zuerst nicht weiterlassen. Doch er habe gesagt: „Meine ganze Familie ist gestorben bei dem, was ihr eine Spezialoperation und wir einen Krieg nennen. Ihr könnt mit mir machen, was ihr wollt. Ich habe nichts mehr zu verlieren.“ Schließlich bekam Serhiy Perebyinis aber seine Papiere wieder und durfte passieren, sodass er zu seiner toten Familie nach Kiew konnte. (jgr)

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